2009 - Dr. Joachim Hahn

Die Landeshauptstadt Stuttgart hat am 19. Januar 2009 gemeinsam mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Stuttgart (GCJZ) und der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW) Dr. Joachim Hahn die Otto-Hirsch-Medaille 2009 verliehen. Der Preisträger ist Pfarrer/Kirchenrat im Evangelischen Oberkirchenrat in Stuttgart. Die Ehrung gedenkt an Otto Hirsch (1885-1941), mit dessen Hilfe Zehntausende Juden nach 1933 auswandern konnten.

"Ich freue mich über die hohe Anerkennung und Würdigung meiner langjährigen Bemühungen um die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte", so Dr. Hahn. Gerade als evangelischer Pfarrer nehme er die Auszeichnung gerne entgegen. Er stehe "für eine Generation von inzwischen vielen Pfarrerinnen und Pfarrern, die vom Judentum lernen möchten und denen ein gutes christlich-jüdisches Miteinander in unserem Land von großer Bedeutung ist."
Dr. Joachim Hahn wurde 1954 in Stuttgart geboren, studierte Evangelische Theologie in Tübingen und Göttingen und erhielt seinen Doktortitel 1980 in Tübingen. Nachdem er in Tübingen Theologie unterrichtet hatte, wurde er Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, war von 1988 bis 1994 Pfarrer in Plochingen und anschließend unter anderem Dozent an der Evangelischen Fachhochschule in Ludwigsburg und Schulpfarrer am Gymnasium Königin-Olga-Stift in Stuttgart. Seit 2005 ist Dr. Hahn Kirchenrat.
Die Laudatio hielt Sigrid Warscher, die bis Dezember 2008 15 Jahre lang jüdische Vorsitzende der GCJZ war. Als Schlüsselerlebnis für den Preisträger nannte Warscher eine Reise mit einem Ehepaar aus Israel durch den Ortenaukreises 1975. Hierbei habe Dr. Hahn festgestellt, "wie die noch vorhandenen Zeugnisse jüdischen Lebens dem Verfall ausgesetzt waren. Damals gab es noch kaum Hinweis- oder Gedenktafeln. Ehemalige Synagogen, sofern sie überhaupt noch standen, waren zweckentfremdet, Friedhöfe nur mangelhaft gepflegt."
Warscher würdigte weiterhin Dr. Hahns Dokumentationen der israelitischen Teile des Hoppenlaufriedhofs und des Pragfriedhofs sowie des Israelitischen Steigfriedhofes. Dr. Hahn stellte zu den dort beigesetzten Personen kurze Biographien zusammen. Die alphabetische Struktur dieser Gräberlisten sei eine wertvolle Hilfe für Nachkommen der Verstorbenen. Seine "Publikationen haben sehr dazu beigetragen, dass das Interesse für Zeugnisse jüdischen Lebens im Land spürbar angestiegen" sei. Auf diese Weise werde die Erinnerung an jüdisches Leben eindrücklich festgehalten. "Dies mag ein kleiner Trost sein für all das, was unwiderruflich verloren gegangen ist", so Warscher.

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