Henry Moore: Draped Reclining Woman, 1957-58
Die Figur
Draped Reclining Woman
von
Henry Moore greift die Formensprache der Antike auf und wendet sie zur Moderne. Die Liegende besitzt einen Rest an Gegenständlichkeit und abstrahiert noch nicht völlig von dieser, obwohl zum Beispiel der Kopf durchaus abstrakte Züge aufweist.
Die
Draped Reclining Woman
wurde anlässlich der Bundesgartenschau im April 1961 als "Kunst am Bau" vor dem neu errichteten Landtag aufgestellt und von der Bevölkerung äußerst reserviert aufgenommen. Nach einer Zwischenstation beim Kunstgebäude steht sie inzwischen beim Eingangsbereich der Staatsgalerie.
Beschreibung
Die überlebensgroße liegende Frauenfigur aus Bronze ruht auf einer erhöhten Platte aus Muschelkalk. Die einzigartige Bronzepatina macht die Oberfläche abwechslungsreich und interessant.
Die Liegende trägt ein enges, langes Kleid und ist seitlich gedreht. Sie liegt auf ihrem rechten Oberschenkel, mit dem rechten Arm hält sie sich an der Platte fest und ihr linker ruht auf dem linken Oberschenkel. Ihre Füße berühren die Platte nicht, sondern schweben darüber. Ihr Körper ist mächtig und schwer. Ihre Brüste wirken aufgesetzt und abstrahiert, genau wie der, im Verhältnis zum Körper, viel zu kleine Kopf. Ihr rundes, nahezu haarloses Haupt ruht auf einem langen, zylindrischen Hals. Ohren, Nase und Mund sind nur angedeutet, die Augen sind kleine, runde Höhlungen.
Der gewandete Körper erinnert an klassische, antike Figuren. Aber Moore entfernt sich eindeutig von der Formensprache der Antike. Der Körper wirkt durch die zerfurchten Wölbungen und Höhlungen des Gewandes, wie eine zerklüftete Landschaft. Dadurch steigert er die Körperlichkeit, die zugleich figurale als auch an landschaftliche Erinnerungen wachruft.
Die Liegende verweist immer noch auf eine "Rest-Gegenständlichkeit" und ist nicht völlig abstrahiert, obwohl einige Formen, wie zum Beispiel der Kopf, durchaus in diese Richtung weisen. Die Deformationen bei dieser Skulptur wirken wie ein Angriff auf die traditionellen Formen der menschlichen Figur.
Das Verfließen von gewachsener Form und menschlichem Körper scheint Moore insbesondere im Körper der Frau (als Schöpferin des Lebens) am Besten verwirklicht.
Wirkungsgeschichte
Die
Draped Reclining Woman
von
Henry Moore wurde anlässlich der Bundesgartenschau im April 1961 als "Kunst am Bau" vor dem neu errichteten Landtag aufgestellt. Dieser Platz sollte durch seine Umgestaltung das neue weltoffene Stuttgart symbolisieren.
Die Bevölkerung reagierte weniger aufgeschlossen. Aufgrund der großen Ablehnung von Seiten der Bürger wurde die Skulptur an die Rückwand des Kunstgebäudes versetzt. Erst 1984 gelangte die Skulptur durch Mithilfe des englischen Architekten James Stirling an ihren heutigen Platz - den Eingangsbereich der Staatsgalerie.
| Künstler | Henry Moore |
| Titel | Draped Reclining Woman (Drapierte liegende Frau) |
| Jahr | 1957-58, aufgestellt 1961, einer von sechs Abgüssen |
| Material | Bronze / Sockel: Muschelkalk |
| Maße | 1,35 x 2,085 x 0,80 m / Sockel: Würfel 1 x 1 m mit aufliegender Platte 2 x 0,98 x 0,11 m |
| Standort | Terrasse Eingang Neue Staatsgalerie, Konrad-Adenauer-Straße 30, Stuttgart-Mitte |
| Eigentümer | Vermögen und Bau Baden-Württemberg |
Weiterführende Literatur:
- Skulpturen des 20. Jahrhunderts in Stuttgart. Hrsg. Bärbel Küster. Heidelberg 2006.


