Sozialplanung für Prostitution
In Stuttgart gehen nach Erkenntnissen des Ermittlungsdienstes Prostitution der Polizei ungefähr 4000 Frauen und 300 Männer der Prostitution nach. Es ist von einer Dunkelziffer auszugehen.
Konkurrenzdruck und Sprachbarrieren
Der Anteil von Frauen und Männern mit Migrationshintergrund ist hoch, mehr als zwei Drittel haben keinen deutschen Pass. In den vergangenen Jahren kamen vor allem Frauen aus Osteuropa. Hoher Konkurrenzdruck, fehlende Perspektiven, Gewalt- und Abhängigkeitsverhältnisse schaffen Probleme. Druck und Ängste führen dazu, dass Fragen des Infektionsschutzes hinten angestellt werden.
Bei den Männern kommt ein hoher Anteil aus Ländern der Balkanregion. Stricher sind besonders gefährdet, sich mit HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten anzustecken. Viele sind nicht ausreichend über Übertragungswege und Krankheitsverlauf informiert. Auch aufgrund ihres jugendlichen Alters, das in der Regel zwischen 18 und 25 Jahren liegt, sind die Betroffenen oft nicht in der Lage "safer sex" gegenüber den Freiern durchzusetzen.
Angebote und Zugangswege
Die Stadt Stuttgart fördert Präventions- und Beratungsangebote für Prostituierte. Sie unterstützt den Zugang zu Maßnahmen des Infektionsschutzes, zu Tests und medizinischer Betreuung im Falle von Infektionen mit sexuell übertragbaren Erkrankungen. Außerdem führt die Stadt eigene Angebote durch und fördert Angebote des Caritasverbandes für Stuttgart, der AIDS-Hilfe Stuttgart e. V. und des Vereins zur Förderung von Jugendlichen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten e. V.
Prostituierte werden über Streetwork - aufsuchende Sozialarbeit - , durch niedrigschwellige Anlaufstellen und Beratungsangebote angesprochen. Um Sprachbarrieren und Zugangsschwierigkeiten zu überwinden, werden vereinzelt muttersprachliche Kräfte, sogenannte Peers , eingesetzt, die selbst aus dem Milieu kommen. Sie weisen auf Angebote hin, vermitteln und helfen Schwellen abzubauen, die Prostituierte hindern, sich Beratung und Unterstützung zu sichern.
In der Beratung geht es um Unterstützung im Alltag bei psychosozialen Problemen und Suchtmittelabhängigkeit, um wirtschaftliche Probleme und um alternative Lebensperspektiven.

