Manifest für ein friedliches und aktives Miteinander der Religionen in Stuttgart

Stuttgart, eine internationale Stadt

Unsere Stadt ist eine internationale Stadt und wird im 21. Jahrhundert noch internationaler werden. Durch die zunehmende Globalisierung werden die Grenzen immer mehr geöffnet für Warenhandel, Dienstleistungen, Informationen, Finanzströme und den wissenschaftlichen Austausch sowie für kulturelle Kooperationen. Ebenso überwinden immer mehr Menschen aus aller Welt mit ihren Kulturen und Religionen die Grenzen ihres jeweiligen Kulturkreises. Der Großraum Stuttgart, eine der stärksten Hightech- und Exportregionen Europas, wird besonders stark von der Globalisierung erfasst werden.

Heute leben Menschen aus über 170 Nationen in Stuttgart; sie sprechen mehr als 100 Sprachen. Diese Vielfalt zeichnet unsere Stadt aus. Jeder vierte Stuttgarter ist in die Landeshauptstadt zugewandert oder stammt von Zuwanderern ab. Stuttgart kann als eine Art Mikrokosmos der Vereinten Nationen im Kraftfeld von Internationalität und Integration gesehen werden.

Viele Initiativen, die Kirchen und Religionsgemeinschaften und ihre Einrichtungen sowie gute Nachbarschaft haben in der Vergangenheit bewirkt, dass in Stuttgart die Menschen friedlich zusammen leben und unsere Stadt heute die sicherste Großstadt in Deutschland ist. Auch das "Bündnis für Integration", zu dem unter anderem das "Forum der Kulturen" gehört, trägt mit vielen Dialogforen und Integrationsangeboten zu einem guten Miteinander bei.

Dieses friedliche und hilfreiche Miteinander weiter zu entwickeln und zu sichern, sehen wir als unsere gemeinsame Aufgabe an. Insbesondere sehen wir eine mögliche Gefährdung für das Zusammenleben in Stuttgart, wenn wirtschaftliche Schwierigkeiten und der Verlust von Arbeitsplätzen und Ausbildungsplätzen für junge Leute die soziale Balance gefährden.

Vor allem sehen wir eine Gefahr darin, dass religiöse Überzeugungen mit radikalem Fundamentalismus durchsetzt und soziale Unzufriedenheit im Namen einer Religion auch unter Menschen mit einem Migrationsschicksal geschürt und für politische Zwecke missbraucht werden. Dieser Gefahr möchten wir entgegen wirken.

Der Runde Tisch der Religionen

Alle Bürgerinnen und Bürger Stuttgarts fordern wir auf, an der gemeinsamen Verantwortung für ein gedeihliches und friedvolles Zusammenleben der Menschen in unserer Stadt teil zu haben. Dazu gehören das tolerante Miteinander, das Akzeptieren fremder Sitten und Bräuche und vor allem der Respekt vor den religiösen Überzeugungen anderer. Der Runde Tisch der Religionen in Stuttgart sieht deshalb für die Religionsgemeinschaften in unserer Stadt eine besondere Verantwortung für das Zusammenleben aller.

In allen Religionen gibt es die Aufforderung zur Mitmenschlichkeit und zum Frieden, zur Achtung der Würde des einzelnen Menschen und zur Bewahrung der Schöpfung. Die gemeinsame Botschaft des Friedens, der Toleranz und der gegenseitigen Achtung zu fördern und auch in unserer Stadt wirksam werden zu lassen, ist die wesentliche Aufgabe des Runden Tisches der Religionen.

Dem dienen der Dialog der Religionsgemeinschaften über Sitten, Gebräuche und Traditionen, die Möglichkeit einander in Gottesdiensten zu besuchen und vielfältige Begegnungen, um einander besser kennen zu lernen und mögliche Vorurteile abzubauen. Dazu gehört auch die Überzeugung, dass möglichen Gefährdungen unseres Miteinanders der Nationen und Religionen präventiv begegnet werden soll.

Für ein friedliches Miteinander der Religionen in Stuttgart

Die Unterzeichnenden dieses Manifests sind sich darin einig, dass sich Stuttgart als eine internationale Stadt friedlich und qualitätsvoll entwickeln soll. Die Vielfalt der Sprachen, Kulturen und Religionen gehören zum Reichtum unserer Stadt. Ihn müssen wir erhalten. Dazu wollen die Religionsgemeinschaften in Stuttgart beitragen.

Die Religionsgemeinschaften setzen sich deshalb dafür ein,

  • dass Konflikte grundsätzlich gewaltfrei gelöst werden.
  • dass eine Religion niemals zur Rechtfertigung von Gewalt dienen kann.
  • dass eine Religion nicht für politische Zwecke missbraucht werden darf.
  • dass die Religionsgemeinschaften für gegenseitigen Respekt und Toleranz werben.
  • dass die Religionsgemeinschaften aktiv unseren demokratischen Rechtsstaat unterstützen, damit jede Form von Extremismus und Fundamentalismus, Nationalismus oder andere menschenverachtende Ideologien keine Chance in Stuttgart haben.
  • dass die Religionsgemeinschaften Begegnungen und Dialoge organisieren.
  • dass die Religionsgemeinschaften mithelfen, eine bessere Chancengerechtigkeit zu ermöglichen, zum Beispiel in der Schule, am Arbeitsplatz und im Alltag, und so die Integration in unserer Gesellschaft erleichtern und fördern.