Bernhard Luginbühl: Saurier, 1982-84 (aufgestellt 1984)
Der Stuttgarter
Saurier ist in einer Werkstatt des Hamburger Frachthafens Wilhelmsburg, also einer Industrieanlage entstanden. Bernhard Luginbühl hat dort vorgefundene Eisenteile für die Plastik verwendet. Erst diese industriellen Fertigungsanlagen machen es technisch überhaupt möglich, Kunstwerke mit solchen Dimensionen zu fertigen. Aufgestellt wurde der
Saurier 1984 vor dem Naturkundemuseum.
Beschreibung
Behäbig steht der drei Meter hohe und sieben Meter lange
Saurier von Bernhard Luginbühl auf dem Platz zwischen den beiden Gebäuden des Naturkundemuseums. Der eiserne Koloss ist mit vier riesigen Schrauben auf einem Betonfundament fixiert. Hergestellt wurde die gesamte Plastik aus Resten der Montanindustrie - vorgefunden auf dem Schrottplatz einer Schiffswerft in Hamburg-Wilhelmsburg.
Die Beine, aus vier Zentimeter dicken Stahlstücken geschweißt, tragen ein massives Schiffsteil als Leib. Den Hüftknochen kann man als ausgedienten Anker identifizieren. Grate und Schrauben geben dem Saurier Knochen und Wirbel. Das physiognomische Charakteristikum, der viel zu kleine Kopf, besteht aus einem Fertigteil in konkaver Trapezform. Die Rückseite des Sauriers bildet ein offener Setzkasten. Darin stehen Abgüsse von Fundstücken aus paläologischen Erdschichten: Ammoniten, Knochenreste, Wirbel, Schneckengehäuse und ein kleiner Schädel. Die Abgüsse sind ohne Ordnung einsortiert, einige Fächer sind noch frei. Das vermittelt den Eindruck als könne hier noch jeder etwas Neues hinzufügen.
Der Setzkasten ist weniger als Hinweis auf eine veraltete Vorstellung der Naturwissenschaften zu verstehen, als vielmehr auf Luginbühls Arbeitsweise und als ein unwissenschaftlicher Kommentar zur Vergänglichkeit in Dimensionen der Erdgeschichte. Die Abgüsse der Knochen erinnern an Versteinerungen und die rostige Oberfläche, die als Korrosionsschicht das Material vor dem Verfall schützt, bildet eine Zwischenstufe zwischen Bewahren und Verwittern.
| Künstler | Bernhard Luginbühl |
| Titel | Saurier |
| Jahr | 1982-84 |
| Material | Eisen geschweißt und geschraubt, die Oberfläche mit Rostumwandler behandelt |
| Maße | 3,50 x 7,60 x 2,40 m auf einer Bodenplatte 2,40 x 2,22 m |
| Standort | vor dem staatlichen Naturkundemuseum am Löwentor, Stuttgart-Nord |
| Eigentümer | Vermögen und Bau Baden-Württemberg |
Weiterführende Literatur:
- Skulpturen des 20. Jahrhunderts in Stuttgart: Hrsg. Bärbel Küster. Heidelberg 2006.


