Lichtarten
Eine Differenzierung des Lichtgestalters der Hamburger Speicherstadt Michael Batz in erstes, zweites und drittes Licht erlaubt einen praktischen Überblick über die verschiedenen Lichtarten in der Stadt.
Das erste Licht der Stadt ist das kommunale Versorgungslicht. Es ist ein nach DIN Normen geregeltes "Muss-Licht" für Sicherheit und Orientierung. Als öffentliches Funktionslicht war das erste Licht lange Zeit synonym für das Stadtlicht überhaupt. Das erste Licht hat die Aufgabe, Verkehrsflächen ausreichend hell zu erleuchten, um es den Verkehrsteilnehmern zu ermöglichen, rechtzeitig aufeinander und auf Gefahren aufmerksam zu machen. Für die Sicherstellung dieses Lichtes zeichnet in Stuttgart traditionell das Tiefbauamt verantwortlich.
Das zweite Licht lässt sich in Kurzform als das kommerzielle Licht beschreiben. Es ist das Licht der Kauf- und Warenhäuser, der großen Unternehmen, der Hotels, Restaurants, Kinos und Bars.
Das dritte Licht ist kein "Muss-Licht", sondern ein "Kann-Licht" oder "Effekt-Licht" ein charakterisierendes, akzentuierendes und atmosphärisches Licht. Es dient vor allem dem Stadtmarketing. Eine Stadt wie Stuttgart mit ihren "Plätzen, Parks und Panoramen" muss speziell diesem Licht mehr Beachtung schenken, um im Wettbewerb der größeren Städte mithalten zu können. Im Gegensatz zum ersten Licht kann dieses dritte Licht zeitlich und örtlich begrenzt, auf einzelne Objekte, effektvoll eingesetzt werden.
Das funktionale und ästhetische Ziel einer Stadtbeleuchtung ist die Wahrung der charakteristischen Identität einer Stadt, die beim Übergang vom Tag zur Nacht nicht verloren gehen, sondern markant akzentuiert werden soll.
Der vom Betrachter gesehene städtische Raum gliedert sich hauptsächlich in horizontale und vertikale Flächen. Die horizontalen Flächen, wie z.B. befahrene Straßen, Gehwege, Fußgängerzonen, Parks und Plätze, usw. werden durch das erste Licht erhellt. Die vertikalen Flächen bestehen hauptsächlich aus Gebäudefassaden, aber auch aus "Platzinhalten", wie Bäume, Brunnen, Denkmäler usw. und werden hauptsächlich durch das dritte Licht, d.h. durch Anstrahlung mit künstlichem Licht erhellt.
Die Gestaltung mit Licht steht heutzutage in unmittelbarer Wechselbeziehung zu Städtebau und Architektur. Licht gilt dabei als essenzieller "Baustoff", der in Stuttgart wieder verstärkt eingesetzt werden soll.
Lichtkonzepte der Zukunft sind aber keine Handlungsanweisung zur unreflektierten "Hellmachung", sondern sind Beitrag zur Kultur des öffentlichen Raumes und Verbesserung des urbanen Lebens.


