Kunst im Öffentlichen Raum - Route 1 - Teil I (Innenstadt)

Wander Bertoni: Bewegung II (2), 1960-1961

Vor dem Kleinen Haus der Württembergischen Staatstheater

Bewegung II (2), die sieben Meter hohe abstrakte Metallskulptur aus Niro-Stahl, wurde von dem Wiener Künstler Wander Bertoni zur Eröffnung der Bundesgartenschau 1961 entworfen.
Bei der Gestaltung verfolgte er das Ziel, den abstrakten Begriff der Bewegung plastisch darzustellen. Trotz ihrer Größe wirkt die Figur dynamisch, leicht und kraftvoll.
Mit der Aufstellung dieser ersten abstrakten Figur im öffentlichen Raum wollte Stuttgart sich als internationale und weltoffene Stadt präsentieren.

Weiter: ca. 200m am Eckensee vorbei, Richtung Neues Schloss, rechts

Eine abstrakte Skulptur, die vom erfolglosen Streben des Ikarus erzähltVergrößern
Wander Bertoni: Bewegung II (2) ©Wolfram Janzer

Olaf Metzel: Stammheim, 1984

Kunstgebäude (Seite zu den Staatstheatern / Eckensee), Schlossplatz 2

Im Rahmen der Ausstellung "Kunstlandschaft Bundesrepublik" im Württembergischen Kunstverein reiste Olaf Metzel 1984, als Vertreter der Region Berlin, nach Stuttgart. Die Idee für seine Arbeit Stammheim entstand - typisch für Metzel - erst bei der Anreise. Sie spielt auf die 1984 aktuelle gesellschaftliche Diskussion über die Terrorakte der "Roten Armee Fraktion" (RAF) und die Prozesse gegen deren Mitglieder an. Von Beginn an erregte die Installation Stammheim die Gemüter der Bevölkerung. 2001 wurde darüber diskutiert, ob das Kunstwerk noch zeitgemäß sei. Man entschied sich, es besitze weiterhin aktuelle Bedeutung - es blieb erhalten.

Weiter: ca. 100m in Richtung Schlossplatz

Olaf Metzel: Stammheim, 1984Vergrößern
Olaf Metzel: Stammheim ©Wolfram Janzer

Micha Ullman: Abendstern, 1996

Gehweg zwischen Deutscher Bank und Kunstgebäude, Ecke Stauffenberg-/ Bolzstraße

Das Kunstwerk Abendstern von Micha Ullman wurde 1996 in eine Gehwegplatte Ecke Stauffenberg- und Bolzstraße eingraviert. Nur aufmerksame Passanten werden die Vertiefung entdecken und sie als Kunstwerk wahrnehmen, denn nichts in der Umgebung weist auf Künstler oder Kunstwerk hin, das sowohl durch Licht und Schatten eine Sonnenuhr symbolisiert als auch bei Regen zum Spiegel des Himmels wird. Es zählt zu einer Reihe von "Minimenten", die Ullman in Stuttgart installiert hat. Hat jemand den Abendstern einmal entdeckt, lässt er ihn nicht mehr los. Durch seine Schlichtheit lässt er Raum für komplexe Interpretationen.

Weiter: ca. 100m Richtung Königsbau

Micha Ullman: Abendstern, 1996Vergrößern
Micha Ullman: Abendstern ©Wolfram Janzer

Alfred Hrdlicka: Denkmal für Eugen Bolz, 1993

Königsbau, Königsstraße/Ecke Bolzstraße

Eugen Bolz, von 1928 bis 1933 Staatspräsident von Württemberg, wurde am 21. Dezember 1944 nach dem missglückten Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 als Mitglied des Widerstandskreises um Carl Friedrich Goerdeler zum Tode verurteilt und am 23. Januar 1945 im Zuchthaus Berlin-Plötzensee enthauptet. Alfred Hrdlicka meidet in seinen Skulpturen alles Heroische und Pathetische. Lieber stellt er Menschen dar, die mit Unzulänglichkeiten, Schmerzen oder Furcht ausgestattet sind.
Folglich hat er den Politiker Eugen Bolz nicht als überlebensgroßen Helden auf einen hohen Sockel gestellt. Stattdessen zeigt er ihn, uns gegenüberstehend, als aufrechten, gefassten, doch körperlich geschwächten Mann.

