Die Geschichte der Stadtbeleuchtung
Heute ist es uns bewusst, dass gut ausgeleuchtete Straßen, Wege und Plätze den Fußgängern und Autofahrern Orientierung geben und Unfälle verhindern. In Parks und verwinkelten Gassen sorgt Licht für mehr Sicherheit.
Dieses Bewusstsein war in den vergangenen Jahrhunderten nicht verbreitet. Das alte Rom war beispielsweise während der Nacht nicht beleuchtet. Beleuchtungen mit Kerzen, Talg- oder Öllampen waren auf wenige Bereiche beschränkt, zu denen Straßen und Plätze aber nicht gehörten.
Erste Belege für eine gezielte Beleuchtung des öffentlichen Raumes findet die Stadtgeschichtsforschung im 10. Jahrhundert. In Cordoba haben die Mauren einzelne Straßenzüge gepflastert und beleuchtet.
Eine erste flächendeckende Beleuchtung des öffentlichen Raums wurde im späten 17. Jahrhundert in der Innenstadt Londons mit Ölreflektorlampen realisiert.
In der Folge setzte sich die Nachtbeleuchtung des öffentlichen Raumes auch in anderen europäischen Städten mit Gaslichtsystemen durch.
Mit der Erfindung der Glühlampe im Jahr 1879 begann eine rasante Entwicklung. Für die Weltausstellung 1893 entstand in Chicago erstmals eine Lichtinstallation, die dem Stadtraum (hier dem Ausstellungsgelände) eine eigenständige Nachtwahrnehmung verlieh.
In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die amerikanischen Städte von Architekturanstrahlungen und fassadenmontierte flächige Glühlampenfelder dominiert, während in Deutschland eine "Lichtarchitektur" entstand. Die Nachtfassaden und die nächtliche Erscheinung eines Gebäudes wurden ebenso entworfen wie die Fassaden bei Tag.
Gestaltung mit künstlichem Licht hat im öffentlichen Raum der Stuttgarter Innenstadt Tradition. Der Stadtgarten wurde 1881 als erster Bereich mit elektrischem Licht ausgestattet. 1882 folgte dann der Wilhelmsplatz im Stuttgarter Zentrum. Als erster Brunnen wurde um 1900 die Laterne des Nachtwächterbrunnens an der Pfarrstraße mit elektrischem Licht versehen.
Bereits in den 20er und frühen 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es viele Experimente und Installationen mit Licht, wie beispielsweise die eindrucksvolle Übersetzung der Architektur des Tagblatt-Turmes. Der von Ernst Otto Oßwald erbaute Büroturm aus Stahlbeton erhielt eine Neonröhren-Installation, die die Konturen dieses ersten Hochhauses in Stuttgart bei Dunkelheit deutlich sichtbar unterstrich. Nach dem zweiten Weltkrieg konnten die Betriebskosten nicht mehr getragen werden und die gesamt Lichtinstallation wurde abgebaut.
Auch die Inszenierung des Stuttgarter Lichthauses Luz im Jahr 1926 durch Richard Döcker zählt zu den frühen Stuttgarter Lichtprojekten. Er stattete die Brüstungen der Straßenfassade mit weißem Opakglas aus, das nachts hinterleuchtet war. Zusammen mit den erleuchteten Fensterbändern wurde so Transparenz, Leichtigkeit und Helligkeit gewonnen. Das Lichthaus Luz wurde im zweiten Weltkrieg völlig zerstört.
Im November 1928 fand in Stuttgart eine "Licht-Schau" statt. Gemeinsam mit Berlin gehörte Stuttgart zu dieser Zeit zu den führenden deutschen "Licht-Städten".
Die meisten Anstrahlungen wurden in Stuttgart erst nach dem 2. Weltkrieg vorgenommen. Zu den wichtigen Gebäuden die zurzeit angestrahlt werden, zählen:
Das Neue und Alte Schloss, der Bahnhofsturm, die Stiftskirche, der Tagblatt-Turm, das Schillerdenkmal u.v.m.





