Bibliothek des Königin-Charlotte-Gymnasiums, heutiges Hölderlin-Gymnasium 1779-1928 (1947)

Das Stadtarchiv Stuttgart hat im Rahmen eines umfangreichen Projektes die historische Bibliothek des Königin-Charlotte-Gymnasiums katalogisiert und erschlossen.

Bibliothek des Königin-Charlotte-Gymnasiums

Die Bibliothek des Königin-Charlotte-Gymnasiums setzt sich aus einer Schüler- und einer Lehrerbibliothek zusammen.

Beide Bibliotheksteile wurden mit einem Jahr Zeitabstand von zwei Studentinnen und einem Studenten der Hochschule der Medien, Fachbereich Bibliothekswesen, im Katalog des Südwestdeutschen Bibliotheksverbundes einschließlich einer Provenienzerschließung nach dem Modell der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar katalogisiert und erschlossen.

Wir wollten allen Beteiligten die Möglichkeit geben, sich auch inhaltlich und bestandsgeschichtlich mit der Bibliothek auseinanderzusetzen. Deshalb sind die Texte zur Schüler- und Lehrerbibliothek relativ unabhängig voneinander entstanden.
An den Texten, die ja auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten geschrieben wurden, haben wir nur Änderungen vorgenommen, wenn zwischenzeitliche Abweichungen in der Verzeichnung festgehalten werden mussten. Vielleicht sind auch sie einmal ein Stück Bestandsgeschichte der Schulbibliothek des Königin-Charlotte-Gymnasiums:
Den Beginn dieser Auseinandersetzung stellt die Arbeit von Frau Dr. Balzert dar; sie war die Grundlage für die gesamte Erschließung der Bibliothek im Stadtarchiv Stuttgart. (vgl. Hierzu: Monika Balzert in: Festschrift 100 Jahre Hölderlin-Gymnasium-Stuttgart. Stuttgart, [1999]). Frau Antonia Weinmann hat im Pilotprojekt der Katalogisierung der Lehrerbibliothek die Struktur sowohl der inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Bestand als auch der Texte entscheidend mitbestimmt. Frau Kerstin Meischel und Herr Peter Molitor haben über die Katalogisierung der Schulbibliothek hinaus zusätzlich noch die Gruppe der Bücher der Erscheinungsjahre 1929 bis 1947, die Besitzvermerke aufweisen, in die Bearbeitung mit aufgenommen.

Frau Weinmanns Halbjahrespraktikum fand je zur Hälfte in der Württembergischen Landesbibliothek und dem Stadtarchiv Stuttgart (Projektteil) statt. Frau Meischel und Herr Molitor haben die Schülerbibliothek im Rahmen eines 5-wöchigen Praktikums bearbeitet.

Das Stadtarchiv dankt Frau Prof. Wiesenmüller von der Hochschule der Medien in Stuttgart und den Kolleginnen und Kollegen der Württembergischen Landesbibliothek für die gute Zusammenarbeit und tatkräftige Förderung des Projekts. Bei der Ausarbeitung der Regeln für die Angaben zur Provenienz fanden wir Rat und Unterstützung durch die Anna-Amalia-Bibliothek, wofür wir uns ebenfalls herzlich bedanken wollen.

Insgesamt wurden von den Studenten / innen 1907 Titelaufnahmen im Südwestdeutschen Bibliotheksverbund mit Bestandsdaten des Königin-Charlotte-Gymnasiums versehen. Davon sind 1111 der Lehrer- und 634 Datensätze der Schülerbibliothek zuzuordnen. 119 Lokalsätze haben keine Zuordnung zur Lehrer- oder Schülerbibliothek. Diese setzen sich zusammen aus 68 Lokaldaten an Gesamtaufnahmen für Serien (hier wurde nicht nach den beiden Bibliotheksteilen differenziert) und 51 Lokaldaten an Titelaufnahmen mit Erscheinungsjahr 1929 und jünger. Näheres erläutert der in den Bestandsinformationen enthaltene Informationstext zu Aufbau und Systematik der Bibliothek.
Frau Weinmann, Frau Meischel und Herr Molitor haben unter Anleitung insgesamt 507 eigene Katalogisate einschließlich Fremddatenübernahme erstellt.
Die Lehrerbibliothek hat an Einzelaufnahmen 64 % Stücktitel von mehrbändigen Werken und 36 % einbändige Monographien. Bei der Schülerbibliothek ist das Verhältnis fast genau ausgeglichen. Dies belegt zum einen die Beobachtung von Frau Meischel und Herrn Molitor über die unterschiedliche inhaltliche Ausrichtung der Bibliotheksteile (vgl. Kap. 5.2.), zum anderen eine generelle Tendenz in der sogenannten Bildungsliteratur des untersuchten Zeitraums: eine Vorliebe für hierarchische Gliederungen besonders in den wissenschaftlichen Werken mit teilweise mehrschichtigen Ober- und Unterabteilungen.
Bemerkenswert an der Bibliothek des Königin-Charlotte-Gymnasiums, in der sich nur sehr wenige bibliophile Titel befinden, ist nicht das Außergewöhnliche, sondern gerade das Profane, das Typische für eine Gebrauchsbibliothek von Schülern und Lehrern einer Bildungseinrichtung der bürgerlichen Mittel- und Oberschicht des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts.

September 2009
Sabine Schrag
Stadtarchiv Stuttgart, Bibliothek

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