Mark di Suvero: Lobotchevsky, 1987-88

Der Titel von Mark di Suveros Skulptur Lobotchevsky bezieht sich auf den russischen Mathematiker Nicolai Ivanovich Lobotchevsky (1793-1856). Von dessen Arbeiten angeregt, assoziiert Suvero eine dreidimensionale Skulptur, deren Bewegungsrichtungen an mathematische Schaubilder erinnern. Eine abstrakte, kubisch-konstruktivistische Skulptur hat normalerweise keine Hauptansicht. Durch die Aufstellung zwischen dem stark befahrenen Rotebühlplatz und dem Gebäude des Treffpunkt Rotebühlplatz entsteht aber der Eindruck einer deutlichen Vorder- und Rückseite.

Mark di Suvero: Lobotchevsky, 1987-88Vergrößern
Mark di Suvero: Lobotchevsky ©Wolfram Janzer

Beschreibung

Direkt aus dem Boden erhebt sich die rote Stahlskulptur Lobotchevsky von Mark di Suvero - es gibt keinen Sockel. Das rote Gebilde aus Stahlträgern erinnert an ein dreidimensionales X, welches aus zwei ungleich langen Schenkeln gebildet wird. Diese sind leicht nach hinten gekippt und durch diese Verschiebung aus dem Gleichgewicht gebracht. Die Stabilisation erfährt die Diagonalenskulptur durch die so genannten "joints" (breite Ringformen um den Schnittpunkt) und durch eine abgeknickte Stütze nach hinten. Die Stütze ragt von links hinten nach rechts vorne in Richtung Kreuzung. Der Knotenpunkt befindet sich etwa in der Mitte der Skulptur. Dadurch entsteht, ob der weit ausladenden, raumgreifenden Stahlträgern, ein ausgewogenes Konstrukt.

Lobotchevsky war erstmals 1988 auf der Retrospektive des Württembergischen Kunstvereins zu sehen. Durch die aufwändige Werkschau Mark di Suveros wurde der Zuspruch an die internationale abstrakte Skulptur betont. Der erste Aufstellungsort von Lobotchevsky war im Schlossgarten zwischen Opernhaus und Eckensee. Die abstrakte Diagonalskulptur störte die Gemütlichkeit dieses Ortes, deshalb wurde sie vom ruhigen Park direkt vor den Neubau der Volkshochschule an eine viel befahrene Kreuzung gestellt.

Titel der Skulptur

Lobotchevsky ist der Nachname von Nicolai Ivanovich Lobotchevsky (1793-1856). Er ist ein russischer Vertreter der Nichteuklidischen Geometrie, der 1830 einen Artikel "Über die Prinzipien der Geometrie" veröffentlichte. In diesem Artikel versuchte er die Theorie Euklids über die Axiome zu widerlegen.

Bei diesem Titel handelt es sich weniger um eine Hommage an den Mathematiker, sondern eher um eine Deutungsrichtung. Suveros Werktitel sind oft assoziativ, poetische Formulierungen oder rätselhafte Kürzel. Kurz gesagt, seine Titel folgen keinem Schema.


Die Skulptur greift mit ihren diagonalen und übereinander liegenden Stahlträgern das Thema der Straßenkreuzung wieder auf. Der Verkehr fließt aus allen vier Richtungen an diesem Knotenpunkt der Kreuzung zusammen. Zusätzlich kann die Skulptur als Symbol für das Ziel der Volkshochschule gesehen werden. Genau wie sich die Stahlträger an einem gemeinsamen Knotenpunkt zusammenschließen, so treffen sich hier die unterschiedlichsten Menschen um gemeinsam am Programm über Kultur, Sport, Gesundheit und Beruf teilzunehmen.

Technische Daten
Künstler Mark di Suvero
Titel Lobotchevsky
Jahr 1987-88
Material Stahl, bis zum Ankauf 1990 korrodierte Oberfläche, nach autorisierter Restaurierung roter Schutzanstrich
Maße Höhe 8,10 m
Standort Rotebühlplatz, Stuttgart-Mitte
Eigentümer Stadt Stuttgart

Weiterführende Literatur:

  • Skulpturen des 20. Jahrhunderts in Stuttgart. Hrsg. Bärbel Küster. Heidelberg 2006.

 
 

Mehr zum Thema

Schlagwörter