Carsten Nicolai: Polylit, 2006

Auf dem Kleinen Schlossplatz ist seit Mai 2006 Polylit von Carsten Nicolai zu sehen. Die Glasskulptur spiegelt tagsüber die Gebäude in der Umgebung. Nachts ist sie von innen beleuchtet, so dass die tragende Stahlkonstruktion sichtbar wird. Das Kunstwerk steht nicht mittig auf dem Kleinen Schlossplatz, sondern näher am Kunstmuseum und verdeutlicht so seine Zugehörigkeit zum Museum.

Eine Skulptur aus Glas und Stahl, die tagsüber ihre Umgebung spiegelt.Vergrößern
Carsten Nicolai: Polylit ©Lea Scheurer

Beschreibung

Die fast zehn Meter hohe Glasskulptur, Polylit, steht auf einem sechseckigen Betonsockel direkt hinter dem Kunstmuseum in Stuttgart. Seine Form erinnert im weitesten Sinne an eine Säule. Polylit ist aber aus drei immer größer werdenden Oktaedern geformt - eine eckige Säule. Die einzelnen Oktaeder bilden je sechs Dreiecke aus Spionspiegelglas. Die Proportionen basieren auf dem mathematischen Prinzip des goldenen Schnitts.

Tagsüber spiegeln sich die umliegenden Gebäude in diesem Kunstwerk und sind dadurch nur fragmentiert dargestellt. Die Umgebung wird in das Kunstwerk miteinbezogen. Spannend ist, wie die einzelnen Gebäude durch die Spiegelung im Kunstwerk abstrahiert, verzerrt und auf den Kopf gestellt werden.

Nachts bietet Polylit dem Betrachter jedoch eine ganz andere Ansicht. Das Spionspiegelglas wird bei innenliegender Beleuchtung durchsichtig. Jetzt erkennt man hinter dem Glas ein filigranes Stahlskelett, welches die Skulptur von innen trägt und stabilisiert.

Eine weitere Besonderheit dieses Kunstwerkes ist, dass es auf elektromagnetische Strahlung reagiert. Mobiltelefone oder Laptops können in unmittelbarer Nähe von Polylit nicht mehr uneingeschränkt genutzt werden. Diese Tatsache kann bei manchen Passanten durchaus für Verwirrung und Durcheinander sorgen.

Polylit
ist ein außergewöhnliches Kunstwerk, das eine interaktive Beziehung zwischen Kunst und Umwelt herstellt. An der Planung war das Büro Werner Sobek Ingenieure beteiligt; es stand bei technischen und wissenschaftlichen Fragen beratend zur Seite.

Kunst und Museum

Wie Polylit, so zeigt auch das Museum selbst seine Wandelbarkeit innerhalb 24 Stunden. Tagsüber erinnert es an einen gläsernen Würfel. Gehen nachts die Lichter im Inneren des Kubus an, erkennt man Treppen und einen aus der Achse gerückten Sandstein-Würfel. Ähnlich wie bei Polylit kann der Betrachter bei Dunkelheit in das Innere blicken und die tagsüber für ihn verborgene Struktur studieren.

Technische Daten
Künstler Carsten Nicolai
Titel Polylit
Jahr 2006
Material Spionspiegelglas, Stahlkonstruktion
Maße knapp 10 m
Standort Kleiner Schlossplatz 1, hinter dem Kunstmuseum Stuttgart-Mitte
Eigentümer Kunstmuseum Stuttgart

 
 

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