Seilbahn und Zahnradbahn
Stuttgarts Lage im Kessel beschert der Stadt zwei ganz außergewöhnliche Verkehrsmittel: Zwischen Südheimer Platz und Waldfriedhof verkehrt eine historische Seilbahn bis heute im Linienbetrieb, vom Marienplatz bringen moderne Zahnradbahnen die Fahrgäste auf die Filderebene nach Degerloch.
Seilbahn
Sie verbindet Heslach im Stuttgarter Talkessel mit dem Waldfriedhof in Degerloch: Die Stuttgarter Seilbahn. Im Eröffnungsjahr 1929 war sie die erste Standseilbahn Deutschlands mit einer automatischen Steuerung und die schnellste. Von den Stuttgartern süffisant-liebevoll als "Erbschleicherexpress" bezeichnet, ersetzte sie die Omnibuslinie "W" zum Waldfriedhof, die oft überlastet war und sich im Winter als nicht besonders zuverlässig erwiesen hatte. Ganz anders die Seilbahn - sie fährt seit Jahr und Tag praktisch störungsfrei.
Seit 1986 steht die Bahn, die bis heute mit den Originalwagen von 1929 betrieben wird, unter Denkmalschutz. Aufgrund neuer internationaler Vorschriften für Seilbahnen wurden die beiden Wagen 2003/2004 saniert und umgebaut. Für den Fahrgast blieben diese Modernisierungen jedoch weitestgehend unsichtbar: Der 20er Jahre-Charme der beiden Teakholz-Wagen mit ihren Messingbeschlägen und Emailleschildern ist ungetrübt.
Zahlen und Fakten
Auf ihrer Fahrt vom Südheimer Platz zu Stuttgarts größtem Friedhof überwindet die Bahn 87 Höhenmeter mit maximal 11 Stundenkilometern. So dauert die Fahrt auf der 536 Meter langen Strecke drei Minuten. Die Gleise haben eine Neigung von maximal 28 Prozent - das ist die steilste Schienenstrecke im SSB-Netz.Die Bahn verkehrt täglich im ganz normalen Linienbetrieb der Stuttgarter Straßenbahnen unter der Nummer 20 zwischen 9.10 Uhr und 17.50 Uhr im 20-Minuten-Takt. Es gilt der normale VVS-Tarif.
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Zahnradbahn
Die Stuttgarter "Zacke" oder "Zacketse" bringt die Fahrgäste - und ihre Fahrräder - vom Marienplatz auf die Filderebene nach Degerloch. Eingeweiht im Jahr 1884, ist die Zacke mittlerweile eine der letzten vier Zahnradbahnen in Deutschland und die einzige im Linienbetrieb einer deutschen Großstadt.
Gebaut wurde die Zacketse von der Filderbahngesellschaft. Die zunächst unter Dampfbetrieb fahrende Bahn brachte vor allem Arbeiter aus den Filderorten in die einst zahlreichen Gewerbebetriebe in der Stuttgarter Innenstadt. Aber auch Bauern diente die Zacke als Transportmittel für ihre Produkte zum Markt in der Stadt.
Seit 1904 sind elektrische Triebwagen im Einsatz, die Dampfloks wurden allerdings bis zum Ende des Ersten Weltkriegs ebenfalls gebraucht - sie funktionierten zunächst noch zuverlässiger. Die Folgen des Krieges zwangen die Filderbahngesellschaft zum Aufgeben: Die Stadt Stuttgart kaufte das gesamte Netz samt Zahnradbahn.
1935 wurden neue Triebwagen, erstmals in Stuttgart mit Polstersitzen, eingeführt. Gleichzeitig verlegten die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB), die die Zacke 1934 gekauft hatten, die Endstation vom bisherigen Zahnradbahnhof in der Filderstraße auf den Marienplatz. Diese Änderungen brachten neuen Aufschwung. Zur Zeit des Wirtschaftswunders nach dem Zweiten Weltkrieg war die Zacke die am dichtesten belegte Strecke im SSB-Netz: 10.000 Fahrgästen wollten jeden Tag mit der gezackten Bahn fahren.
Zahlen und Fakten
Heute wird etwa ein Viertel dieser Fahrgastzahlen erreicht, dennoch ist die Zacke für viele unverzichtbar. Auf der 2,2 Kilometer langen Strecke überwindet die Bahn 205 Höhenmeter. Die maximale Neigung beträgt 17,8 Prozent. Die zurzeit eingesetzten drei Triebwagen vom Typ S-ZT 4 stammen aus dem Jahr 1982. Historische Fahrzeuge von 1898 und 1935 sind im Straßenbahnmuseum Bad Cannstatt zu sehen.Die Zacke verkehrt täglich zwischen 5.15 Uhr (sonntags 6.30 Uhr) und 20.45 Uhr. Es gilt der normale VVS-Tarif, Fahrräder können auf dem Vorstellwagen kostenlos mitgenommen werden.
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