Stuttgart-Süd - Einwohnerversammlung

Verkehrsthemen standen im Vordergrund

Über 250 interessierte Bürgerinnen und Bürger waren in der 1888 erbauten ehemaligen Feuerwache Heslach da, als Bezirksvorsteher Rupert Kellermann die Bürgerversammlung für den Stadtbezirk Stuttgart-Süd am 7. April 2014 eröffnete. Der Süden sei - trotz Problemen - ein beliebter Bezirk mit einer lebendigen Urbanität geworden. Dies bewiesen die zahlreichen Zuzüge von Familien, sagte Kellermann.

Stuttgart-SüdVergrößernDass der Süden ein quirliges Quartier ist, mit hoher Bevölkerungsdichte und viel Verkehr, zeigt ein Blick in die Schreiberstraße. Foto: Mehmet WernerDass der Süden ein quirliges Quartier ist, mit hoher Bevölkerungsdichte und viel Verkehr, zeigt ein Blick in die Schreiberstraße. Foto: Mehmet Werner

Wende zu einer umwelt- und menschengerechten Mobilität nicht von heute auf morgen möglich

Oberbürgermeister Fritz Kuhn ging in seiner Rede auf das Problemthema Verkehr mit seinen Folgen wie Feinstaub und Lärm näher ein. "Ich habe den Kampf für mehr öffentlichen Nahverkehr, für mehr Fahrrad und Fußgänger in der Verkehrsbilanz aufgenommen", sagte Kuhn. Sieben Prozent Radverkehr seien "lausig", da andere Städte das Zwei- und Dreifache vorweisen könnten.

Die Wende zu einer umwelt- und menschengerechten Mobilitätsstadt ginge aber nicht von heute auf morgen und auch nicht gegen die Autoindustrie, betonte Kuhn. Dort müsse die E-Mobilität ausgebaut und ihre Versorgung aus erneuerbaren Ressourcen sicher gestellt werden. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Rede waren die Themenbereiche Wohnung und Bildung. Hier sei viel Geld in den neuen Haushalt eingestellt worden, um bezahlbare Wohnungen zu schaffen und die Kinderbetreuung auszubauen. "Ich bin allen dankbar, die an dieser guten Entwicklung mitgewirkt haben", sagte Kuhn weiter.

Der Verkehr bewegt den Süden

Wie es sich schon im Internet unter www.beteiligungsportal-stuttgart.de im Vorfeld der Bürgerversammlung angedeutet hatte, zog sich das Thema Verkehr auch durch die anschließende Fragerunde. So wurde beispielsweise die Zukunft der Tübinger Straße thematisiert, da im Rahmen des Einkaufszentrums Gerber eine zusätzliche Verkehrsbelastung zu erwarten sei. "Wie sollen Radfahrer dann dort überleben?", verschärfte eine Radlerin die Diskussion.

Für den Bürgermeister für Umwelt und Städtebau, Matthias Hahn, war klar, dass der Autoverkehr in der bereits ausgelasteten Straße weiter einschränkt werden müsse. So gebe es bereits ab der Kreuzung Feinstraße für Kraftfahrzeuge keine Durchfahrt mehr zum Marienplatz. Er erwarte aber den Großteil des Kundenverkehrs auf der Paulinenbrücke, der gesamte Anlieferverkehr sei dagegen unter der Brücke geregelt, sagte Hahn weiter.

Parkproblematik im Bezirk

Die durch die Einführung des Parkraummanagements im Westen noch weiter verschärfte Parkproblematik im Bezirk, fehlende Salzstreuungen im Winter, rücksichtsloser Verkehr auf der Alten Weinsteige, zu viele Lastkraftwagen im Heslacher Tunnel sowie die stark belastete und beschädigte Karl-Kloß-Straße waren weitere Kritikpunkte der Bürgerinnen und Bürger.

Auch an der künftigen Verkehrsbelastung durch die geplante Fertigbau-Kita in der Eierstraße entzündete sich eine rege Diskussion: Die Sackgasse könne den zusätzlichen Bring- und Holverkehr nicht aufnehmen, klagten die Anwohner und befürchteten ein Verkehrschaos. Die Bürgermeisterin für Soziales, Jugend und Gesundheit, Isabel Fezer, wies auf die Verpflichtung der Stadt zur Bereitstellung von Betreuungsplätzen und auf die enormen Schwierigkeiten der Standortsuche in Stuttgart hin. "Wir sind heilfroh, genügend Plätze gefunden zu haben", sagte sie. Die Kita sei interimsweise nur für fünf Jahre genehmigt, fügte Hahn hinzu.

"Eine neue Kultur der Rücksichtnahme"

OB Kuhn forderte abschließend eine neue Kultur der Rücksichtnahme auch im Verkehr ein. Alle Teilnehmer - ob Autos, Radler oder Fußgänger - müssten Rücksicht aufeinander nehmen. Vor allem aber die Autofahrer müssten einsehen, dass die Stadt nicht ihnen allein gehöre. Der öffentliche Raum sei für alle Bürger und ihre Formen der Mobilität da, appellierte Kuhn an seine Zuhörer und wurde mit Applaus belohnt.

Weitere Themenbereiche waren das geplante neue Jugendhaus in Verbindung mit der Stadtteilbibliothek, Baubeginn ist voraussichtlich 2015/16, die Downhillstrecke für Biker, die ab dem Sommer für 140.000 Euro gebaut werden soll, der Soziale Wohnungsbau, den die Stadt jetzt mit rund 25 Millionen Euro fördert, und die Erhaltung der Stuttgarter Stäffele als Fußgängernetz, das ebenfalls gefördert wird. "Da erspart die Dauernutzung das Fitness-Studio", merkte Kuhn unter dem Gelächter der Anwesenden an. Zum Ende der Bürgerversammlung versprach der Oberbürgermeister die Beantwortung aller noch offenen Fragen aus dem Bürgerbeteiligungsportal.

Die Stadtverwaltung wird darüber hinaus auch die Themenschwerpunkte der Veranstaltung für alle Interessierten zusammenfassen und voraussichtlich Mitte Mai auf www.beteiligungsportal-stuttgart.de einstellen.

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