Karl-Heinz Franke: Edelstahl-Säulenwald, 1979

Der Edelstahl-Säulenwald - der Titel ist eine Wortschöpfung des Stuttgarter Kunstkritikers Günther Wirth - war ein Beitrag zum Internationalen Kunstkongress in Stuttgart 1979. Die Anordnung der elf Einzelobjekte und die angrenzenden Bäume zeigen, dass die Bezeichnung Säulenwald durchaus passend ist. Der Betrachter sollte sich einen Spaziergang durch den künstlichen Wald nicht entgehen lassen.

Mehrere Edelstahlsäulen stehen neben zwei Bäumen.Vergrößern
Karl-Heinz Franke: Edelstahl-Säulenwald ©Wolfram Janzer

Beschreibung

Die elf Einzelobjekte aus Edelstahl sind aus einer nur einen Millimeter dünnen und ungefähr zwei auf zwei Meter großen Metallplatte sowie aus drei Rundstäben von zirka drei Zentimeter Durchmesser geformt. An den Rundstäben (Stämmen) befestigt Franke die glänzenden Metallplatten und rundet und knickt sie in zwei Richtungen. Es gibt keinen Sockel, die Stäbe sind direkt im Boden verankert. Die Metallbögen sind auf unterschiedlicher Höhe angebracht, so dass die "Säulen" mal höher mal niedriger über dem Boden schweben. Der Gesamteindruck der formalen Anlage erinnert an eine natürliche Gruppierung - an Bäume im Wald.

Ein organischer Wald aus Stahl

Franke bog sein Material nur mit den Händen und dadurch erhielten die einander ähnlichen Objekte ihre unverwechselbare eigene Gestalt. Es ergibt sich eine enorme Vielfalt an Rundungen, Ecken und Kanten.
Das hochpolierte und reflektierende Material hat die Wirkung eines Spiegels. Die Ausbuchtungen, Knicke und Wölbungen erzeugen gestörte Reflexionen. Durch die Spiegelung wird die Umwelt fragmentiert, teilweise verformt und in das Kunstwerk miteinbezogen. Dieses Spiel mit der Reflexion funktioniert immer wieder neu - die starren "Säulen" werden dadurch zum organischen Wald.

Betreten erlaubt!

Zur vollen Entfaltung gelangt das Kunstwerk aber bloß, wenn der Betrachter die Grünfläche betritt und den Wald durchschreitet. Es ergeben sich immer neue Blickrichtungen und Variationen und selbst das Bild des öffentlichen Stadt-Raumes wird somit in Bewegung gesetzt.

Einen Spaziergang im Edelstahl-Säulenwald sollte man sich nicht entgehen lassen, denn durch die Spiegelung wird der Betrachter in das Kunstwerk integriert - und wann ist man schon Teil eines Kunstobjekts?


Technische Daten
Künstler Karl-Heinz Franke
Titel Edelstahl-Säulenwand
Jahr 1979
Material Edelstahl
Maße circa 2,00 x 2,00 x 0,001 m
Standort Berliner Platz, vor der Liederhalle, Stuttgart-Mitte
Eigentümer Stadt Stuttgart

Weiterführende Literatur:

  • Skulpturen des 20. Jahrhunderts in Stuttgart. Hrsg. Bärbel Küster. Heidelberg 2006.

 
 

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