Lebenslauf Manfred Rommel

Von 1975 bis 1996 war Manfred Rommel Oberbürgermeister der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart. Der zweite OB der Nachkriegszeit folgte Dr. Arnulf Klett, der 1974 unerwartet gestorben war. Während seiner Amtszeit setzte sich Manfred Rommel intensiv dafür ein, Stuttgart zu einer modernen, weltoffenen Metropole und zu einem europäischen Wirtschaftszentrum zu machen. Zum Jahresende 1996 gab er den Stab an seinen Nachfolger Dr. Wolfgang Schuster weiter.

Die Stadt, in der er 22 Jahre Oberbürgermeister war, ist auch seine Geburtsstadt: Manfred Rommel kam am 24. Dezember 1928 als Sohn des späteren Generalfeldmarschalls Erwin Rommel und Lucie Maria Rommel, geborene Mollin, im Stuttgarter Osten in der Landhausstraße 122 zur Welt. Nach Aufenthalten in Dresden, Goslar und Potsdam lebte die Familie von 1938 bis 1943 in der Wiener Neustadt und danach in Herrlingen bei Ulm, das heute ein Ortsteil von Blaustein ist.

Am 14. Oktober 1944 musste Manfred Rommel von seinem Vater Abschied nehmen, der wegen des Verdachts der Beteiligung an der Verschwörung gegen Hitler gezwungen wurde, sich mit Gift selbst zu töten. Dieses traumatische Erlebnis ließ ihn nie mehr los und prägte sein späteres Leben. Auch für sein politisches Handeln leitete er daraus die Prämisse ab, die Demokratie immer zu stärken und sie auch in schwierigen Zeiten niemals preiszugeben.

Im Januar 1944 war Manfred Rommel als Luftwaffenhelfer eingezogen worden. Im Februar 1945 kam er zum Reichsarbeitsdienst und geriet im April in französische Kriegsgefangenschaft. Im September kam der 16-Jährige wieder frei und ab Frühjahr 1946 besuchte er das Wieland-Gymnasium in Biberach an der Riß, wo er 1947 das Abitur machte. Sein Studium der Rechtswissenschaften in Tübingen schloss er 1952 mit dem ersten und 1956 mit dem zweiten Staatsexamen ab. Noch während des Studiums engagierte sich Manfred Rommel in der CDU-Hochschulgruppe und wurde 1953 CDU-Mitglied.

1954 heiratete er seine Frau Liselotte, geborene Daiber, die er auf gemeinsamen Zugfahrten nach Tübingen während des Studiums kennengelernt hatte. Das Ehepaar hat eine Tochter.

Berufsweg

Seinen Berufsweg begann Rommel 1956. Als Regierungsassessor trat er in die Verwaltung des Landes Baden-Württemberg ein und machte schnell Karriere: 1959 Regierungsrat, 1962 Oberregierungsrat, 1965 Regierungsdirektor, 1967 Ministerialrat, 1970 Ministerialdirigent, so die Stationen. Drei Jahre lang, von 1960 bis 1963 war er persönlicher Referent des damaligen Innenministers Hans Filbinger, anschließend, bis 1966, arbeitete er als dessen Grundsatzreferent.

Manfred Rommel wird Oberbürgermeister

Nach dem überraschenden Tod des Stuttgarter Oberbürgermeisters Dr. Arnulf Klett, ging Manfred Rommel bei der Neuwahl als Kandidat der CDU ins Rennen und wurde am 1. Dezember 1974 im zweiten Wahlgang mit 58,9 Prozent zum Oberbürgermeister der Landeshauptstadt gewählt. Sein Hauptgegenkandidat Peter Conradi (SPD) kam auf 39,5 Prozent.

Als OB ließ sich Manfred Rommel ungern durch Parteipolitik einengen, sondern suchte im Gemeinderat, auf Bürgermeisterebene und mit den Kollegen in anderen Städten und Gemeinden die Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg.

Zu einer viel beachteten Entscheidung kam es im Jahr 1977, in dem er auch erstmals zum Präsidenten des Deutschen Städtetags gewählt worden war. Nach der Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer begingen die in Stuttgart-Stammheim inhaftierten Terroristen Gudrun Ensslin, Andreas Baader und Jan Carl Raspe Selbstmord. Rommel entschied, sie gemeinsam in einem Grab auf dem Dornhaldenfriedhof bestatten zu lassen. Dabei betonte er: "Ich bin der Auffassung, dass auch noch so berechtigter Zorn mit dem Tod erlöschen muss und dass es keine Friedhöfe erster und zweiter Klasse gibt und dass alle Friedhöfe gleich sind.

