Dan Graham: Gate of Hope, 1993

Spiegelungen, die Eigen- und Fremdwahrnehmung auf eine besondere Weise ermöglichen, sind das große Thema des US-amerikanischen Künstlers Dan Graham. Die Skulptur Gate of Hope wurde für die Internationale Gartenbauausstellung IGA 1993 in Stuttgart errichtet. Sie bildet das Bindeglied zwischen Leibfriedschem Garten und Rosensteinpark. Das Tor der Hoffnung ist eine Konstruktion aus Edelstahl und Glas auf einem Betonsockel, das den Eingang in den Leibfriedschen Garten markiert.

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Dan Graham: Gate of Hope ©Wolfram Janzer

Beschreibung

Für seine Stuttgarter Tor-Skulptur Gate of Hope wählte Dan Graham die geometrische Grundform einer Pyramide aus vier gleichseitigen Dreiecken. Nach Südosten zum Lodzer Steg hin ist die Skulptur offen, gegenüber, hangaufwärts, ist die Spitze der seitlichen Dreiecksflächen 'abgeschnitten', wodurch sich ein Weg durch die Pyramide in den Garten ergibt. Wer den Leibfriedschen Garten betritt, dem verengt sich das Tor, wer hinausgeht, gewinnt Weite.

Die Seitenflächen sind durch Edelstahlprofile in kleine gleichseitige Dreiecke gegliedert und verglast. Das Glas ist Verbundglas aus einer Schicht Spionspiegelglas und einer Schicht Normalglas. Das Spiegelglas erlaubt trotz Spiegelungen gleichzeitig Durchblicke, wodurch sich Seheindrücke überlagern. Dazu kommen die Spiegelungen in der Wasseroberfläche des 45 Zentimeter tiefen Wasserbeckens auf dem Grund der Pyramide, das mit einem Gitter bedeckt ist.

Dem Künstler gelingt es, mit seiner Skulptur ein betretbares Kaleidoskop zu schaffen, die Spiegelungen und Durchblicke ermöglichen neue Wahrnehmungen: der Betrachter nimmt sich selbst, die anderen Personen und die Natur auf eine neue Weise wahr.

Die gläsernen Pavillons sollen, so der Künstler, "innen und außen erfahrbar sein. Sie zeigen dem Betrachter seinen eigenen Körper und sich selbst als wahrnehmendes Subjekt, geben ihm aber auch die Möglichkeit, andere Personen zu beobachten, die wiederum sich selbst wahrnehmen ... die Wahrnehmung ist im ununterbrochenen Fluss und wird ständig verändert, je nachdem, welche Seite mehr Licht vom Himmel und Sonne von Augenblick zu Augenblick empfängt."

Grahams erster Vorschlag

Der Beirat "Landschaft und Kunst" des Stuttgarter Gemeinderates hatte den Künstler Dan Graham zu einem Beitrag zur Internationalen Gartenbauausstellung IGA 1993 eingeladen.

Grahams erster, 1989 vorgetragener Vorschlag für die IGA, der vom Planungsteam abgelehnt wurde, hatte einen Skateboard Pavillon vorgesehen. Darin hätten die Skateboarder ihre Sprünge von allen Seiten gespiegelt sehen können.

Die ebenfalls 1989 in einem Vorentwurf vorgelegte "Kunststation" Gate of Hope - Tor der Hoffnung fand die Zustimmung des Gremiums und wurde realisiert.



Technische Daten
Künstler Dan Graham
Titel Gate of Hope
Jahr 1993
Material Edelstahlprofile, Verbundglas und Metallgitter über Wasserbecken
Maße 8,10 x 10,20 x 5,20 m; Scheitelhöhen 12,77 und 6,25 m
Standort Leibfriedscher Garten, Südosteingang, Stuttgart-Nord
Eigentümer Vermögen und Bau Baden-Württemberg/ Stadt Stuttgart

Weiterführende Literatur:

  • Skulpturen des 20. Jahrhunderts in Stuttgart. Hrsg. Bärbel Küster. Heidelberg 2006.