Stuttgarter Delegation besuchte St. Louis
Mit vielen Besuchen von Einrichtungen und einem Festakt im historischen Museum der Stadt ist in St. Louis das Jubiläum der 50 Jahre dauernden Städtepartnerschaft mit Stuttgart gefeiert worden. Dabei betonten alle Beteiligten: In Zukunft soll die Freundschaft noch intensiver gepflegt werden, denn Freundschaft lebt nicht von E-Mails und Telefonaten, sondern vom persönlichen Kennenlernen, vom Austausch und vom Erleben. Die Stuttgarter Delegation unter Leitung von Oberbürgermeister Wolfgang Schuster war vom 15. bis 20. April in der größten Stadt des US-Bundesstaats Missouri zu Gast.
Auf amerikanischer Seite wird die Städteverbindung vor allem von der Privatinitiative und dem herausragenden Engagement von Bürgern getragen. Mit viel Herzblut und Herzlichkeit machen sie die Partnerschaft zur Freundschaft. Künftig soll diese "Graswurzel-Partnerschaft" stärker institutionalisiert werden.
Beim Festakt betonte Oberbürgermeister Wolfgang Schuster: "Wir wollen in Zukunft mehr tun." Er nannte vor allem drei Bereiche: Wirtschaftsfragen, Umweltschutz und Mobilität sowie die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts durch einen Generationenpakt. Außerdem lud Schuster seinen Amtskollegen Francis G. Slay ein, dem Städtenetzwerk "Cities for Mobility" beizutreten.
Francis Slay sagte in seiner Rede, die Partnerschaft sei nicht nur zum Händeschütteln da, sondern um voneinander zu lernen und zum Wohl der Bürger Ideen auszutauschen. Nicht zuletzt sei sie ein Beitrag zum Frieden. Als Symbol dafür übereichte er OB Schuster den goldenen Schlüssel der Stadt.
Der Direktor des County Saint Louis, Charley Dooley, fand es "toll, dass so viel läuft". Er beneide die jungen Leute, die die Gelegenheit hätten, sich auszutauschen und die Sprache des Anderen zu lernen. Darüberhinaus wünschte er sich mehr wirtschaftliche Zusammenarbeit.
"Be green"
Es blieb nicht beim Händeschütteln: Als neue Säulen der Partnerschaft unterzeichneten Schuster und Slay ein Abkommen, um eine Initiative im Klima- und Umweltschutz zu beginnen, als Zeichen nachhaltiger kommunaler Aktivitäten . In der Vereinbarung heißt es auch: "Städtepartnerschaften zwischen Kommunen sind immer noch die Säulen internationalen Verständnisses. Sie spielen eine wichtige Rolle angesichts der Herausforderungen der Globalisierung. Durch ihre Zusammenarbeit können sie Zeichen des Miteinanders setzen."In Saint Louis gilt übrigens die Devise "be green" - "sei grün". Allenthalben wird zum Recyceln aufgefordert, im Rathaus wird Umweltschutzpapier verwendet, und im Büro des Bürgermeisters erinnert ein Aufkleber daran, das Licht auszuschalten. Die Amtsleiter werden in nachhaltigem Wirtschaften unterwiesen, und - für amerikanische Städte fast schon eine irrwitzige Vorstellung - Radwege durchziehen die Stadt.
Weitere konkrete Ergebnisse der Reise:
Fred-Jürgen Stradinger, nicht nur Stadtrat, sondern auch Sportkreisvorsitzender, vereinbarte im Hinblick auf die Baseball-EM im Juli einen Jugendaustausch zwischen dem TV Cannstatt und den St. Louis Cardinals.Wolfgang Holtkamp von der Uni Stuttgart organisierte ein "virtuelles Klassenzimmer" und Projektwochen mit der University of Missouri.
Und OB Schuster regte eine Zusammenarbeit zwischen dem Olgahospital und dem Barnes-Jewish Hospital an, einem der Top-Ten-Krankenhäuser der USA.
Was haben die Stadträte sonst noch von der Reise mitgenommen? Werner Wölfle hat erkannt, wie wichtig es ist, dass unsere Städte für die Zukunft ohne Automobil besser gerüstet sind, als dies derzeit bei den amerikanischen Mega-Cities der Fall ist.
Fred-Jürgen Stradinger war wie Rose von Stein und Stefan Palmer begeistert vom ehrenamtlichen Engagement in Amerika, das schon in der Schule eingeübt und gefördert wird. Monika Wüst fiel vor allem das Engagement des Imani Familienzentrums auf, bei dem sich Bürger in nachbarschaftlichen Selbsthilfeprojekten um Frauen und Mütter kümmern.
Besonders beeindruckend war für Maria-Lina Kotelmann, wie für alle anderen, der Besuch bei der Pulitzer Foundation of the Arts. An der Grenze zum großteils entvölkerten und problematischen Nord-St. Louis baute die Stiftung ein Museum für moderne Kunst und entwickelte ein Projekt, um in einer Verbindung von Kunst und Sozialarbeit ehemalige Strafgefangene wieder einzugliedern. Hier wäre eine Kooperation mit dem Kunstmuseum Stuttgart denkbar.
Karl Semle
Weitere Informationen
Wissenswertes über die Verbindung Stuttgart - St. Louis sowie alle Termine rund ums Partnerschaftsjubiläum finden Sie in der Broschüre