Als Stadtoberhaupt arbeitete Manfred Rommel von Anfang an daran, Stuttgart durch Umstrukturierungen und Sanierungen für die Zukunft fit zu machen. Unter anderem war es sein Ziel, erschwinglichen Wohnraum zu schaffen und der um sich greifenden Stadtflucht entgegenzuwirken. So wurde zum Beispiel das Bohnenviertel, wo eigentlich das Technische Rathaus errichtet werden sollte, bevorzugt dem Wohnungsbau zur Verfügung gestellt und auf diese Weise unterstrichen, dass innerstädtisches Wohnen nicht nur möglich, sondern auch attraktiv sein kann. Darüber hinaus setzte sich der OB dafür ein, Wohngebiete vom Durchgangsverkehr zu entlasten und den öffentlichen Personennahverkehr als Alternative zum Auto voranzubringen. Wichtige Meilensteine in diesem Zusammenhang waren die Gründung des Verkehrs- und Tarifverbunds für die Region Mittlerer Neckar (VVS) zum 1. Januar 1978 und der Start der S-Bahn am 29. September desselben Jahres.

Bei den Finanzen setzte Rommel, der auf diesem Gebiet einen nahezu legendären Ruf genoss, von Anfang an klare Zeichen. Schon 1975 bis 1978 fasste der Gemeinderat mehrere Beschlüsse, um die Ausgaben zu drosseln. Auch in seiner Politik gegenüber dem Land machte er immer wieder unmissverständlich deutlich, dass Stuttgart als Landeshauptstadt außergewöhnliche Lasten zu schultern habe und dies finanziell angemessen berücksichtigt werden müsse.

Schon früh erkannte Manfred Rommel, dass sich die Kommunalverwaltung selbst für die Stärkung der Wirtschaft einsetzen muss. Die Konsequenz daraus war der Aufbau einer Abteilung für Wirtschaftsförderung. Als Aufsichtsratsvorsitzender mehrerer Wirtschaftsunternehmen in kommunaler Trägerschaft trug er viel dazu bei, diese wettbewerbsfähig zu erhalten und ihren Bestand für die Zukunft zu sichern. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit entstand bei der Fusion von städtischer Girokasse und Württembergischer Landessparkasse zur Landesgirokasse eine erfolgreiche und stabile Regionalbank.

Präsident des Deutschen Städtetags

Während seiner acht Jahre als Präsident des Deutschen Städtetags (1977-79, 1981-83, 1989-93) sowie als Vizepräsident, bzw. Stellvertreter des Städtetagspräsidenten (10 Jahre) hat Manfred Rommel die Interessen der deutschen Städte gegenüber Bund und Ländern mit Nachdruck vertreten. Sein engagierter Einsatz für eine angemessene Finanzausstattung der Städte brachte ihm allerdings auch manche Gegnerschaft ein.

Zweite Amtszeit

Dank seiner erfolgreichen Stadtpolitik, seiner persönlichen Integrität und seiner großen Bürgernähe war die Wiederwahl 1982 für Manfred Rommel nahezu eine Selbstverständlichkeit. Bereits im ersten Wahlgang am 7. November stellte er mit 69,8 Prozent des Wählervotums seine zweite Amtszeit überzeugend sicher.

Auch in den folgenden Jahren sammelte Manfred Rommel mit seiner grundsoliden, überlegten Finanzpolitik, einer liberalprogressiven Ausländerpolitik und einer kommunalen Außenpolitik, die unter anderem in weitere Städtepartnerschaften mit Lodz, Brünn und Samara mündete, viel Zustimmung.

Darüber hinaus war es stets ein großes Anliegen des Oberbürgermeisters, die Jüdische Gemeinde in Stuttgart zu unterstützen und zu stärken. Auch der Kontakt zu den ehemaligen jüdischen Bürgern der Landeshauptstadt war ihm außerordentlich wichtig. Ab 1983 wurden deshalb frühere jüdische Bürger Stuttgarts zu einem Besuch in die alte Heimat eingeladen. Wann immer möglich, setzte sich Manfred Rommel eindringlich für Aussöhnung und einen bewussten, verantwortungsvollen Umgang mit der Geschichte ein. Nicht zuletzt verband ihn eine enge persönliche Freundschaft mit dem langjährigen Jerusalemer Oberbürgermeister Teddy Kollek.

Auch sonst waren Ausgleich und Versöhnung zentrale Motive seiner internationalen Beziehungen. Besonders gegenüber den USA und Frankreich hegte er große Sympathien ob der herausragenden Unterstützung, die Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Zusammenbruch der nationalsozialistischen Herrschaft beim Aufbau der zerstörten Städte und der Demokratie zuteil geworden war.

In Verlauf seiner zweiten Amtsperiode gelang es Rommel, Stuttgart auch "sportlich" immer weiter nach vorne zu bringen. Der Durchbruch kam mit der erfolgreichen Ausrichtung der Leichtathletik-Europameisterschaften 1986, für die Stuttgart mit dem Olympic Cup geehrt wurde.

Dritte Amtszeit

Am 4. November 1990 wurde Manfred Rommel mit 71,7 Prozent der abgegebenen Stimmen im ersten Wahlgang für seine dritte Amtszeit als Stuttgarter Oberbürgermeister bestätigt. Die SPD hatte bereits im Vorfeld der Wahl auf einen Gegenkandidaten verzichtet.