Weiter: Am Königsbau vorbei, die Königstraße entlang, Richtung Rotebühlplatz (ca. 100m)

Das Denkmal zeigt Eugen BolzVergrößern
Alfred Hrdlicka: Denkmal für Eugen Bolz ©Thomas Schlegel

Alexander Calder: Crinkly avec disque rouge, 1973 (aufgestellt 1981)

Königstrasse, vor dem Kunstmuseum Stuttgart

Crinkly  avec disque rouge besteht aus mehreren Stahlelementen, die an Origamifiguren erinnern. Das Kunstwerk kombiniert Bewegung und Statik und entfaltet dadurch eine komplexe plastische Spannung, die in fragiler Balance gehalten wird. Das so genannte Mobile-Stabiles steht in effektvollem Gegensatz zu der glatten und nüchternen Glasfassade des Kunstmuseums.
Die moderne Plastik wurde 1981 aufgestellt. Sie erhitzte damals einige Gemüter in der Bevölkerung und war nicht unumstritten. Mit der Eröffnung des Kunstmuseums im Jahr 2005 erhielt sie einen festen Bezugspunkt.

Weiter: die Stufen hoch, am Kunstmuseum vorbei (ca. 60m)

Eine Skulptur in rot, gelb und orange, vor der Glasfassade des Kunstmuseums.Vergrößern
Alexander Calder: Crinkly avec disque rouge ©Wolfram Janzer

Aristide Maillol: La Nuit, 1902-09 (aufgestellt 1980)

Im Foyer des Kunstmuseums, Kleiner Schlossplatz 1

La nuit ist die dritte großformatige Plastik von Aristide Maillol. Im Jahr 1980 erwarb die Stadt Stuttgart den letzten von sechs Güssen.Die anderen Abgüsse sind über die ganze Welt verteilt. Maillol konzentriert den weiblichen Akt in monumental-rundplastischen Formen von vollendetem Ebenmaß. Durch den Verzicht auf Details und individuelle Züge strahlen seine Akte unendliche Ruhe und harmonische Ausgewogenheit aus. Zudem legt Maillol viel Wert darauf, dass seine Skulpturen ganz in die Natur eingebettet sind. Auch in Stuttgart reagiert La nuit auf die sie umgebende Architektur und Umgebung.

Weiter ca. 20m Richtung Stauffenbergstraße

Aristide Maillol: La nuit, 1902-09 (Aufstellung 1980)Vergrößern
Aristide Maillol: La nuit ©Wolfram Janzer

Carsten Nicolai: Polylit, 2006

Kleiner Schlossplatz 1, hinter dem Kunstmuseum

Auf dem Kleinen Schlossplatz ist seit Mai 2006 das Kunstwerk Polylit von Carsten Nicolai zu sehen. Die Glasskulptur spiegelt tagsüber die Gebäude in der Umgebung und macht sie so zu einem Teil des Kunstwerks. Nachts ist sie von innen beleuchtet, so dass die tragende Stahlkonstruktion sichtbar wird. Außerdem reagiert die Skulptur auf elektromagnetische Strahlung und ist dadurch in der Lage die Funktion von Mobiltelefonen oder Laptops in ihrer Nähe einzuschränken. Das Kunstwerk steht nicht mittig auf dem Schlossplatz, sondern näher am Kunstmuseum und verdeutlicht so seine Zugehörigkeit zum Museum.

Eine eckige Skupltur, in der sich die Umgebung spiegelt.Vergrößern
Carsten Nicolai: Polylit ©Lea Scheurer

Otto Herbert Hajek: Stadtzeichen Stuttgart, 1969/1974

Fußgängerinsel bei der Theodor-Heuss-Straße 2

Die Skulptur Stadtzeichen Stuttgart entstammt einem umfassenden Projekt zur künstlerischen Gestaltung des urbanen Raums. Im Rahmen der Ausstellung "Platzmal" überzog Otto Herbert Hajek 1969 den kleinen Schlossplatz in Stuttgart mit großen monochromen Farbstreifen in Rot, Gelb und Blau. In diese "Farblandschaft" hinein wurde, neben anderen Plastiken, das Stuttgarter Stadtzeichen, das ursprünglich noch als bemalte Holzplastik ausgeführt war, gestellt. In einer zweiten, größeren Fassung von 1974 schuf Hajek das Stuttgarter Stadtzeichen dann in Stahl. 2005 wurde die Skulptur restauriert und an ihrem jetzigen Standort aufgestellt.

Weiter: ca. 200m, die gleiche Strecke zurück, auf die Königstraße, Richtung Rotebühlplatz

Eine Skulptur, die einem Pfeil ähnelt.Vergrößern
Otto Herbert Hajek: Stadtzeichen Stuttgart, 1969/1974

Herbert A. Böhm: Unbeschreiblich weiblich, 1979

Königstraße (auf Höhe Hausnummer 38)

Die reliefartige Marmorskulptur Unbeschreiblich weiblich von Herbert A. Böhm wurde 1979 gefertigt und bei der Bundesgartenschau in Bonn, danach beim Internationalen Kunstkongress in Stuttgart und im Kloster Maulbronn ausgestellt. 1981 kaufte sie die Stadt Stuttgart und stellte sie in der Königstraße auf. Die Skulptur macht ihrem Namen alle Ehre und regt die Menschen in der Königstraße zu einer direkten Auseinandersetzung mit dem Kunstwerk an, da sie im wahrsten Sinne des Wortes "Kunst zum Anfassen" ist: Erst die Berührungen der Passanten bringen die Figur vollends an ihren weiblichsten Stellen zum Glänzen.

