Alfred Hrdlicka: Sterbender, 1955-1958/1959

Der Wiener Bildhauer Alfred Hrdlicka hat mit der Skulptur Sterbender einen Torso geschaffen, der fragil wirkt, aber dennoch viel von seiner ursprünglichen Lebenskraft behält. Hrdlicka hat sie 1955 mit weißem, jugoslawischem Kalkstein begonnen. Er hat sie mehrfach überarbeitet, die Endfassung entstand 1958/59. Sie wurde von Alfred Zöttl in Bronze gegossen. Seit dem 8. Mai 2008 steht die Bronze-Skulptur Sterbender zusammen mit Maryas I und S onny Liston auf dem Stauffenberg-Platz.

Eine Bronze-Skulptur ohne Kopf.Vergrößern
Alfred Hrdlicka: Sterbender ©Franziska Trinkner

Beschreibung

Die Skulptur Sterbender, ein Torso mit bezeichnend ausgedünnter Leibesmitte, dem in der Beugung nach rückwärts die Wirbelsäule bricht, gehört zu dem Themenkreis der "Fleischmarkthallengeschöpfe". Hrdlicka hatte Mitte der 1950er Jahre angefangen, rohes Fleisch in der Wiener Fleischmarkthalle zu zeichnen.

Abseits vom Akademiebetrieb setzte er diese Anregungen in einem kleinen Atelierschuppen in Skulpturen um, die er immer wieder überarbeitete. Hier zeigt er einen sterbenden Menschen, überlebensgroß, dessen Tod vermutlich durch Gewalteinwirkung eintritt. Dem Torso fehlt der Schädel, dem Künstler schien die Ausdruckskraft des Körpers als das Wesentliche.

Gespräch mit Hrdlicka

Alfred Hrdlicka war leidenschaftlicher Steinbildhauer. In einem Gespräch im Februar 2008 anlässlich seines 80. Geburtstag, bekennt Hrdlicka: "Sie können sich gar nicht vorstellen, wie sehr ich diese Steine vermisse. Leider habe ich mich völlig ramponiert mit meiner Kunst, ich war ja völlig narrisch mit der Arbeit. Wenn die Ärzte meine Wirbelsäule sehen, müssen sie schon lachen, so verbogen ist die. Ich war mal der Größte, das können Sie mir glauben. Ich war der beste Steinbildhauer, den es gibt...Also, in Stein war ich einfach unschlagbar. ...Ich habe das aber alles allein gemacht, jeder Hammerschlag ist von mir. ...Ich bin ein Arbeiter, denn Kunst ist Arbeit. So mit dem Stein zu kämpfen, das ist meine Leidenschaft, eine Art Kampfsport, verstehen´s."

Sein Beruf, seine Leidenschaft hat ihm Rückgrat und Bandscheiben ruiniert, er ist um 16 Zentimeter geschrumpft und sitzt inzwischen im Rollstuhl. Hinterlassen hat er Skulpturen, die seine unbändige Kraft, seine Lebenswut zeigen und sein Interesse für die Schwachen, Geschundenen, Widersprüchlichen, Sterbenden, für Opfer und Täter.

Technische Daten
Künstler Alfred Hrdlicka
Titel Sterbender
Jahr 1955-1958/1959
Material Bronze
Maße 2,07 x 0,35 x 0,70 m
Standort Altes Schloss, Seite zum Karlsplatz, Stauffenberg-Platz (vor dem Eingang zur Stauffenberg-Erinnerungsstätte)
Eigentümer Stadt Stuttgart

 
 

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