Zahnarztbesuch bei Jugendlichen mangelhaft

Zweimal im Jahr sollten Jugendliche zum Zahnarzt gehen, darauf macht das Gesundheitsamt aufmerksam. Die Ergebnisse einer Befragung im Rahmen der Jugendgesundheitsstudie (JUGS) 2005 durch das Gesundheitsamt zeigten allerdings, dass 39 Prozent der Jugendlichen im letzten Jahr nicht beim Zahnarzt gewesen sind. Jungen zeigten sich als die Sorgenkinder: 47 Prozent, also fast die Hälfte, war im letzten Jahr nicht beim Zahnarzt.

Welche Jugendlichen gehen am wenigsten zum Zahnarzt?

Als Gruppe mit Unterstützungsbedarf konnten Schüler auf Haupt- und Förderschulen identifiziert werden: Jeder zweite Hauptschüler (47 Prozent) und zwei Drittel der Förderschüler (67 Prozent) gaben an, in den letzten zwölf Monaten nicht beim Zahnarzt gewesen zu sein. Auch was die kieferorthopädische Behandlung betrifft, weisen diese beiden Gruppen die niedrigsten Raten auf (Hauptschüler 31 Prozent und Förderschüler 19 Prozent).

Welche Kosten übernimmt die Krankenkasse?

Zahnärztliche Untersuchungen sowie Vorsorgemaßnahmen im Rahmen der Individualprophylaxe werden für Jugendliche bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres von der gesetzlichen Krankenversicherung in vollem Umfang übernommen. Die Individualprophylaxe wird in der Zahnarztpraxis durchgeführt und umfasst Leistungen wie Mundgesundheitsaufklärung, Fluoridierung und Versiegelung der bleibenden Backenzähne.

Wie häufig putzen sich Jugendliche die Zähne?

Positiver fielen die Ergebnisse der Jugendgesundheitsstudie beim Zähneputzen aus. Mindestens zweimal täglich sollten Jugendliche sich die Zähne putzen. Daran halten sich nach eigenen Angaben 81 Prozent der Jugendlichen von 14 bis 16 Jahren in Stuttgart. Damit zeigen sie sich gewissenhafter als Jugendliche aus dem Rest Deutschlands, von denen nur 72 Prozent der Empfehlung folgen.

Ergebnisse zum Mundgesundheitsverhalten

Im Großen und Ganzen sind die Ergebnisse zum Mundgesundheitsverhalten der Jugendlichen
zufriedenstellend, allerdings zeigt die Datenauswertung, dass einige Gruppen zu einer besseren Zahnpflege motiviert werden sollten. So putzen beispielsweise Jungen weitaus seltener regelmäßig ihre Zähne als Mädchen (75 Prozent zu 86 Prozent). Auch Jugendliche mit Migrationshintergrund greifen tendenziell seltener zur Zahnbürste als Jugendliche deutscher Herkunft. Sie befinden sich auch deutlich seltener in kieferorthopädischer Behandlung als deutsche Jugendliche (36 Prozent zu 54 Prozent).

Mögliche Gründe für mangelnde Zahnhygiene

Mögliche Gründe für mangelnde Zahnhygiene und seltenere Zahnarztbesuche von Migranten und Jugendlichen mit geringerer Bildung sehen Vertreter des Gesundheitsamtes in mangelndem Wissen oder mangelndem Bewusstsein für die Wichtigkeit des Zähneputzens und einer regelmäßigen zahnärztlichen Kontrolle, in der Scham wegen eines schlechten Zahnstatus oder schlichtweg in der Angst vor dem Zahnarzt. Bei der kieferorthopädischen Behandlung spielen sicher auch finanzielle Gründe eine Rolle, denn diese ist zuzahlungspflichtig. Eine wichtige Vorbildfunktion für Kinder und Jugendliche nehmen die Eltern ein. Deshalb müssen sie so früh wie möglich informiert und aufgeklärt werden.

Kostenlose zahnmedizinische Gruppenprophylaxe

Seit Jahren führen das Gesundheitsamt und die Stuttgarter Arbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege in Kindertageseinrichtungen und Schulen der Landeshauptstadt Stuttgart eine kostenlose zahnmedizinische Gruppenprophylaxe durch. Sie ist ein wichtiges Instrument, um Kinder und Jugendliche mit dem Zahnarzt vertraut zu machen und stellt eine wertvolle Ergänzung zur Individualprophylaxe beim niedergelassenen Zahnarzt dar. Neben einer zahnärztlichen Untersuchung gibt es für Kinder und Jugendliche mehrere Vorsorgeprogramme. Dabei wird versucht, Ängste abzubauen und mit den Kindern ein verantwortungsbewusstes Mundgesundheitsverhalten einzuüben. Zu diesem gehört nicht nur das regelmäßige und gründliche Zähneputzen und der halbjährliche Zahnarztbesuch, sondern auch ein maßvoller Konsum von Süßigkeiten und vor allem gesüßten Getränken, denn Zucker greift die Zähne an und verursacht Karies.

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