Jeanette Zippel: Bienengarten, 1993

Der Bienengarten von Jeanette Zippel schlägt eine Brücke zwischen Kunst und Natur. Die äußere Form der aus Naturmaterialien wie Holz, Klinkersteinen, Stroh, Lehm, Bambus und Weiden gefertigten Plastiken erinnert an Bienenstöcke. Tatsächlich leben in ihnen auch mehrere Völker von Honig- und Wildbienen, die sich von den eigens in der Umgebung angesiedelten Blumen und Pflanzen ernähren. Diese belebten Skulpturen mahnen zum Respekt vor der Natur. Sie wurden 1993 anlässlich der Bundesgartenschau in Stuttgart im oberen Teil des Wartbergparks aufgestellt. Weitere stehen in Heidenheim, München, Südtirol und auf Teneriffa.

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Jeanette Zippel: Bienengarten ©Wolfram Janzer

Beschreibung

Nahe des "Infostands Bienen" im Wartbergpark befindet sich der Bienengarten mit Skulpturen von Jeanette Zippel. Die sechs Figuren von unterschiedlicher Größe stehen in einer kreisförmigen, inzwischen eingezäunten Anlage. Ein Weg aus weißen Kieselsteinen schlängelt sich zwischen den Skulpturen hindurch. Der choreographische Aufbau des Weges erinnert an die Kommunikationsform der Bienen, den Schwänzeltanz.

Die über zwei Meter hohen Rundplastiken erinnern, aufgrund ihrer Form, an große Kegel. Sie bestehen aus zwei bauchigen Teilen, der untere Teil ist größer der obere dagegen etwas kleiner. Alle sechs Figuren sind aus unterschiedlichen Materialien geformt. Zwei Skulpturen sind aus dunklem Eichenholz, eine weitere aus Roggenstroh, eine aus Lehm und Weidengeflecht sowie zwei aus ziegelrotem Rundlochklinker mit eingesteckten Bambusstäben. Durch die bewusste Verwendung von Naturmaterialien stellt die Künstlerin einen direkten Bezug zu den natürlichen Lebensräumen des Bienenvolks her.

Kunst und Natur

Die gefäßartigen Figuren beinhalten bewohnte Bienenstöcke. Durch kleine Schlupflöcher gelangen die Bienen in das Innere der Skulpturen, um dort ihre Nistplätze zu errichten. Die unterschiedlichen Skulpturen dienen verschiedenartigen Bienenvölkern. Einige beheimaten Honigbienen andere wiederum Wildbienen. Die Blumen und Pflanzen der Blumenanlage wurden den Bedürfnissen der Bienen angepasst. Sie dienen dazu die Bienen zur Nahrungsaufnahme anzulocken.

 

Mit ihrer Kunst, einer Kombination aus Natur und Kunst, will Jeanette Zippel den Menschen auf seinen respektlosen Umgang mit der Natur aufmerksam machen. Sie erkennt, dass Natur durch Wissenschaft und Forschung immer mehr zur Gebrauchs- und Verbrauchsware wird. Dieser Tendenz will die Künstlerin mit ihren "belebten Skulpturen" entgegenwirken. Denn Kunst ist für sie "geistige Hinterfragung".

Technische Daten
Künstler Jeanette Zippel
Titel Bienengarten
Jahr 1993
Material Eichenholz, Roggenstroh, Lehm, Weidengeflecht, Rundlochklinker, verschiedene Blumen, Drahtzaun
Maße Höhe der sechs Skulpturen variierend 2,20 m bis 2, 60 m, Durchmesser Drahtzaun 16 m
Standort Oberer Teil des Wartbergparks, St.-Helens-Weg, Wartberg, Stuttgart-Nord
Eigentümer Stadt Stuttgart

Weiterführende Literatur:

  • Skulpturen des 20. Jahrhunderts in Stuttgart. Hrsg. Bärbel Küster. Heidelberg 2006.
  • Jeanette Zippel: Betrachtungen zu meiner Arbeit. In: Biene und Mensch. Jeanette Zippel. Ausst. Katalog. Württembergische Landesbibliothek. Stuttgart 1989.

 
 

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