Kommunales Flächenentwicklungsmanagement (FEM)

Nationaler Rahmen

Die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung zielt auf die Reduktion der derzeitigen Inanspruchnahme von Boden für neue Siedlungs- und Verkehrsflächen auf 30 Hektar pro Tag sowie auf ein aktives Flächenmanagement zur vorrangigen Innenentwicklung bis zum Jahr 2020. Ein wichtiger Baustein hierfür ist eine Verstärkung der Innenentwicklung durch die Wiedernutzung von Brachflächen.

NBS-Informationsplattform - Innenentwicklungspotenziale in der Übersicht

Die Landeshauptstadt Stuttgart hat deshalb 2001 mit dem Nachhaltigen Bauflächenmanagement Stuttgart (NBS) begonnen. Dahinter verbirgt sich eine Informationsplattform, die Potenziale der Wohn-, Gewerbe- und Gemischten Bauflächen systematisch erfasst. Die Stadtverwaltung hat damit immer einen aktuellen Überblick über die Innenentwicklungspotenziale und kann aktiv und gezielt die Entwicklung einzelner Flächen vorantreiben. NBS identifiziert sämtliche Innenentwicklungspotenziale, die für eine Bebauung oder Umnutzung geeignet sind - z. B. Brachflächen, untergenutzte Flächen, Gebiete, die baulich ergänzt werden können oder auch Areale, die schon einmal bebaut waren, deren Nutzung aber aufgegeben wurde - gemäß der Prämisse "Innenentwicklung vor Außenentwicklung". Derzeit umfasst die Informationsplattform ca. 420 Areale mit 605 ha Potenzialfläche . Ausgewählte Bauflächen werden auf den Internetseiten der LH Stuttgart präsentiert.

Flächencharakteristika

In der Landeshauptstadt Stuttgart gibt es zahlreiche innerstädtische Flächenpotenziale, deren Entwicklung sich aufgrund ihrer standortimmanenten Problematiken, wie z. B. Altlasten, schwieriger Eigentumsverhältnisse, veraltetem Baurecht etc. oft extrem schwierig gestaltet. Die Revitalisierung solcher Flächen stellt daher an alle Beteiligten erhöhte Anforderungen und benötigt flexibilisierte Handlungsroutinen sowie gezielte operative Unterstützung.

Kommunales Flächenentwicklungsmanagement

Zwischen 2007 und 2012 wurde bei der Landeshauptstadt Stuttgart in zwei Förderprojekten ein kommunales Flächenentwicklungsmanagement (FEM) als Instrument zur Entwicklung besonders problematischer innerstädtischer Bauflächenpotenziale in der Praxis erprobt und erfolgreich angewandt. Ausgehend vom Konzept eines "kommunalen Kümmerers" für problematische Flächen der Innenentwicklung im Bundesforschungsprojekt REFINA (Verbundvorhaben KMUeKMF, 01.09.2006 bis 31.05.2009), wurde im EU-Projekt COBRAMAN (01.11.2008 bis 31.08.2012) das Berufsbild eines kommunalen Flächenentwicklungsmanagers, unter Federführung der LH Stuttgart weiter entwickelt und nach internationalen Maßstäben professionalisiert.

Aktuelle Herausforderungen

Eine aktuelle kommunale Schwerpunktaufgabe ist die Schaffung und Sicherung preiswerten Wohnraums in der Stadt. In der Konkurrenz um begrenzte Flächenreserven ist parallel der Sicherung von Gewerbeflächen sowie der Etablierung urbaner nutzungsgemischter Gebiete Rechnung zu tragen. Eine weitere wichtige Zielsetzung bei der Entwicklung innerstädtischer Flächenpotenziale ist eine strategisch geplante und zielorientierte Bürgerbeteiligung.
Ausgehend von diesen Herausforderungen wurde von den Gremien Ende 2013, in Ergänzung zum Nachhaltigen Bauflächenmanagement Stuttgart (NBS), ein dauerhaftes kommunales Flächenentwicklungsmanagement (FEM) beschlossen.

Schwerpunkte des kommunalen Flächenentwicklungsmanagements

Das Flächenentwicklungsmanagement fokussiert als Instrument grundsätzlich auf die Entwicklung von Flächen mit hoher Problemdichte, unabhängig von der Nutzungsart (Wohnen und/oder Gewerbe). Aufgrund der interdisziplinären Aufgabenstellungen und des Überhangs privater Bauflächenpotenziale im Verhältnis zu den Bauflächenpotenzialen in städtischem Eigentum ist das kommunale Flächenentwicklungsmanagements bei der Stadtplanung verortet. Das Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung ist übergreifend zuständig für die Entwicklung und Förderung privater und kommunaler Liegenschaften aller Nutzungsarten.
Das Flächenentwicklungsmanagement sieht sich im Vorfeld der klassischen Projektentwicklung und versteht sich als Wegbereiter für private Akteure sowie Investoren und Eigentümer. Es greift nicht in den Immobilienmarkt ein, sondern bereitet und optimiert als "Anschubaktivität" den Boden für künftige Projektentwicklungen, indem Informationsflüsse verwaltungsintern sowie zwischen Verwaltung und relevanten externen Akteuren verstärkt gefördert, qualifiziert und kanalisiert werden.
Eine enge und frühe Vernetzung des Amtes für Stadtplanung und Stadterneuerung mit der städtischen Wirtschaftsförderung, der Liegenschaftsverwaltung und dem Amt für Umweltschutz, wie bereits im Rahmen von NBS praktiziert, ist im Rahmen eines zielführenden Flächenentwicklungsmanagements unerlässlich. Das FEM umfasst den regelmäßigen direkten Austausch mit den beteiligten Amts- und Abteilungsleitungen.

Vorteile eines Flächenentwicklungsmanagements für die LH Stuttgart

Der Einsatz eines Flächenentwicklungsmanagements für besonders problematische Areale hat sich als Schlüsselinstrument für eine beschleunigte Wieder- oder Umnutzung erwiesen.
Aufbauend auf die Arbeit an den COBRAMAN-Pilotstandorten Schoch-Areal und Areal unterstützt das kommunale Flächenentwicklungsmanagement derzeit die Standorte City Prag, Türlenstraße Bürgerhospital/AWS und Eiermann-Campus.
Der Vorteil eines Flächenentwicklungsmanagements liegt v.a. darin, dass der Zeitraum des Brachliegens des Grundstücks durch ein gestrafftes Verwaltungshandeln erheblich verkürzt wird. Dies führt nicht nur zu einer besseren Nutzung des Flächenbestands, sondern auch zu positiven fiskalischen Effekten, etwa zu zusätzlichen Gewerbesteuereinnahmen oder einem früheren Erlös bei der Vermarktung kommunaler Flächen.

Weitere Informationen

Förderschwerpunkt REFINA

COBRA-Man = Manager Coordinating Brownfield Redevelopment Activities

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