2010 - Joseph Rothschild

Im 125. Geburtsjahr von Otto Hirsch wurde der Tübinger Religions- und Politikwissenschaftler Joseph Rothschild mit der Otto-Hirsch-Medaille 2010 ausgezeichnet. Die Bürgermeisterin Gabriele Müller-Trimbusch überreichtedie Auszeichnung am 2. Februar im Großen Sitzungssaal des Stuttgarter Rathauses.

Joseph Rothschild

 
Joseph Rothschild, geboren in Haifa, studierte schwerpunktmäßig jüdische Philosophie und Islamwissenschaft an der Hebräischen Universität von Jerusalem unter anderem bei den Professoren Schlomoh (Salomon) Pines und Meir (Martin) Plessner. Nach seinem Abschluss und wissenschaftlichen Tätigkeiten an den Universitäten Jerusalem und Tel Aviv nahm er seine Forschungsarbeiten an der Universität Tübingen auf, wo er sich außerdem mit weiteren Studien auf den Fachgebieten der Politik- und Islamwissenschaft befasste.

Seit rund 30 Jahren widmet sich der Wissenschaftler und Dozent kontinuierlich der Verbreitung und Erläuterung der Kenntnisse über das Judentum, die hebräische Sprache (Ivrit) und die hebräische Bibel. Außerdem setzt er sich mit der Geschichte und Gegenwart Israels und dem Nahostkonflikt auseinander.

Das zentrale Anliegen seines Engagements war und ist, Schönheit, Tiefe und Sinn des Judentums darzulegen. Dabei setzt sich Rothschild sowohl für den Abbau von Vorurteilen gegenüber Juden und dem Judentum ein als auch für das interreligiöse Verständnis zwischen Judentum, Christentum und Islam. Er plädiert für einen respektvollen Umgang miteinander in gegenseitiger Achtung und würdiger Anerkennung der jeweiligen religiösen Sichtweise, Integrität und Identität.

Gleichzeitig will er durch seinen langjährigen Einsatz einerseits zur Aufarbeitung der deutschen nationalsozialistischen Vergangenheit, andererseits zu einem erweiterten Verständnis des Volkes und Staates Israel und des Nahostkonflikts beitragen.

Als Referent in Volkshochschulen und anderen Institutionen hält er Vorträge zu religiösen und gesellschaftlich-politischen Themen. Auch als Gründungsmitglied des Tübinger Arbeitskreises "Begegnungen mit dem Judentum" fördert er den interreligiösen Dialog.

Joseph Rothschild ist fest eingebunden in die Geschichte seiner Vorfahren. Seine Mutter, Susanna Rothschild, wurde in Mannheim geboren, sein Vater Herbert (Jizchak) Rothschild stammte aus Bad Cannstatt. Dort war die Familie seines Großvaters Josef Rothschild am Aufbau der Synagogen beteiligt. Sie lebte zur selben Zeit wie Otto Hirsch in Stuttgart und setzte sich trotz schwierigster Bedingungen für ein erweitertes Verständnis des Judentums und gegenseitige Mitmenschlichkeit ein. Joseph Rothschilds Eltern mussten 1933 wegen der nationalsozialistischen Verfolgungen nach Israel fliehen.

Im Sinne der Tradition Otto Hirschs, der 1926 das Jüdische Lehrhaus in Stuttgart gründete, ist es für Rothschild eine besondere Berufung, sich durch sein Leben, sein Wirken und seine Lehrtätigkeit auch hier im Land fortwährend für ein fundiertes Verständnis des jüdischen Glaubens, interreligiöse Akzeptanz und einen wertschätzenden Umgang miteinander einzusetzen.

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