Richard von Weizsäcker

Dr. Richard von Weizsäcker (1920-2015) ist seit 1990 Ehrenbürger von Stuttgart. Am 15. April 1920 wurde der spätere Bundespräsident in einer Mansardenwohnung des Neuen Schlosses in Stuttgart geboren. Im Stuttgarter Stadtbezirk Bad Cannstatt kann man heute noch ein Abbild von ihm aus jungen Jahren betrachten: Von Weizsäckers Onkel, der Stuttgarter Bildhauer und Maler Fritz von Graevenitz, nahm den kleinen Richard zum Vorbild für die Figur des Erbsen-Brunnen-Bübles.

Seine weitere Kindheit und Jugend verbrachte er dann aufgrund des Diplomatenberufs seines Vaters in der Schweiz, Dänemark und in Berlin. Im Anschluss studierte er Rechtswissenschaften und Geschichte in Göttingen.

Dr. Richard von Weizsäcker, Bundespräsident a.D.
Dr. Richard von Weizsäcker, Bundespräsident a.D. (Foto: Dr. Richard von Weizsäcker)

Von 1981 bis 1984 übte er das Amt des Regierenden Bürgermeisters von West-Berlin aus, bis Dr. Richard von Weizsäcker zum sechsten Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland gewählt wurde. Dabei sah er seine Aufgabe nicht nur in Repräsentationspflichten, sondern vor allem in der Begegnung mit Menschen. Besonders zur Jugend suchte er stets den Kontakt. Aber auch gegenüber gesellschaftlichen Randgruppen oder Staatskritikern zeigte der promovierte Jurist keine Berührungsängste.

"Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung"

Die Aussöhnung mit dem Ostblock, Gespräche mit der damaligen DDR und die Unterstützung des Reformprozesses in der von Michael Gorbatschow geführten Sowjetunion waren seine Anliegen während seiner Amtszeit. Er kümmerte sich auf seinen Reisen besonders auch um die Probleme der Entwicklungsländer, beschäftigte sich darüber hinaus mit der weltweiten Arbeitslosigkeit, der Unterbeschäftigung und dem Umweltschutz. Aufsehen und Respekt im In- und Ausland erregte seine Rede zum 40. Jahrestag der deutschen Kapitulation am 8. Mai 1945 - einen Tag, den von Weizsäcker als Tag der Befreiung von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft bezeichnete.

"Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung", waren die Worte, mit denen der Bundespräsident zu einem bewussten Umgang mit der deutschen Geschichte aufrief. 1989 wurde er aufgrund seines hohen Ansehens und seiner Autorität als einziger Kandidat für die Bundespräsidentenwahl mit großer Mehrheit wieder gewählt. Die letzte Rede seiner Amtszeit nutzte von Weizsäcker, um deutlich zur Abwehr des Rechtsextremismus aufzurufen. Am 30. Juni 1994 übergab er das Amt des Bundespräsidenten dann an Roman Herzog.

Dr. Richard von Weizsäcker verstarb am Samstag, 31. Januar 2015.

 

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