Hans Uhlmann: Aggression I, 1961

Hans Uhlamms scharfkantige Konstruktion Aggression I steckt voll von Widersprüchen. So wurde für die Konstruktion nicht etwa harter Stahl verwendet, sondern das wesentlich weichere Messing, das - ein Faktor der Irritation - dunkel patiniert wurde. Der Eindruck der Aggressivität entsteht also nicht durch das Material, sondern durch die Form, die tief in den Raum greift. Dabei nimmt der Betrachter - je nach Standort - entweder die Arme oder die Beine als mächtige Elemente wahr. Die Aggression tritt also nie vollständig, sondern immer nur teilweise zu Tage. Den Auftag, den Eingangsbereich der neuen Bibliothek der damaligen Technischen Hochschule zu gestalten, hatte Uhlmann 1960 von der Kommission für Kunst am Bau erhalten. Aggression I wurde ein Jahr später aufgestellt.

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Hans Uhlmann: Aggression I ©Wolfram Janzer

Beschreibung

Direkt vor dem Eingang der Bibliothek der Universität Stuttgart (vormals Technische Hochschule) steht eine scharfkantige Plastik, die in den Raum greift. Sie misst 4,50 Meter und ist aus dunkel patiniertem Messing gestaltet.

Ihre beiden Standbeine wachsen ohne Sockel aus dem Boden und sind zwischen zwei und drei Meter lang. Die beiden Beine führen in ein kastenförmiges Zentrum über, aus welchem wiederum zwei Arme wachsen.

Aus dem kastenförmigen Schnittpunkt, oder dem "Gehäuse" wie es Uhlmann selbst nennt, entwickeln sich spiralförmig die zwei Messingträger. Einer führt diagonal an der Fassade vorbei und weist in Richtung Himmel, der andere dagegen zeigt nach vorne.

Die Komposition der Arme und Beine ist in allen Richtungen gegenläufig. Dadurch wird die Form je nach Blickwinkel anders wahrgenommen.

Wer direkt auf den Bibliothekseingang zu geht, erkennt eine umgekehrte Dreiecksform. Von der Seite betrachtet dominiert allerdings die waagrechte Unterseite. Wenn die Beine in weit gespreizter Haltung gesehen werden, treten die Arme kaum hervor. Reichen die Arme jedoch weit in den Raum, dann scheinen die Beine wiederum fast geschlossen.

Wirkung

Diese in sich widersprüchlichen Bewegungsrichtungen sind für Hans Uhlmann ein zentrales Thema der Plastik. Das Kunstwerk suggeriert, je nach Betrachterstandpunkt, Standhaftigkeit oder Bewegung. Das Innere des "Gehäuses" ist, wie der Leib des Menschen, der kompakteste und stabilste Teil der Konstruktion. Um sich der Monumentalität der Plastik bewusst zu werden, kann der Betrachter unter der Plastik hindurchschreiten.

Aggression I ist ein Konstrukt aus Messing, welches weicher ist als Stahl. Das Aggressionspotenzial wird hier nicht mit Hilfe des Materials, sondern vielmehr durch die Größe und Proportion sowie der Standfestigkeit der Plastik vermittelt. Hans Uhlmann ist sehr variationsfreudig und holt ungeahnte räumliche Strukturen, Linien und Massen aus dem Material.

Durch die spiralförmigen Teile und die dynamische Konstruktion entsteht der Eindruck von Leichtigkeit und Eleganz. Aggression I verkörpert mit ihrer Standfestigkeit und dem dunklen Messing aber auch etwas Bedrohliches.

Hans Uhlmann wurde 1960 von der Kommission für Kunst am Bau damit beauftragt, den Eingangsbereich der neuen Bibliothek der damaligen Technischen Hochschule zu gestalten. Ein Jahr später wurde, nach Abschluss der Bauarbeiten, die scharfkantige Konstruktion Aggression I aufgestellt.

Technische Daten
Künstler Hans Uhlmann
Titel Aggression I
Jahr 1961
Material Messing, dunkel patiniert
Maße 4,50 x 4,00 m
Standort vor der Universitätsbibliothek, Stadtgarten, Stuttgart-Mitte
Eigentümer Vermögen und Bau Baden-Württemberg

Weiterführende Literatur:

  • Skulpturen des 20. Jahrhunderts in Stuttgart. Hrsg. Bärbel Küster. Heidelberg 2006.

 
 

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