Alfred Hrdlicka: Hommage à Sonny Liston, 1963-65

Der amerikanische Schwergewichtsboxer Sonny Liston war für Alfred Hrdlicka der moderne Gladiator schlechthin. Die erste Fassung seiner Bronze-Skulptur entstand 1963/64. In der zweiten Fassung schlug der Künstler den linken Arm der Skulptur ab, um die Ausdruckskraft der "starken Rechten", die das Symbol des Boxers war, zu betonen. Sonny Liston war im Ring gefürchtet für seine extreme Schlagkraft und Aggressivität. Die Marmorskulptur wurde 1965 von Alfred Zöttl in Bronze gegossen. Seit dem 8. Mai 2008 steht sie neben Maryas I und Sterbender auf dem Stauffenberg-Platz.

Eine Skulptur zur Erinnerung an Sonny Liston. Ihr fehlt der linke Arm, der recht Arm ist dafür sehr groß.Vergrößern
Alfred Hrdlicka: Hommage à Sonny Liston ©Franziska Trinkner

Vita

Charles L. "Sonny" Liston (1932-1970) war zwischen 1962 und 1964 Weltmeister im Schwergewicht, in 54 Kämpfen wurde er nur viermal geschlagen. 1991 fand Liston Aufnahme in die International Boxing Hall of Fame, obwohl sein Management und auch er selbst nachweislich eng mit dem organisierten Verbrechen verbunden waren.
Anfang 1950 beging er mehrere Raubüberfälle und Diebstähle, für die er zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde. In der Haft begann er mit dem Boxen, bereits dort fiel er durch seine spektakuläre Schlagkraft auf. Er wurde frühzeitig aus der Haft entlassen und wurde Profiboxer.

1962 besiegte Sonny Liston den amtierender Weltmeister im Schwergewicht Floyd Patterson (1935-2006) in der ersten Runde durch Knockout. Ein Rückkampf mit Floyd Patterson am 22. Juli 1963 wiederholte das Ergebnis. Doch am 25. Februar 1964 nahm ihm der junge Cassius Clay den Weltmeistertitel wieder ab. Auch im Rückkampf 1965 besiegte ihn Clay, der sich inzwischen in Muhammad Ali umbenannt hatte, erneut. Im Rückkampf wurde Liston in der ersten Runde nach nur 105 Sekunden Kampf vom so genannten "Phantomschlag" (Phantom Punch) niedergestreckt. Es ist bis heute der schnellste K.O . eines ehemaligen Schwergewichtsweltmeisters im Ring.

1970 starb er unter mysteriösen und nie geklärten Umständen in seinem Apartment in Las Vegas, vermutlich an einer Überdosis Heroin. Als schwarzer Boxer in einer rassistischen Kultur machte Sonny Liston dem vor allem weißen Publikum gegenüber keinerlei Zugeständnisse. Norman Mailer sprach von Sonny Liston als "Held für alle, die sich mit dem Schicksal anlegten, solange sie nur ihren Spaß dabei hatten; die Zigarettenraucher, die Säufer, die Junkies, die Hascher, die Fixer, die Zicken, die Schwuchteln, die Klappmesser, die Revolverschwinger".

Ehrerbietungen an Sonny Liston

Alfred Hrdlicka hatte 1963, im Jahr des größten Erfolgs des Boxers, in seiner Hommage à Sonny Liston dessen Scheitern schon vorausgesehen: "Der Gladiator ist für mich ein Synonym für den modernen Menschen. Das sich in der Arena zur Schau stellen ist für jemanden, der es in unserem System zu etwas bringen will, ein notwendiges Übel geworden."

Technische Daten
Künstler Alfred Hrdlicka
Titel Hommage à Sonny Liston
Jahr 1963-1965
Material Bronze
Maße 2,25 x 0,80 x 0,45 m
Standort Altes Schloss, Seite zum Karlsplatz, Stauffenberg-Platz (vor dem Eingang zur Stauffenberg-Erinnerungsstätte), Stuttgart Mitte
Eigentümer Stadt Stuttgart

 
 

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