Alfred Hrdlicka: Denkmal für Eugen Bolz, 1993

Eugen Bolz, von 1928 bis 1933 Staatspräsident von Württemberg, wurde am am 21. Dezember 1944 nach dem missglückten Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 als Mitglied des Widerstandskreises um Carl Friedrich Goerdeler zum Tode verurteilt und am 23. Januar 1945 im Zuchthaus Berlin-Plötzensee enthauptet. Alfred Hrdlicka meidet in seinen Skulpturen alles Heroische und Pathetische. Lieber stellt er Menschen dar, die mit Unzulänglichkeiten, Schmerzen oder Furcht ausgestattet sind.
Folglich hat er den Politiker Eugen Bolz nicht als überlebensgroßen Helden auf einen hohen Sockel gestellt. Stattdessen zeigt er ihn, uns gegenüberstehend, als aufrechten, gefassten, doch körperlich geschwächten Mann.

Mahnmal für Eugen Bolz von Alfred Hrdlicka am KönigsbauVergrößern
Alfred Hrdlicka: Mahnmal für Eugen Bolz, ©Thomas Schlegel

Beschreibung

Mit seiner Darstellung von Eugen Bolz schafft Alfred Hrdlicka keinen überhöhten Helden. Der Kopf des Todeskandidaten scheint sich vom Körper schon gelöst zu haben, die Brust ist ganz eingefallen. Die Konzentration der Figur geht auf die gefalteten Hände als Zeichen der Ohnmacht und Zeichen der Ergebenheit in Gott. Hrdlicka zeigt Bolz unter dem Hinrichtungsbalken als einen aufrechten, gefassten, doch körperlich geschwächten Mann.

Mit dieser Darstellung folgt Hrdlicka dem Bericht der Ehefrau Maria Bolz, die über ihre letzte Besuche am 31. Dezember 1944 und am 2. Januar 1945 bei ihrem Mann im Zuchthaus schrieb: "Zu unserem Staunen trat er uns sehr gefaßt entgegen. Sein Wesen ist ganz vergeistigt. Er ist so innerlich geworden, daß man förmlich fühlt, er lebt ganz in Gott. Gewiß lebt in ihm noch die Hoffung, daß sein von ihm abgefaßtes Gnadenversuch Berücksichtigung finden wird, aber er hat sich auch demütig in Gottes Willen ergeben."

Die Landeskreditbank - an deren Gründung Eugen Bolz in seiner Funktion als Innenminister von Württemberg beteiligt war - hatte das Denkmal bei dem Wiener Bildhauer Alfred Hrdlicka in Auftrag gegeben. Es wurde 1993 enthüllt.

DasTodesurteil

"Meine liebste Frau und Tochter! Eine tieftraurige Botschaft habe ich Euch für Weihnachten und Neujahr. Unerwartet war heute Verhandlung in meiner Sache. Ich wurde zum Tode verurteilt! Einziehung meines Vermögensteils. Ich mache noch ein Gnadengesuch an den Reichsjustizminister. Ich will das letzte versuchen. Aber ich habe wenig Glauben. Was ich gefühlt habe, kam. Erbarmungslos. Ich habe mich innerlich, religiös in Monaten darauf eingestellt. Ich muß von Euch und vom Leben Abschied nehmen. Euch zu verlassen ist mir schwer. Ich bitte Euch, nehmt es hin als das mir von Gott bestimmte Kreuz."

Mit diesen Worten informierte Eugen Bolz seine Frau Maria und seine Tochter Mechthild in einem Brief über das Todesurteil vom 21. Dezember 1944.

Der so genannte "Volksgerichtshof" begründete sein Urteil gegen den ehemaligen Politiker der Zentrumspartei mit dessen Beteiligung an dem Versuch vom 20. Juli 1944, Hitler bei einem Attentat zu ermorden und damit den Zweiten Weltkrieg zu beenden: "Eugen Bolz hat sich Goerdeler für den Posten eines Reichsministers in dessen Regierung für den Fall unseres Zusammenbruchs zur Verfügung gestellt und viele Verratsbesprechungen mit engsten Mitverrätern Goerdelers gehalten. Für immer ehrlos wird er dafür mit dem Tode bestraft."

Hredlicka thematisiert den Nationalsozialismus

Seit den 1970er Jahren beschäftigte sich Hrdlicka verstärkt mit dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus. 1974 entstand sein Grafik-Zyklus Wie ein Totentanz. Die Ereignisse des 20. Juli 1944, im Jahr 2004 begann er mit dem Zeichnungszyklus Claus von Stauffenberg und der 20. Juli 1944.

Hrdlickas Werke für den öffentlichen Raum haben großen Einfluss auf die europäische Mahnmalkultur. Die 1977 entstandene Skulptur Portrait Dietrich Bonhoeffer zeigt den 1945 im KZ hingerichteten evangelischen Pfarrer mit dem Henkerseil um den Hals.

Für Hamburg entwickelte er ab 1983 sein unvollendetes Gegendenkmal zu einem Denkmal der Nationalsozialisten, in seinem Wohnort Wien entstand 1988 bis 1991 für den Albertina-Platz das Mahnmal gegen Krieg und Faschismus.

Technische Daten
Künstler Alfred Hrdlicka
Titel Denkmal für Eugen Bolz
Jahr 1993
Material Bronze
Maße -
Standort Königsbau, Königsstraße/Ecke Bolzstraße, Stuttgart-Mitte
Eigentümer Landeskreditbank

Weiterführende Literatur:

  • Max Miller: Eugen Bolz. Staatsmann und Bekenner. Stuttgart 1951.
  • Skulpturen des 20. Jahrhunderts in Stuttgart. Hrsg. Bärbel Küster. Heidelberg 2006.

 
 

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