Die Kuckuckssage

Eines Tages ritt der Herzog von Württemberg mit seinem Gefolge durch den Botnanger Wald. Plötzlich hielt er an und lauschte verzückt dem Ruf des Kuckucks. Er hätte zu gern einmal diesen merkwürdigen Vogel aus der Nähe betrachtet. Den Botnangern war sein Wunsch Befehl. Wie sie es dann fertig brachten, den scheuesten Vogel ihres Waldes zu fangen, verrieten sie nicht; immerhin erfüllten sie des Herzogs Wunsch. Der Kuckuck gefiel ihm sehr, doch er meinte, sie könnten ihm eine noch größere Freude machen, wenn sie ihm auch das Nest des Vogels brächten.

Der Herzog wusste sehr wohl, dass dieser Wunsch unerfüllbar war. In Botnang beriet man drei Tage lang hin und her. Niemand wusste Rat. Schließlich meinte der Schultheiß, das Nest des Kuckucks sei doch der ganze Wald. Wie könne man aber den nach Stuttgart bringen?

Die Botnanger wollten sich nicht blamieren, und so ließen sie dem Herzog sagen, er könne das Nest haben, nur müsse er es sich selber holen.

Das war es, was sich der Herzog wohl erhofft hatte. Er bedankte sich für das großzügige Geschenk rasch, bevor es sich die Botnanger wieder anders überlegen konnten. Verschmitzt fügt er hinzu, das Nest bleibe der Einfachheit halber da, wo Gott es hingesetzt habe. Da waren die Botnanger ihren schönen Wald los. Nichts als Spott hatten sie sich mit ihrer Gutmütigkeit eingehandelt, und dazu noch den Schimpfnamen "Kuckuck".

Jede Sage hat ihren Wahrheitsgehalt: Der Stadtbezirk Botnang endet noch heute an den Waldgrenzen. Obwohl ringsum von Wald umgeben, "gehört" rein markungstechnisch gesehen kein einziger Baum zu Botnang!

 
 

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