Reiner Ruthenbeck: Sieben schwarze Schranken, 1977

Das Kunstwerk Sieben schwarze Schranken von Reiner Ruthenbeck hält - wie es für viele Arbeiten des Künstlers typisch ist - die Spannung zwischen Schwerkraft und Leichtigkeit. Sieben Schranken wirken, als seien sie während des Öffnens oder Schließens auf halbem Weg stehen geblieben. Obwohl die halb geöffneten Schranken in ihrer Stellung verharren wird bei diesem Werk das Moment der Bewegung zum Thema. Ruthenbeck verfolgte mit Sieben schwarze Schranken seine Idee, Raum- und Seherfahrungen in sienen Kunstwerken aufzugreifen und auf verblüffene Art zu hinterfragen. Das Kunstwerk wurde anlässlich der Bundesgartenschau 1977 zu einer Ausstellung unter dem Titel "Konzept und Raum" installiert.

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Reiner Ruthenbeck: Sieben schwarze Schranken ©Wolfram Janzer

Beschreibung

Kurz vor der U-Bahn Haltestelle Mineralbäder im Unteren Schlossgarten erheben sich sieben schwarze Schranken. Auf einer Strecke von 30 Metern ragen diese im Abstand von 2,50 Metern und einem Winkel von 54 Grad in die Höhe. Zwischen zwei schwarzen Eisenplatten sind die 11 Meter langen, schwarz lackierten Schranken verschraubt. Der Durchmesser am unteren Ende der Stangen beträgt 17,5 Zentimeter und verjüngt sich nach oben bis auf 8 Zentimeter.

Die sieben Wegsperren öffnen sich Richtung Osten, wo ein flach ansteigender Hügel eine Wiese freilegt. Hinter ihnen schlängelt sich ein Bach durch den Park an dem mehrere riesige Kastanienbäume stehen. Es scheint als würden die sieben Schranken für die vorbeilaufenden Fußgänger Spalier stehen. Zur Mittagszeit im Sommer werfen sie ein Streifenmuster auf den Weg, das sich wie ein Raster über den Pfad legt.

Wirkung

Ruthtenbecks Spiel mit der Seh- und Raumerfahrung wird deutlich, wenn man einmal mit und das andere mal gegen das Licht blickt. Schaut man mit dem Licht, glänzt das Schwarz hell auf, schaut man dagegen, recken sich die Schranken dunkel und stumpf gegen den Himmel. Je nach Lichtverhältnissen drohen die Wegsperren sich zu senken oder zu öffnen. Trotz der festen Installation scheinen sich die Schranken zu bewegen.

Reiner Ruthenbeck findet bei seinem Kunstwerk die Balance zwischen angeblich unvereinbaren Gegensätzen und verbindet diese beiden Elemente: Ruhe und Bewegung.

Die sieben Schranken von Reiner Ruthenbeck erscheinen auf den ersten Blick unauffällig und entfalten erst bei genauerem Betrachten eine außerordentlich reiche Wirkung. Seine Wegsperren sind nicht, wie von Schranken gewohnt, weiß-rot lackiert, sondern in einem einfachen schwarz gehalten. Doch auch ohne diese grelle Farbigkeit werden seine Schranken nicht übersehen.

Man erkennt die Spannung zwischen Objekt und Raum, welche durch die weißen Straßenlaternen auf der anderen Wegseite noch verstärkt wird. Die Laternen bilden sowohl in ihrer Farbigkeit als auch mit ihrer vertikalen Ausrichtung einen Kontrast und Gegenpol zu den schwarzen, diagonalen Schranken.

Diese Balance zwischen Objekt und Raum, Statik und Bewegung, Schwerkraft und Leichtigkeit die all seine Werke charakterisiert, wird an diesem Kunstwerk exemplarisch demonstriert.

Technische Daten
Künstler Reiner Ruthenbeck
Titel Sieben schwarze Schranken
Jahr 1977
Material Aluminium, Eisen, Blei, schwarz lackiert
Maße je 11 Meter lang, unterer Durchmesser 17,5 cm, oberer Durchmesser 8 cm
Standort Unterer Schlossgarten, Stuttgart Mitte
Eigentümer Stadt Stuttgart

Weiterführende Literatur:

  • Skulpturen des 20. Jahrhunderts in Stuttgart. Hrsg. Bärbel Küster. Heidelberg 2006.

 
 

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