In seiner letzten Amtszeit musste sich Rommel neben den noch immer zentralen Verkehrs-, Wohnungs- und Umweltproblemen mit den Folgen der allgemeinen konjunkturellen und strukturellen Krise auseinandersetzen, die in den 90er-Jahren vor allem in den Ballungszentren ihre Spuren hinterließ. Dabei gelang es ihm, nicht nur die Stadtfinanzen weiterhin fest im Griff zu behalten, sondern auch neue, zukunftsweisende Akzente von bedeutender Tragweite zu setzen. So fiel 1994 die Entscheidung für das Verkehrs- und Infrastrukturprojekt Stuttgart 21. Im gleichen Jahr wurde der Verband Region Stuttgart gegründet, dessen erstem Regionalparlament Rommel bis 1999 angehörte. Auslöser dieser Entwicklung war ein Grundsatzpapier über die Lage der Landeshauptstadt in der Region, das der Stuttgarter OB 1992 veröffentlicht hatte und das in der Forderung gipfelte, einen Regionalkreis in Stuttgart einzurichten.

Gleichzeitig gewann Stuttgarts Ruf als "Deutschlands heimliche Sporthauptstadt" weiter an Glanz. Krönung einer ganzen Reihe hochkarätiger Sportveranstaltungen war schließlich die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 1993. Für die das genauso sachverständige wie begeisterungsfähige Stuttgarter Publikum mit der "Trophée International du Fair Play Pierre de Coubertin" der Unesco ausgezeichnet wurde.

Verabschiedung

Mit vielstimmigem, bewegendem Lob wurde Manfred Rommel am 17. Dezember 1996 nach 22 Dienstjahren aus dem Oberbürgermeisteramt verabschiedet. Bundeskanzler Helmut Kohl zeichnete ihn beim Festakt im Staatstheater Stuttgart mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland aus. Baden-Württembergs Ministerpräsident Erwin Teufel verlieh ihm den Titel Professor. Zwei Tage später, am 19. Dezember, wurde er auf einstimmigen Beschluss des Gemeinderats zum Stuttgarter Ehrenbürger ernannt.

Aktiver Ruhestand

Am 23. November 1995 hatte der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl Manfred Rommel zum Koordinator für die deutsch-französische Zusammenarbeit ernannt. Diese Aufgabe, die seinen freundschaftlichen Gefühlen für das europäische Nachbarland sehr entgegenkam, füllte er bis Juli 1999 mit viel Engagement aus. Dabei, so Rommel, sei es vor allem darum gegangen, die Beziehungen weniger aus der Vergangenheit, sondern vor allem als Chance für die Zukunft zu definieren und die Perspektiven, die die enge Kooperation der beiden Länder für die künftigen Entwicklungen biete, herauszustellen.

Autor von Bestsellern

Trotz seiner Parkinson-Erkrankung, die 1996 diagnostiziert wurde, war Manfred Rommel als Autor und Publizist tätig. Mit seinem Elan, seiner eisernen Disziplin und seinem unverwüstlichen Humor machte er vielen Menschen Mut. Für einen 2007 erschienenen Ratgeber zur Parkinson-Krankheit schrieb er das Vorwort.

Rommels Bücher wurden Bestseller. Besonders beliebt waren seine humorvollen Sprüche, Gedichte und Parodien, seine Kolumne in der Stuttgarter Zeitung zu aktuellen Themen und andere Streifzüge durch Politik, Wirtschaft und Kultur. Seine Erinnerungen unter dem Titel "Trotz allem heiter" erschienen 1998.

Auf großes Interesse stieß die Ausstellung im Haus der Geschichte Baden-Württemberg "Mythos Rommel", die sich erstmals eingehend mit seinem Vater Erwin Rommel beschäftigte. Im Katalog zu der Ausstellung hat Manfred Rommel einen eindrucksvollen, sehr persönlichen Beitrag, "Die Geschichte des Erwin Rommel", geschrieben. Im Sommer 2010 erschien sein Buch "1944 - Das Jahr der Entscheidung. Erwin Rommel in Frankreich", das er im September zusammen mit einem neuen Bändchen seiner amüsantesten Texte selbst vorstellte.

Würdigungen

Wie hoch die Verdienste Manfred Rommels geschätzt werden, aber auch der Mensch und seine Persönlichkeit, zeigen die zahlreichen Ehrungen, die ihm auch noch im Ruhestand zuteilwurden. So erhielt er 1998 den Konrad-Adenauer-Preis für Kommunalpolitik und den Dolf-Sternberger-Preis für öffentliche Rede. 1985 wurde Rommel der Verdienstorden Chevalier der Ehrenlegion der französischen Republik verliehen, 2001 sogar der des Commandeurs. Die Universität Stuttgart zeichnete ihn 2005 als Ehrenbürger aus. Vom Städtetag Baden-Württemberg wurde er im Juni 2008 zum Ehrenpräsidenten ernannt. Im September des gleichen Jahres erhielt er den Hans-Peter-Stihl-Preis des Forums Region Stuttgart.

Manfred Rommel starb am 7. November 2013 im Alter von 84 Jahren.