Kunst im Öffentlichen Raum - Route 2 (Universität, Berliner Platz)

Wolfgang Nestler: Positiv-Negativ, 1977

Parkanlage der Universität Stuttgart , Joseph-von-Egle-Weg , Stuttgart-Mitte

Das Kunstwerk Positiv-Negativ von Wolfgang Nestler befindet sich in der Parkanlage der Universität direkt an einem der unzähligen Wege, die durch den Park führen. Zwei bräunlich-rote, quadratische Stahlplatten liegen nebeneinander auf dem Boden. Aus beiden sind unterschiedliche Formen geschnitten, die - am unteren Rand gespiegelt - neben dem Objekt liegen. Das es sich hierbei um eine Spiegelung handelt fällt aber nur bei einer Negativform auf, den Umrisslinien des Dreiecks. Das Kunstwerk ist 1977 im Rahmen der Stuttgarter Bundesgartenschau entstanden. In der Zwischenzeit sind die Stahlplatten etwas in den Boden eingesunken und werden langsam vom darunter wachsenden Gras überwuchert - es ist durch die verschiedenen Umwelteinflüsse positiv gealtert.

Weiter: 80m durch den Universitätspark in Richtung Rektoramt

Zwei Stahlplatten liegen im Gras. Aus den Platten sind geometrische Formen ausgestanzt.Vergrößern
Wolfgang Nestler: Positiv-Negativ, 1977 ©Lea Scheurer

Hans-Dieteter Bohnet: Kubus, 1977

Parkanlage der Universität Stuttgart, vor dem Rektoramt, Stuttgart-Mitte

Die Skulptur Kubus von Hans Dieter Bohnet wurde im Jahre 1977 für die Ausstellung "Kunst im Stadtbild" geschaffen und steht heute vor dem Rektoramt der Universität Stuttgart. Sie ist zusammengeschweißt aus sechs rötlich-braunen Corten-Stahlplatten und drei Edelstahlplatten und steht übereck ohne Sockel auf dem Boden.
Als Ausgangsform dient der Würfel, eine harmonische Form aus gleich großen Flächen. An der oberen Ecke ist ein Würfel aus glänzendem Edelstahl eingesetzt, an der gegenüberliegenden unteren Ecke ein fiktiver kleinerer ersatzlos entfernt. Damit hat die Skulptur drei Auflagepunkte, steht sicher und doch spannungsvoll dynamisch. Die helle Würfelecke aus Edelstahl weist hinauf in den Himmel, die dunklen rostenden Flächen halten sie fest und verbinden sie mit der Erde.


Weiter: 150m zum Eingang der Universitätsbibliothek (auf der gegenüberliegenden Seite des Campus)

Hans-Dieter Bohnet: Kubus, 1977Vergrößern
Hans-Dieter Bohnet: Kubus, 1977 ©Wolfram Janzer

Hans Uhlmann: Aggression I, 1961

Vor der Universitätsbibliothek , Stadtgarten, Stuttgart-Mitte

Hans Uhlmanns scharfkantige Konstruktion Aggression I steckt voll von Widersprüchen. So wurde für die Konstruktion nicht etwa harter Stahl verwendet, sondern das wesentlich weichere Messing, das - ein Faktor der Irritation - dunkel patiniert wurde. Der Eindruck der Aggressivität entsteht also nicht durch das Material, sondern durch die Form, die tief in den Raum greift. Dabei nimmt der Betrachter - je nach Standort - entweder die Arme oder die Beine als mächtige Elemente wahr. Die Aggression tritt also nie vollständig, sondern immer nur teilweise zu Tage. Den Auftrag, den Eingangsbereich der neuen Bibliothek der damaligen Technischen Hochschule zu gestalten, hatte Uhlmann 1960 von der Kommission für Kunst am Bau erhalten. Aggression I wurde ein Jahr später aufgestellt.

Weiter: das Universitätsgelände Richtung Max-Kade-Haus, Liederhalle verlassen und die Holzgartenstraße überqueren.

Eine Messingskulptur, die auf zwei ''Beinen'' steht.Vergrößern
Hans Uhlmann: Aggression I ©Wolfram Janzer

Sabine Hoffmann: Euro Terra

Platz der Deutschen Einheit, zwischen Liederhalle und Max-Kade-Haus

Auf dem Platz der Deutschen Einheit, zwischen dem Max-Kade-Haus und der Liederhalle, liegt auf einer Rasenfläche das Kunstwerk Euro Terra von Sabine Hoffmann. Der lateinische Name bedeutet soviel wie Europäisches Land. Die Steinplatten aus Crailsheimer Muschelkalk sind in zwei Teile getrennt, wobei in jedem Teil schemenhaft zu erkennende Personen sich die Hände entgegenstrecken. Insofern kann die Skulptur als Symbol für die europäische Geschichte verstanden werden.

Weiter: den Platz der Deutschen nach links in Richtung Liederhalle überqueren, den überdachten Weg benutzen, auf dem Gelände der Liederhalle bleiben

Zwei rechteckige Steine, die ein wenig bewachsen sind.Vergrößern
Sabine Hoffmann: Euro Terra ©Lea Scheurer

Otto Herbert Hajek: Durchbrochene Fläche im Raum, 1955/Durchbrochene Fläche, 1955

Liederhalle Stuttgart, Künstlereingang, Schloßstraße

Die beiden Arbeiten Durchbrochene Fläche im Raum und Durchbrochene Fläche bedeuten einen Wendepunkt in Hajeks Schaffen. Mit der Skulptur Durchbrochene Fläche im Raum schuf Hajek 1955 die erste abstrakte Außenplastik, die in Stuttgart im öffentlichen Raum aufgestellt wurde. Sie war darüber hinaus eine der ersten abstrakten Plastiken dieser Größe in Deutschland.
Die Formensprache der Plastik Durchbrochene Fläche im Raum lässt etwas Organisches erahnen, ein Figurenpaar oder einen Baum. Die Oberfläche der Gusseisen-Skulptur fällt durch ihre unterschiedliche Struktur auf.
Bei der gesamten Gestaltung dieser Plastik bezieht sich Hajek auf die Sichtbeton-Fassade der Liederhalle.
Das Wandrelief Durchbrochene Fläche nimmt formale Elemente der Raumplastik auf und variiert diese.

