Erich Hauser: Röhrenplastik 8/73

Erich Hauser hat mit seiner Röhrenplastik ein Kunstwerk geschaffen, das in seiner Ganzheit nur im Kopf des Beobachters entsteht. Sie ist in zwei Teil gegliedert: den einen in der Rabatte und den anderen auf dem Sockel. Diese sind durch eine Feuergasse getrennt. Der Beobachter zeichnet den Weg, den das Rohr unter der Erde beschreibt in seinem Kopf nach. Die beiden Teile scheinen unterirdisch miteinander verbunden. Es entsteht der Eindruck, als ob durch die Zickzack-Bewegung, die das Kunstwerk vollführt, unten und oben miteinander verbunden seien.

Erich Hauser: Röhrenplastik 8/73, 1973 (2001)Vergrößern
Erich Hauser: Röhrenplastik 8/73 ©Stadt Stuttgart

Beschreibung

Nähert man sich aus Richtung vhs der Rotebühlkaserne, stößt man auf die Röhrenplastik 8/73 von Erich Hauser. Unter einem Baum in einer schräg angelegten Grünanlage sieht man ein großes rundes Stahlrohr. Akzentuiert wird es durch eine Einkerbung. Wie aus dem Nichts bricht es aus dem Boden, ragt nach oben, knickt ab und verschwindet, so unvermittelt wie es aufgetaucht ist, wieder in der mit Efeu bepflanzten Rabatte. Wo führt es hin?

Der interessierte Passant folgt seiner Intuition und gelangt über einige Stufen nach oben auf den Parkplatz der Rotebühlkaserne. Auf einer Grünfläche neben parkenden Autos ist ein gepflasterter Sockel zu erkennen. Da die Pflastersteine nur lose um die Austrittstelle arrangiert sind, vermittelt es den Eindruck, als breche das Kunstwerk aus dem Boden. Das Stahlrohr gleicht in Größe, Form und Farbe dem aus der Rabatte. Das silberglänzende Rohr ragt schräg aus dem Boden und knickt nach hinten ab. Ein weiteres Rohr reicht im Zickzack, die Form eines Dreiecks nachbildend, um das aus der Erde gebrochene herum. Dieses endet aber nicht vorne rechts, wo es begonnen hat, sondern richtet sich steil acht Meter in die Höhe. Die obere Kante ist gerade abgeschnitten. Die Einkerbung ist direkt nach vorne ausgerichtet.

Die Röhrenplastik besteht insgesamt aus drei Teilen. Das silberne Material glänzt im Licht und die dunkel verschattete Einkerbung steht im Kontrast zur hellen Oberfläche. Das perfekt verarbeitete Material und die unscheinbaren Nahtstellen sind typisch für Erich Hausers Werke. Nicht nur die unterschiedlichen Farbeindrücke, sondern auch die stumpf und spitz zulaufenden Ecken und Enden machen das Kunstwerk interessant und abwechslungsreich.

Auf dem Parkplatz stehend überblickt man beide Teile der Röhrenplastik - den einen in der Rabatte und den anderen auf dem Sockel. Diese sind durch eine Kurve beschreibende Feuergasse getrennt. Der Beobachter zeichnet den Weg den das Rohr unter der Erde beschreibt in seinem Kopf nach. Die beiden Teile scheinen unterirdisch miteinander verbunden. Es entsteht der Eindruck, dass durch die Zickzack Bewegung, die das Kunstwerk vollführt, unten und oben miteinander verbunden ist.

Erich Hauser gelingt es mit seiner Röhrenplastik ein Kunstwerk zu kreieren, welches in seiner Ganzheit nur im Kopf des Beobachters entsteht.

Eine weitere Röhrenplastik, Plastik in V2A-Stahl (1976), Erich Hausers befindet sich an der Hohenheimer-Straße in Stuttgart-Mitte.

Geschichte der Plastik

Die Röhrenplastik 8/73 von Erich Hauser wurde ursprünglich für das Haus der Landesvertretung in Bonn geschaffen. Nach dem Regierungsumzug 2001 nach Berlin wurde das Kunstwerk in Stuttgart vor der Oberfinanzdirektion aufgestellt. Aufgrund der neuen Anforderungen, die an die Plastik gestellt wurden, ließ man ein Röhrenelement entfernen und die ursprünglich an eine Außenwand angebrachte Röhrenplastik wurde eine reine Bodenplastik.


Technische Daten
Künstler Erich Hauser
Titel (Röhrenplastik) 8/73
Jahr 1973
Material Edelstahl
Maße 8,00 x 5,00 x 3,00 m
Standort Rotebühlstraße vor dem Rotebühlbau, Stuttgart-Mitte
Eigentümer Vermögen und Bau Baden-Württemberg

Weiterführende Literatur:

  • Skulpturen des 20. Jahrhunderts in Stuttgart. Hrsg. Bärbel Küster. Heidelberg 2006.

 
 

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