Made in Stuttgart - Standortperspektiven für dynamische Wirtschafts- und Wissenslandschaften

Zentrale Themen der Stadtentwicklung und des Stadtentwicklungskonzeptes (STEK ) Stuttgart sind der Strukturwandel in der gewerblichen Wirtschaft (verdeutlicht durch das Leitprojekt "Industriestandort im Wandel" im Stuttgarter Norden) sowie die Standortkonkurrenz, insbesondere der Wettbewerb um junge qualifizierte Erwerbskräfte, innovative und kreative Unternehmen und Kompetenzen bei Schlüsseltechnologien.

Die Veränderungen des Wirtschaftssektors und des Arbeitsmarktes sind offenkundig. Kostendruck und Kreativität gelten als Triebfedern des Strukturwandels. Stichworte einer erfolgreichen Wirtschaftpolitik sind Diversity, Clustering und Networking.

Eine leistungsfähige Wirtschaft muss auf Technologietransfer und Wissensnetzwerke setzen ebenso wie auf Existenzgründungen und lokale Ökonomien. Sie muss die Flexibilität ihrer Belegschaft gewährleisten und diese bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützen (z.B. Dual-Career-Konzept).

Hafen Stuttgart: Traditioneller Standort für Industrie und LogistikVergrößern
Hafen Stuttgart: Traditioneller Standort für Industrie und Logistik. Quelle: LHS

In seiner von Dynamik geprägten Unternehmensbasis besaß Stuttgart bislang eine markante Industrieorientierung, ein breites Outsourcing produktionsnaher Dienste fand bislang nicht statt. Eine zweite Säule bilden künftig wissensintensive Dienstleistungen im synergetischen Verbund mit Forschungsinstituten und Hochschuleinrichtungen (verdeutlicht durch das Leitprojekt "Neue Wissenslandschaft" auf den Fildern), denn Wissen, Information und Kultur gelten als die wichtigsten Produktionsfaktoren in der Wertschöpfung moderner Metropolen und Metropolregionen. Auch hier gibt es einen gewissen Nachholbedarf am Standort Stuttgart. Schlüsselfelder, die mit einem Markenzeichen "Made in Stuttgart" verbunden werden, sind traditionell "Motoren" und künftig "Medien", angesichts des gesellschaftlichen Wandels zunehmend auch der Branchenkomplex Life Sciences, Biotechnologie und organische Elektronik.

Strukturwandel in Stuttgart: Dienstleistungszentrum BollwerkVergrößern
Strukturwandel in Stuttgart: Dienstleistungszentrum Bollwerk. Quelle: LHS

Auch der Einzelhandel ist im Umbruch. Neue Mobilitätsbeziehungen und Alltagsorganisationen der Kunden, die allmähliche Aufhebung der Funktionstrennung, höhere Rentabilitätsschwellen und die Sortimentverbreiterung haben unterschiedliche Auswirkungen auf das Zentrengefüge. Die Anpassbarkeit der zentralen Versorgungsbereiche (Lage- und Immobilienqualitäten) sowie ihre Neupositionierung gegenüber peripheren Standorten / E-Commerce stehen auf dem Prüfstand.
Das Handlungsfeld "Wirtschaft" umfasst für die Stadtentwicklungsplanung somit ein breites Spektrum an Aufgaben:

Neben einer sektoralen Grundlagenarbeit (Analysen, Prognosen) zu Flächenverfügbarkeiten und veränderten Standortanforderungen, Prognosen zur Branchen-, Unternehmens- und Arbeitsmarktentwicklung wird insbesondere eine umfassende Konzeption für eine "Wirtschaftsperspektive Stuttgart" mit Handlungsansätzen zum Ausbau technologischer und logistischer Funktionen, zur Sicherung industrieller Kerne und zur Förderung kreativer Standorte und Stadtquartiere erarbeitet. Ausgehend von einer Gewerbeflächenuntersuchung mit Gebietsprofilen wird eine Zeitstufenliste Gewerbe auf der Grundlage des Nachhaltigen Bauflächenmanagements Stuttgart (NBS ) erstellt, darauf aufbauend soll im Weiteren ein Gewerbeflächenentwicklungskonzept entwickelt werden.

Des Weiteren werden Standortplanungen zu industriegewerblichen und großen MV-Schwerpunkten sowie zu Existenzgründer- / Kreativstandorten durchgeführt. Ein Büroflächenkonzept beinhaltet dezidierte Standortprüfungen auf der Grundlage der aktuellen Büromarktstudie.

Mercedes-Benz-Museum: Neue Gesichter der IndustrieVergrößern
Mercedes-Benz-Museum: Neue Gesichter der Industrie. Quelle: LHS
Neue Messe Stuttgart: Standort mit direkter FlughafenanbindungVergrößern
Neue Messe Stuttgart: Standort mit direkter Flughafenanbindung. Quelle: LHS
Markttag auf dem RathausplatzVergrößern
Markttag auf dem Rathausplatz. Quelle: LHS

Ein bedeutender Arbeitsbereich ist schließlich das Thema Einzelhandel. Marktanalysen und Standortprüfungen werden auf der Grundlage des aktuellen Einzelhandels- und Zentrenkonzepts Stuttgart vorgenommen; in diesem Zusammenhang sollen ein Konzept Nahversorgung sowie eine grundsätzliche Prüfung von freiwilligen Zusammenschlüssen analog zu so genannten "Business Improvement Districts" (BID ) für spezifische Handelslagen und Quartiere erfolgen.

Die Wirtschaft zu fördern ist somit mehr als Wirtschaftsförderung im klassischen Sinne. Den Strukturwandel auch stadträumlich erkennbar zu gestalten, kreative und hoch spezialisierte urbane Standorte und neue Arbeitsumfelder zu entwickeln und gezielt zu fördern, die Infrastrukturen und den Einzelhandel bedarfsgerecht aus- und umzubauen und modernen Wirtschaftsweisen entsprechende Unternehmensstandorte und Arbeitswelten ("neue Mischgebiete") zu schaffen, sind Aufgaben auch und insbesondere der Stadtentwicklung. Kreativität als Rohstoff und Standortfaktor, kommunale Wirtschaftsförderung und wirtschaftsorientierte Stadtentwicklungspolitik sind dabei unverzichtbare Bestandteile einer nachhaltigen Reurbanisierungsstrategie für Stuttgart.

Einkaufen in den KönigsbaupassagenVergrößern
Einkaufen in den Königsbaupassagen. Quelle: LHS
TheaterhausVergrößern
Kreativität als Standortfaktor: Theaterhaus am Pragsattel. Quelle: LHS