Gemeindepsychiatrischer Verbund

Der Gemeindepsychiatrische Verbund (GPV) in Stuttgart geht zurück auf den Landespsychiatrieplan des Ministeriums für Arbeit, Soziales und Gesundheit Baden Württemberg aus dem Jahr 2000.

Der Gemeindepsychiatrische Verbund ist geregelt in einer Vereinbarung über die Zusammenarbeit in der Landeshauptstadt Stuttgart mit den beteiligten Trägern der sozialpsychiatrischen Versorgung und der Landeshauptstadt Stuttgart.

Ziel der Vereinbarung

Ziel der Vereinbarung im Gemeindepsychiatrischen Verbund ist es, psychisch erkrankten Menschen in der Landeshauptstadt die von ihnen benötigten Hilfen bereit zu stellen. Die Notwendigkeit des Abschlusses einer Vereinbarung ergibt sich aus der Vielfalt der Träger der psychiatrischen Versorgungseinrichtung, der Vielfalt der Sozialleistungsträger für diesen Personenkreis und der Notwendigkeit der Anpassung der jeweiligen Leistung an dem häufig wechselnden Versorgungs- und Betreuungsbedarf bei den betroffenen Einwohnerinnen und Einwohnern.

Die Vertragspartner des GPV verpflichten sich, die Ressourcen so effizient, effektiv und verantwortungsbewusst wie möglich einzusetzen und niemanden wegen Art und Schwere der Störung auszuschließen. Allgemeine konzeptionelle Leitlinie des GPV ist der personenzentrierte Ansatz.


Zielgruppe

Zielgruppe sind alle Menschen mit wesentlichen, nicht nur vorübergehenden, psychischen Beeinträchtigungen, die Unterstützung zur Führung eines selbstständigen und eigenverantwortlichen Lebens brauchen.

Grundsätze

Die Vertragspartner machen sich zur Aufgabe, für den beschriebenen Personenkreis eine am Wohnort orientierte Versorgung vorzuhalten. Die psychisch erkrankten Menschen sollen individuell zugeschnittene Hilfen in ihrem Lebensfeld in Anspruch nehmen können und so wenig wie möglich auf einen Wechsel in ein künstlich geschaffenes Milieu zurückgreifen müssen. Die Entwicklung einer bedarfsgerechten Versorgung in der Landeshauptstadt Stuttgart wird als gemeinschaftliche Aufgabe von der Landeshauptstadt Stuttgart, Leistungsträgern, Trägern psychiatrischer Einrichtungen, Psychiatrieerfahrenen, Angehörigen und Bürgerhelfern betrachtet.

Umsetzung des Gemeindespychiatrischen Verbundes

Der Gemeindepsychiatrische Verbund verfügt über verschiedene Organe:

  • Steuerungsgremium
  • Trägerverbund
  • Hilfeplankonferenz
  • Beschwerdestelle

Steuerungsgremium

Im Steuerungsgremium unter Federführung der Sozialplanung für psychisch Kranke des Gesundheitsamtes sind neben den Vertretern der Stadt Angehörige und Betroffene ebenso vertreten wie Träger und Anbieter von Versorgungseinrichtungen und Sozialleistungsträgern, dem Kommunalverband für Jugend und Soziales, den Krankenkassen und der Rentenversicherungsträger. Aufgabe des Steuerungsgremiums Psychiatrie ist es, die Verbesserung der Versorgung der betroffenen Einwohnerinnen und Einwohner und die optimale Steuerung der Ressourcen zu initiieren. Die Geschäftsführung liegt bei der Landeshauptstadt Stuttgart, Gesundheitsamt.

Trägerverbund

Die beteiligten Träger der psychiatrischen Versorgung übernehmen gemeinsam die Pflichtversorgung für den oben genannten Personenkreis. In dem Gremium des Trägerverbundes werden Vorschläge des Steuerungsgremiums umgesetzt, Synergien zwischen den Trägern abgesprochen, Organisationsstrukturen der psychiatrischen Versorgung optimiert und Trägervorhaben abgestimmt.


Hilfeplankonferenzen

Die Träger der sozialpsychiatrischen Versorgungseinrichtungen übernehmen eine gemeinsame Versorgungsverpflichtung in den von ihnen gebotenen Leistungsbereichen und setzen diesen Anspruch in der Hilfeplankonferenz im Bereich Wohnen um. Keine Person des definierten Personenkreises soll gezwungen werden, Hilfen außerhalb der Versorgungsregion in Anspruch zu nehmen, vorbehaltlich der Finanzierung der Hilfen. Die Träger der Einrichtungen wirken zusammen, um die Versorgungsverpflichtung einzulösen.

Beschwerdestelle

Für alle psychisch Kranken und deren Angehörigen steht zur Wahrung ihrer Rechte und für Beschwerden über unrechtmäßige, unfachliche oder falsche Behandlung und Betreuung in psychiatrischen Einrichtungen und Diensten die Beschwerdestelle Stuttgart zur Verfügung. Die Beschwerdestelle Stuttgart ist eine Einrichtung der neutralen Interessenvertretung für psychisch kranke Menschen. Sie stellt einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung von psychosozialen Angeboten dar. Als Vermittlungsstelle bei unterschiedlichen Wahrnehmungen und Einstellungen kann sie im Einzelfall zur Konfliktbewältigung und insgesamt zu einer Verbesserung des Hilfesystems beitragen.
Die Vereinbarung zum Gemeindepsychiatrischen Verbund besteht seit dem 01.09.2005.

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