Weiter: An Alter Kanzlei und Altem Schloss vorbei, Richtung Charlottenplatz, ca. 250m

Eine Skulptur aus Stein.Vergrößern
Herbert A. Böhm: Unbeschreiblich weiblich ©Lea Scheurer

Elmar Daucher: Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus, 1970

Planie, zwischem Altem Schloss und Karlsplatz

Vier massive Steinquader erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus. Wer sich zwischen die Blöcke wagt, kann einen Text des Philosophen Ernst Bloch lesen:

1933-1945
Verfemt Verstossen Gemartert
Erschlagen Erhängt Vergast
Millionen Opfer
Der Nationalsozialistischen Gewaltherrschaft
Beschwören Dich:
Niemals wieder!

Weiter: ca. 20m in Richtung Markthalle, in Sichtweite

Vier große, schwarze SteinwürfelVergrößern
Elmar Daucher: Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus ©Wolfram Janzer

Alfred Hrdlicka: Hommage à Sonny Liston

Altes Schloss, Seite zum Karlsplatz, vor dem Eingang zur Stauffenberg-Erinnerungsstätte

Der amerikanische Schwergewichtsboxer Sonny Liston war für Alfred Hrdlicka der moderne Gladiator schlechthin. Die erste Fassung seiner Bronze-Skulptur entstand 1963/64. In der zweiten Fassung schlug der Künstler den linken Arm der Skulptur ab, um die Ausdruckskraft der "starken Rechten", die das Symbol des Boxers war, zu betonen. Die Marmorskulptur wurde 1965 von Alfred Zöttl in Bronze gegossen. Seit dem 8. Mai 2008 steht sie neben Marsyas I und Sterbender auf dem Stauffenberg-Platz.

Eine Skulptur, die an den Sportler Sonny Liston erinnert. Der linke Arm fehlt, der rechte Arm ist sehr großVergrößern
Alfred Hrdlicka: Hommage à Sonny Liston ©Franziska Trinkner

Alfred Hrdlicka: Marsyas I, 1956/55-57

Altes Schloss, Seite zum Karlsplatz, vor dem Eingang zur Stauffenberg-Erinnerungsstätte

Anreiz für dieses Kunstwerk gab Alfred Hrdlicka die Geschichte des gequälten Verlierers Marsyas aus der griechischen Mythologie. Um 1955 begann Hrdlicka die Skulptur Marsyas I zu erschaffen. Aufgrund des spröden Materials und der komplizierten Form kam Hrdlicka nur langsam voran. Marsyas I zählt zu den frühen, für seinen Werdegang entscheidenden Skulpturen. Seit dem 8. Mai 2008 steht die Bronzeskulptur auf dem Stauffenberg-Platz neben Sterbender und Hommage à  Sonny Liston .

Eine Skulptur eines Mannes, dem ein Arm fehlt, den anderen Arm streckt er nach oben.Vergrößern
Alfred Hrdlicka: Marsyas I ©Franziska Trinkner

Alfred Hrdlicka: Sterbender, 1955-1958/1959

Altes Schloss, Seite zum Karlsplatz, vor dem Eingang zur Stauffenberg-Erinnerungsstätte

Der Wiener Bildhauer Alfred Hrdlicka hat mit der Skulptur Sterbender einen Torso geschaffen, der fragil wirkt, aber dennoch viel von seiner ursprünglichen Lebenskraft behält. Die Haltung des Körpers und die damit zusammenhängende Ausdruckskraft waren dem Künstler bei dieser Skulptur sehr wichtig. Um nicht vom Körper der Skulptur abzulenken, wurde der Kopf weggelassen.  Sterbender zählt, wie Marsyas I, zu den sogenannten "Fleischmarkthallengeschöpfen". Seit dem 8. Mai 2008 steht die Bronze-Skulptur Sterbender zusammen mit Marsyas I und Sonny Liston auf dem Stauffenberg-Platz.

Weiter: ca. 220m Richtung Charlottenplatz/Stadtbücherei, ab dem Grand Café Planie sichtbar

Skulptur eines Mannes, dem ein Arm fehlt.Vergrößern
Alfred Hrdlicka: Sterbender ©Franziska Trinkner
 
 

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