Georg Karl Pfahler: Farbraumobjekt, 1977

Das Farbraumobjekt von Georg Pfahler steht in einer scheinbar abgelegenen Ecke des Mittleren Schloßgartens - doch sein Adressat sind nicht in erster Linie die Passanten, sondern die Autofahrer, die auf dem City-Ring im Stau stehen oder langsam voranfahren. Das Kunstwerk wirkt wie ein raumgewordenes Bild Pfahlers. Seine klaren Konturen fordern den Betrachter auf, sich die Plastik aus unterschiedlichen Ansichten zu erschließen - ein reizvolles Unterfangen, denn von jeder Seite bieten sich andere Aspekte. Das Farbraumobjekt wurde 1977 im Rahmen der Bundesgartenschau von der Stadt Stuttgart gekauft.

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Georg Karl Pfahler: Farbraumobjekt ©Wolfram Janzer

Beschreibung

Das Farbraumobjekt von Georg Karl Pfahler müsste wegen des Baus des neuen Tiefbahnhofs abgebaut werden. Sie ist derzeit nicht öffentlich zu sehen.

Es stand auf einem kleinen Hügel inmitten einer Grünfläche. Nur auf den ersten Blick wirkt dieser Ort etwas abgelegen. Auf den zweiten war zu erkennen, dass sich diese Plastik mit ausladender Gestik in Richtung Gebhardt-Müller-Platz und B 14 öffnet. Die Plastik hatte keinerlei Berührungsängste und suchte den Kontakt zu den auf der Hauptschlagader Stuttgarts fahrenden Autos.

Die Plastik besteht aus zwei rahmenartigen, verbundenen Rechtecken mit abgerundeten Ecken. Die Stahlplatten sind drei Meter hoch, über vier Meter lang und 15 Zentimeter dick. Beide Rechtecke knicken parallel aus der Bildfläche hervor und stehen frei im Raum. Aus den abgewinkelten Teilen sind zwei Rechtecke ausgespart, die sich auf der zugehörigen Innenseite des Objekts wieder finden: ein grünes Rechteck auf dem ersten Segment, ein blaues auf dem zweiten. Ein weiteres, rotes Rechteck ragt frei in den Raum. Der Rest der Plastik ist in einem kräftigen gelb gehalten, das zum Teil reale und zum Teil fiktive Rahmenfunktionen hat.

Wirkung

Das rote Rechteck ist eigentlich zuviel und sorgt deswegen beim Betrachter für Verwirrung. Die Ansicht zum Park bietet eine beinahe einheitliche Fläche. Die plastischen Rechtecke finden sich als Farbfelder in gleicher Farbgebung wieder, sie durchstoßen quasi die Konstruktion - das Objekt wird dadurch zur Malerei. Nur das rote Dreieck sprengt den bildhaften Charakter der Plastik. Es beginnt das verwirrende Spiel von Wahrnehmung und Täuschung.

Steht man als Autofahrer auf dem City-Ring kann man Pfahlers Plastik gut erkennen. Jeder Autofahrer freut sich natürlich über eine grüne Ampel, die Kunst dagegen bevorzugt Rot, denn eine eingehende Betrachtung dieses Kunstwerkes lohnt - nicht nur vom Auto aus.

Technische Daten
Künstler Georg Karl Pfahler
Titel Farbraumobjekt
Jahr 1977
Material Stahl, Acrylfarbe
Maße 3,00 x 4,40 x 0,15 m
Standort Mittlerer Schlossgarten am Gebhard-Müller-Platz, Stuttgart Mitte
Eigentümer Stadt Stuttgart

Weiterführende Literatur:

  • Skulpturen des 20. Jahrhunderts in Stuttgart. Hrsg. Bärbel Küster. Heidelberg 2006.

 
 

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