Nam June Paik: Two Way Communication, 1996

Der Grundgedanke von Nam June Paiks 1996 eingerichteter Installation Two Way Communication wird schon anhand des Titels deutlich. Auf 92 Monitoren wird auf mehreren Ebenen Kommunikation thematisiert und zugleich ermöglicht. Dieses umfassende Thema steht in enger Verbindung mit dem Aufstellungsort, dem Eingangsfoyer, einem Ort des kommunikativen Austauschs. Paiks Installation kann auf zwei verschiedene Arten bespielt werden: zum einen mit vorgefertigten Videodiscs und zum anderen mit Bildern aus den im Eingangsfoyer angebrachten Überwachungskameras.

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Nam June Paik: Two Way Communication ©Wolfram Janzer

Beschreibung

Die Installation Two Way Communication befindet sich an einem prominenten Platz innerhalb der Stuttgarter Akademie der Bildenden Künste: der Eingangshalle des Neubaus II. Selbst von außen kann man das Kunstwerk durch die Glasfassade hindurch sehen.

Insgesamt besteht die Videoinstallation aus 92 Monitoren. Diese Monitore bilden allerdings keine zusammenhängende Fläche, stattdessen sind 63 Fernsehapparate in einer Breite von neun Monitoren so angeordnet, dass sich eine von links nach rechts treppenartige Konfiguration ergibt. Diese 63 Fernsehapparate sind auf einem rechteckigen, schwarzen Bauteil montiert. Die restlichen Geräte sind an der Wand, etwas nach hinten versetzt, angebracht.

Die lockere Gruppierung der Monitore erweckt beim Betrachter den Anschein, als hätten sich die Apparate aus der Basis gelöst und würden nach oben steigen beziehungsweise nach unten sinken.

Die Multi-Monitor-Installation wird mit drei Videodiscs (Robotklavier, Binary und Frankenstein) bespielt. Diese Filme zeichnen sich durch Merkmale wie schnellen Schnitt und abstrahierende Bearbeitung des Bildmaterials aus. Alle drei Clips werden ohne Ton gezeigt - dadurch kommt der audiovisuelle Charakter des Videos nicht ganz zur Geltung.


Nam June Paiks Installation kann auch live mit Überwachungsvideos aus der Eingangshalle bespielt werden. Paik verfremdet hier die eigentliche Funktion der Überwachung: die Überwachten beobachten sich selbst. Die Überwachung wird sichtbar gemacht und die unfreiwillig Kontrollierten bekommen die Chance, auf diese neue Situation zu reagieren.

Nam June Paiks Videoinstallation Two Way Communication bleibt zeitlos aktuell, da in der von elektronischen Medien bestimmten Gegenwart das Thema der beabsichtigten und unabsichtlichen Überwachung das alltägliche Leben beeinflusst.

Technische Daten
Künstler Nam June Paik
Titel Two Way Communication
Jahr 1996
Installation Interaktive Videoinstallation aus 92 Monitoren mit 3 Videodiscs (Robotklavier, Frankenstein, Binary), 20 min
Standort Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Neubau II, Stuttgart-Nord
Eigentümer Vermögen und Bau Baden Württemberg

 
 

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