Weiter: Zwischen Liederhalle und Kultur-und Kongresszentrum Liederhalle (Neubau) durch laufen, dann nach rechts in Richtung Cinemax-Kino

Eine gusseiserne Skulptur mit AussparungenVergrößern
Otto Herbert Hajek: Durchbrochene Fläche im Raum, 1955 ©Wolfram Janzer

Bernd Wilhelm Blank: Kinetisches Objekt, 2003

Robert-Bosch-Platz, Stuttgart-Mitte

Der Berliner Künstler Bernd Wilhelm Blank schuf die Skulptur Kinetisches Objekt mit direktem Bezug auf die Persönlichkeit des Unternehmers Robert Bosch (1861-1942). Er will mit ihr die Aufgeschlossenheit und "Beweglichkeit des Geistes" des Firmengründers zeigen, obwohl der hohe Block aus Stahl schwerfällig und schlicht wirkt. Als bildnerisches Symbol hierfür versetzt ein Elektromotor die oberen Segmente in Bewegung. Das Kunstwerk verändert sich, ohne seine Konstanten zu verlieren, weil die Plastik immer wieder zu ihrer Ausgangsform zusammengefügt wird.
Die Erfahrung von Raum im Kunstwerk, von Mobilität und Veränderlichkeit wird hier zur Ästhetik.

Weiter: die Treppenstufen zum Berliner-Platz hoch gehen

Ein weißer Turm, dessen oberen Segmente sich bewegen.Vergrößern
Bernd Wilhelm Blank: Kinetisches Objekt ©Wolfram Janzer

Hans Dieter Bohnet: Lyra, 1955/56

Außenfassade der Liederhalle, Stuttgart

Die Struktur des Wandreliefs Lyra an der Außenfassade der Liederhalle zeigt Parallelen zur Architektur dieses Konzerthauses. Hans Dieter Bohnet gliedert das Relief in drei verschieden große Teil - so, wie die Liederhalle drei unterschiedlich große Konzertsäle umfasst.
Auch das Motiv hat der Künstler, passend zum Konzerthaus, aus dem Bereich der Musik gewählt. Eine Lyra ist ein altgriechisches Zupfinstrument. Die Durchbrüche in der Fläche der Lyra ergeben feine strahlenförmige Stege und stehen für die Saiten des Instruments.

Weiter: Über den Berliner Platz in Richtung U-Bahn-Haltestelle Liederhalle, dort die Seidenstraße überqueren

Dreiteiliges Wandrelief aus AluminiumgussVergrößern
Hans Dieter Bohnet: Lyra, 1955/56 ©Lea Scheurer

Ernst-Reinhart Böhlig: Sebastian, 1980

Grünfläche vor dem Berliner Platz, Stuttgart-Mitte

In den 1980er-Jahren beschäftigte sich Ernst-Reinhart Böhlig intensiv mit dem Torso-Motiv. Ein Beispiel für Böhligs Auseinandersetzung mit diesem Motiv ist Sebastian. Böhling hat das Werk nicht eindeutig als "Heiliger Sebastian" tituliert; dennoch spielt der Name auf diesen Märtyrer der christlichen Überlieferung an, der in den gängigen Darstellungen an einen Baum gebunden und von Pfeilen beschossen wurde. Schräg auf einem Sockel, weder sitzend noch liegend, mit verzerrtem Ausdruck findet man in den Grünanlagen vor dem Berliner Platz den schrundig modellierten, verstümmelten und angespannt wirkenden Körper des Sebastian. Die Verstümmelung parallelisiert das Leiden und die archaische Form. Beim Betrachten der Skulptur fühlt man sich an das letzte Aufbäumen vor dem Tod erinnert.

Weiter: wieder zurück zum Berliner-Platz, zum Grünstreifen an der Fassade der Liederhalle (Nähe U-Bahn-Haltestelle)

Ein leidend aussehender Mann, halb sitzend, halb liegend auf einem Steinsockel.Vergrößern
Ernst-Reinhart Böhlig: Sebastian ©Franziska Trinkner

Karl-Heinz Franke: Edelstahl-Säulenwald, 1979

Berliner Platz, vor der Liederhalle, Stuttgart-Mitte


Der Edelstahl-Säulenwald - der Titel ist eine Wortschöpfung des Stuttgarter Kunstkritikers Günther Wirth - war ein Beitrag zum Internationalen Kunstkongress in Stuttgart 1979. Die Anordnung der elf Einzelobjekte und die angrenzenden Bäume zeigen, dass die Bezeichnung Säulenwald durchaus passend ist. Der Betrachter sollte sich einen Spaziergang durch den künstlichen Wald nicht entgehen lassen.



Säulen aus Edelstahl und Bäume ergänzen sich zu einem Edelstahl-Säulenwald.Vergrößern
Karl-Heinz Franke: Edelstahl-Säulenwald ©Wolfram Janzer
 
 

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