Baumstandortsanierung

Der autogerechte Ausbau der Städte, die Streusalzanwendung, Schadstoffbelastungen aus der Luft, Grundwasserabsenkungen und Baumaßnahmen im Wurzelbereich haben die Standortbedingungen der Straßenbäume in den vergangenen Jahrzehnten verschlechtert, was zur Erkrankung und zum Absterben vieler Stadtbäume führte.

Die Infrarotluftbildauswertung von 1983 durch das Garten- und Friedhofsamt zeigte als Ergebnis einen alarmierenden Vitalitätszustand der Bäume. Das damalige Garten- und Friedhofsamt erhielt daraufhin den Auftrag, ein langfristig angelegtes Sanierungsprogramm für Baumstandorte zu entwickeln. Dieses wurde mit der Gemeinderatsdrucksache 648/1986 beschlossen und dient bis heute als Arbeitsgrundlage für die Sanierung der Baumstandorte im Straßenraum.

Entsprechend der Dringlichkeit und örtlichen Gegebenheiten wird nach drei Sanierungsmethoden eingeteilt:

Bäume im HerbstVergrößern
Foto: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

Typ A: Die große Sanierung

  • Wesentliche Vergrößerung der Baumbeete durch umfangreiche Umgestaltungsmaßnahmen. Zusammenlegung von Einzelbaumquartieren zu großflächigen Pflanzstreifen, Verlegung oder Entsiegelung von Stellplätzen
  • Bodenlockerung, Bodenaustausch und Bodenverbesserung
  • Weitgehende Entsiegelung der angrenzenden Flächen durch Einbau von wasserdurchlässigen Belägen (meist Sickerpflastersteinen, Rasenpflaster, Schotterrasen, wassergebundene Decke)

Typ B: Die Teilsanierung

  • In Bereichen, wo aus Platzgründen nur eine geringfügige Vergrößerung der Baumbeete zum Beispiel durch Verschmälerung des Gehwegs und Zusammenlegung von Einzelquartieren möglich ist
  • Dort gegebenenfalls unterirdische Vergrößerung des Wurzelraumes unter anderem durch den Einbau von verdichtbarem Baumsubstrat unter Gehwegbelägen
  • Bodenlockerung, Bodenaustausch und Bodenverbesserung.
  • Weitgehende Entsiegelung der angrenzenden Flächen durch den Einbau von wasserdurchlässigen Belägen (meist Sickerpflastersteinen)

Typ C: Die Sofortmaßnahmen

  • Zur Stärkung der Widerstandskraft von Bäumen auf sanierungsbedürftigen Standorten und zur Aktivierung des Bodenlebens
  • Bodenlockerung und Verbesserung des Bodengefüges und des Bodenlufthaushaltes mit dem sogenannten modifizierten Bioturbatorverfahren wird der Boden durch das Einbringen einer Metallsonde unter Verwendung von Druckluft und Wasser gelockert. Es werden Verbaustoffe wie zum Beispiel Lava zur Stabilisierung des Bodengefüges eingebracht sowie organische Düngemittel und Mittel zur Bodenverbesserung im Boden verteilt
  • An Standorten, an denen aus Platzgründen ein derartiger Eingriff in den Boden nicht möglich ist, erfolgt ausschließlich eine Bewässerung und gleichzeitige Düngung der Bäume mit organischem Flüssigdünger

Weitere Maßnahmen:

Neben den oben genannten Sofortmaßnahmen wurden in den letzten Jahren im Rahmen von Typ C zusätzlich weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Baumvitalität durchgeführt, zum Beispiel:

  • Behandlung von Eisenchlorose an Eichen mit speziellem Eisendünger
  • Düngeversuche mit Bodenhilfsstoffen mit dem Ziel, die Widerstandsfähigkeit der Bäume gegen Trockenstress zu stärken und die Auswirkungen von Streusalz zu mildern. Die Versuche werden mittels Blattanalysen überwacht und werden in den nächsten Jahren fortgeführt
  • Aufhängen von Pheromonfallen in Kastanien zur Ermittlung der Befallsdichte durch die Kastanienminiermotte
  • Verschiedene Versuchsansätze zur Bekämpfung von Baumschädlingen, wie zum Beispiel Kastanienminiermotte, Platanennetzwanze, Napfschildlaus, Eichenprozessionsspinner
  • Versuche zur Behandlung von baumzerstörenden Pilzen