Ulrich Bernhardt: Kulturströme, 1991-1993

Ulrich Bernhard wurde 1990 damit beauftragt, die neue riesige Bahnsteighalle der Stadtbahn Haltestelle "Killesberg-Messe" zu gestalten. Mit Hilfe von zwei über 150 Meter langen Fotostreifen, die Motive von Rhein und Neckar zeigen, ist es ihm gelungen die enorme Länge der unterirdischen U-Bahnhaltestelle optisch zu verkleinern. Mit dem Filmfries hat Bernhard den beiden "Kulturströmen" Rhein und Neckar ein individuelles Gesicht gegeben und sie auf einzigartige Weise porträtiert.

Eine Wand voller Fotos von Rhein und Neckar.Vergrößern
Ulrich Bernhardt: Kulturströme ©Franziska Trinkner

Beschreibung

Der Rhein ist der größte Fluss Deutschlands und einer der wichtigsten in Europa, der Neckar sein rechter Nebenfluss. Beide Ströme werden von Ulrich Bernhard mit Hilfe von 51 Rhein- beziehungsweise 53 Neckar-Bildern von ihrem Ursprung bis zu ihrem Zusammenfluss in Mannheim dargestellt.

Links und rechts der U-Bahngleise sind an der Tunnelwand zwei 153 Meter lange Filmstreifen angebracht. Solche Fotostreifen kennt man heute kaum noch, sie wirken wie Relikte aus einer anderen Zeit. Der Filmfries zieht sich über die ganze Länge der U-Bahnstation, knickt unten ab und folgt den Rolltreppen am oberen und unteren Ende des Bahnsteigs nach draußen. Die Fotos der Filmstreifen zeigen die einzelnen Stationen der Flüsse: Konstanz, Basel, Speyer, Mannheim, Esslingen und Heidelberg.

Alle Fotos sind gleich hoch, oft unterschiedlich lang und teilweise doppelt belichtet. Durch die Zusammenbelichtung entstehen Überschneidungen - zeitgenössische Motive wechseln sich mit historischen Bildern ab. Auf Foto Nummer 66 zeigt Bernhard das Kernkraftwerk in Neckarwestheim, drei Bilder später sind die Knochen eines 200.000 Jahre alten Steppenelefanten zu sehen.

Bernhard fotografierte bekannte und unbekannte Menschen der Städte. In Plochingen erkennt man einen Hafenarbeiter und die Stadt Tübingen von dem schwäbischen Dichter und Sohn der Stadt, Ludwig Uhland (1787-1862), vertreten. Oft sind auch nur Brücken, Uferböschungen und ruhige Wasserläufe abgebildet.

Wirkung

Die einzelnen Fotos sind nicht deutlich voneinander getrennt, sondern es entstehen fließende Übergänge. Das Thema Kulturströme Rhein und Necker wird von dem Stuttgarter Künstler inhaltlich und formal umgesetzt. Alles scheint zu fließen. Dieser Eindruck verstärkt sich noch, wenn man in der U-Bahn sitzt, oder mit der Rolltreppe nach oben fährt. Industrieanlagen mischen sich mit historischen Elementen, namhafte Persönlichkeiten wechseln sich mit anonymen Gesichtern der Stadt ab.

Mit seinem Filmfries von Rhein und Neckar hat der Künstler den Flusslandschaften ein individuelles Gesicht gegeben. Mit seinen Kulturströmen zeigt er auf eindrucksvolle Weise, dass Kultur alles ist: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Lässt man das Kunstwerk auf sich wirken, wird man sowohl mit Elementen aus der Vergangenheit als auch mit der unmittelbaren Gegenwart konfrontiert. Der Filmfries wird auch noch in Zukunft ein Stück Heimatkunde vermitteln.

Technische Daten
Künstler Ulrich Bernhardt
Titel Filmfries von Rhein und Neckar
Jahr 1991-1993
Material
Maße 153 m
Standort U-Bahnstation Killesberg, Stuttgart-Nord

 
 

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