Bernhard Heiliger: Montana I, 1969

Auf den ersten Eindruck wirkt die vor der Landesbibliothek platzierte Plastik Montana I von Bernhard Heiliger, als heiße sie die Passanten mit weit ausgebreiteten Armen willkommen. Ihre offene Form lässt dem Betrachter Raum für eigene Interpretationen. Dabei verbindet Heiliger die Plastik mit der Vorstellung einer Bewegung, die trotz ihrer geschlossenen Formgebung ein dynamisches Eigenleben besitzt. Diese Plastik ist mehr als ein Spiel mit ästhetischen Formen; sie ist gebannte Vitalität und räumliche Realität.

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Bernhard Heiliger: Montanta I, ©Wolfram Janzer

Beschreibung

Die Bronze-Skulptur Montana I entfaltet sich in 1,65 Meter Höhe und breitet ihre Arme über drei Meter weit aus. Die abstrakte Skulptur lässt viele Assoziationen zu: manche sehen die Flügel eines Vogels vor sich, andere die aufgeschlagenen Seiten eines Buches oder die Silhouette eines ausgedehnten Bergmassivs. Durch den Kontrast aus dunkelgrün patinierten und goldglänzend polierten, aus rauen und glatten Flächen gewinnt die Skulptur ihren großen Reiz und ihre faszinierende Lebendigkeit.
Die Bronze-Skulptur wurde von der Gießerei Noack in Berlin gefertigt. Sie wurde noch vor Fertigstellung der neuen Bibliothek 1969 auf Initiative von Professor Horst Linde, Erbauer der Württembergischen Landesbibliothek, angekauft.

Bronzeskulpturen

Der Name Montana verweist auf eine bewegte Hügellandschaft. Im selben Jahr hat Heiliger auch die Skulptur Tramontana I geschaffen, die an den kühlen Nordwind trans montes erinnert, der über die Berge fegt. Auch der Grosse Phönix III (1966), der Feuervogel, der sich goldglänzend aus der dunklen Asche erhebt (heute in der Sammlung Würth, Schwäbisch Hall), gehört zu der Werkgruppe der teilpolierten Bronzeskulpturen der 1960er Jahre.

Die Plastik bei Bernhard Heiliger

Heiliger verband Plastik mit der Vorstellung von Bewegung. Er fasste seine eigene künstlerische Zielsetzung zusammen: Plastik ist kein Spiel mit ästhetischen Formen; Plastik ist gebannte Vitalität und räumliche Realität. Vorsichtig tastend wächst sie in den Raum, blüht vegetativ in ihm oder stößt dynamisch mit großen Pulsschlägen gegen ihn, oder aber durchschwebt ihn transzendent.

Ein Zweitguss von Montana I steht seit 1972 im Park der Villa Hammerschmidt in Bonn, seit dem Umzug nach Berlin dem zweiten Amtssitz des Bundespräsidenten. Eine leicht veränderte Version Montana II fertigte Heiliger 1969 für Burda in Offenburg. Sie steht auf Granitsockel vor dem "Andy Warhol Building" im Burda Medienpark am Kestendamm.

Technische Daten
Künstler Bernhard Heiliger
Titel Montana I
Jahr 1968/1969
Material Bronze, patiniert und poliert
Maße 3,05 x 1,00 x 1,65 m
Standort Konrad-Adenauer-Straße 8 vor der Württembergischen Landesbibliothek
Eigentümer Vermögen und Bau Baden-Württemberg

Weiterführende Literatur:

  • Skulpturen des 20. Jahrhunderts in Stuttgart. Hrsg. Bärbel Küster. Heidelberg 2006.

 
 

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