Nikolaus Koliusis: 50 km/h, 2005

Die Lichtinstallation 50 km/h von Nikolaus Koliusis befindet sich unter dem neuen Kunstmuseum im Straßentunnel der B 27. Der Grundgedanke von Koliusis war, den quadratischen Grundriss des Museums aufzugreifen, ihn optisch in die beiden Tunnel zu übertragen und auf diese Weise sichtbar zu machen.

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©Wolfram Janzer

Beschreibung

Der Kubus des Kunstmuseums sitzt auf dem vergabelten Tunnelbauwerk der B 27 auf. Diese Situation greift Koliusis auf. In jedem Tunnel ist von einem fiktiven Quadrat ein in die Breite gestrecktes U in blau sichtbar. Die beiden Teile der Lichtinstallation bestehen aus einer 88 Zentimeter breiten Trägerkonstruktion, in die Leuchtmittel und transzulente Folienbahnen eingespannt sind. Mit 50 km/h entwirft Koliusis zum ersten Mal ein Kunstwerk, das nicht mit natürlichem, sondern mit künstlichem Licht arbeitet.

Die jeweils 16 Meter langen Schenkel laufen jedoch nicht parallel zur Fahrbahn, sondern sind ein wenig aus der Achse gehoben und erzeugen damit Spannung. Die beiden kurzen Seiten sind 4,9 und 6,9 Meter lang. Das Pendant in der zweiten Tunnelröhre weist dieselben Maße auf, ist allerdings seitenverkehrt montiert, so dass sie - wäre nicht die Trennwand - zusammengefügt ein Quadrat ergeben würden.

Wenn ein Autofahrer beide Tunnel durchfahren hat, kann er die beiden Lichtinstallationen im Geiste zusammenfügen.Damit erhält er einen Hinweis auf den über ihm befindlichen, neu geschaffenen Ort für Kunst.

Wirkung

Mit 50 Stundenkilometern nähert sich der Autofahrer dem blauen U, rauscht darunter hindurch und verliert es auch schon wieder aus den Augen.

Der Titel der Arbeit 50km/h beschreibt also die Geschwindigkeit ebenso wie ein Verkehrsschild. Besucht man später das Museum, entdeckt man zwei Monitore, die eine per Computer simulierte Fahrt durch beide Röhren abspielen.

Innen und Außen, Museum und öffentlicher Raum gehen so eine enge Verbindung ein. "Kulturelle Arbeit darf nicht an der Schwelle zu Museum enden", so Koliusis, sondern sollte sich über den ganzen urbanen Raum erstrecken,"

Die Installation wird täglich von zirka 50.000 Menschen gesehen - wie viele davon das blaue U als Kunstwerk wahrnehmen, kann nicht gesagt werden.

Anforderungen an das Kunstwerk

Eine Herausforderung bestand darin, das Kunstwerk den verkehrstechnischen Anforderungen eines Tunnels anzupassen. Folienfarbton und Lichtschein dürfen die Autofahrer nicht vom Verkehr ablenken. Die Materialien müssen widerstandsfähig sein und den rauen Witterungsverhältnissen im Tunnel standhalten. Die jetzige Umsetzung basiert letztendlich auf den Prinzipien, nach denen gängige Verkehrszeichen ausgeführt werden.

Technische Daten
Künstler Nikolaus Koliusis
Titel 50 km/h
Jahr 2005
Material blaue Folienbahnen und Leuchtstoffröhren
Maße 16,00 x 6,90 x 4,90 m lang, 0,88 m breit
Standort B 27, Unterführung Schlossplatz und Kunstmuseum
Eigentümer Stadt Stuttgart

Weiterführende Literatur:

  • Skulpturen des 20. Jahrhunderts in Stuttgart. Hrsg. Bärbel Küster. Heidelberg 2006.
  • Marko Schumacher: Blaues Leuchten - ein Autotunnel wird zur Kunstmeile. In: Stuttgarter Zeitung, 28.2.2005.

 
 

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