NS-Geschichte in Stuttgart: Erinnern und mehr erfahren

In Stuttgart und der Region bieten ganz unterschiedliche Institutionen Informationen über die NS-Geschichte. Hier stellen wir Ihnen Orte und Projekte vor, die nicht nur die Erinnerung wachhalten, sondern auch vertiefende Informationen zugänglich machen.

Stauffenberg-Erinnerungsstätte

Die vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg betreute Stauffenberg-Erinnerungsstätte im Alten Schloss widmet sich dem Gedenken an die in Stuttgart aufgewachsenen Brüder Berthold und Claus Schenk Graf von Stauffenberg.

Eine Dauerausstellung stellt das Leben der Brüder und ihren Weg in den Widerstand dar. Angeboten werden unter anderem Führungen für alle weiterführenden Schulformen. Ebenso stehen museumspädagogische Handreichungen für Lehrerinnen und Lehrer mit didaktischen Hilfestellungen, Arbeitsblättern sowie weiteren Materialien und Hinweisen zur Verfügung.

Altes Schloss
Schillerplatz 6
70173 Stuttgart
S-Mitte
+49 711 2123973 (Dr. Christopher Dowe)
+49 711 2123989

E-Mail: besucherdienst@hdgbw.de

www.hdgbw.de

Brüder StauffenbergVergrößern
Die Brüder Stauffenberg. Quelle: privat / Haus der Geschichte Baden-Württemberg

Bibliothek für Zeitgeschichte

Die Bibliothek für Zeitgeschichte der Württembergischen Landesbibliothek zählt zu den größten Forschungseinrichtungen und Spezialbibliotheken ihrer Art in Europa.

Sie wirkt insbesondere durch ihre öffentliche Vortragsreihe mit international renommierten Wissenschaftlern auch als Vermittler von NS-Geschichte. Ein erheblicher Anteil ihres Vortragsprogramms der letzten Jahre war dem Themenkomplex Zweiter Weltkrieg, Vernichtungskrieg und NS-Terror gewidmet.

Württembergische Landesbibliothek
Konrad-Adenauer-Straße 8
70173 Stuttgart
S-Mitte
+49 711 212-4516

www.wlb-stuttgart.de


Lernort Gedenkstätte

Der von der Stuttgarter Jugendhaus-Gesellschaft getragene Lernort Gedenkstätte bietet Führungen zur Deportation der Juden aus Stuttgart für Jugendliche an. Den äußeren Rahmen bildet ein Fußweg, der am Killesberg beginnt und am Inneren Nordbahnhof endet.

Weiterhin werden ganztägige Studientage veranstaltet, bei denen bestimmte Themen der NS-Geschichte vertieft behandelt werden. Kooperationspartner sind unter anderem die Stiftung Theodor-Heuss-Haus und das Stadtarchiv Stuttgart.

Als ein Sonderprojekt wird der Lernort Gedenkstätte vom 28. Juni bis 28. Juli dieses Jahres die neu konzipierte internationale Ausstellung des Anne Frank Hauses (Amsterdam) "Anne Frank" eine Geschichte für heute" in der Kleinen Schalterhalle des Hauptbahnhofs Stuttgart präsentieren.

Jugendhaus Mitte
Hohe Straße 9
70174 Stuttgart
S-Mitte
+49 711 9978598

www.lernort-gedenkstaette.de


Zeichen der Erinnerung

Die Gedenkstätte "Zeichen der Erinnerung" befindet sich am Stuttgarter Nordbahnhof zwischen Pragfriedhof und Nordbahnhofstraße. Von dort aus wurden zwischen 1941 und 1945 über 2500 Juden aus Württemberg und Stuttgart in Konzentrationslager deportiert. Es gab kaum Überlebende.

Noch heute sind die Schienen und Prellböcke von damals zu sehen. Die Namen von über 2000 Opfern sind an einer 70 Meter langen Mauer angebracht, die die fünf Gleise begrenzt. Eine Internetseite mit vielen Fotos bietet umfangreiche Informationen über die Deportationen, über Opfer und Täter.

Die Gedenkstätte wurde auf Initiative der Stiftung Geißstraße von dem zu diesem Zweck gegründeten Verein Zeichen der Erinnerung e. V. verwirklicht und im Juni 2006 der Öffentlichkeit übergeben. Die Arbeit ist vom Projekt "Die Anstifter" unterstützt worden. Die Kosten für die Gedenkstätte wurden je zur Hälfte von der Stadt und durch Spender aufgebracht.

www.zeichen-der-erinnerung.org
www.geissstraße.de/projekte

Zeichen der Erinnerung am NordbahnhofVergrößern
Zeichen der Erinnerung am Nordbahnhof. Archiv-Foto: Kern

Staatsarchiv Ludwigsburg

Das Staatsarchiv Ludwigsburg stellt mit seinen umfangreichen Quellenbeständen zur regionalen NS-Geschichte eine zentrale Anlaufstelle zur Erforschung dieser Epoche dar. Von herausragender Bedeutung sind die insgesamt 500 000 im Zuge der Entnazifizierung entstandenen Spruchkammerakten. Daneben stehen weitere wertvolle Unterlagen, wie Wiedergutmachungsakten und Akten der ordentlichen Gerichtsbarkeit, der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Neben der Bereitstellung der Unterlagen und der Benutzerberatung werden regelmäßig Führungen und Seminare für Schüler- und Erwachsenengruppen auch zu Spezialthemen der NS-Geschichte, etwa zur Entnazifizierung oder zum Ulmer Einsatzgruppenprozess, angeboten.

Landesarchiv Baden-Württemberg - Staatsarchiv Ludwigsburg
Arsenalplatz 3
71638 Ludwigsburg
+49 7141 186310
www.landesarchiv-bw.de/web/47251


Stadtarchiv Stuttgart

Das Stadtarchiv Stuttgart macht die kommunale Überlieferung zur lokalen NS-Geschichte zugänglich. Benutzergruppen, insbesondere Schulklassen, werden individuell betreut. Zurzeit erforscht beispielsweise ein Seminarkurs des Hölderlingymnasiums die NS-Geschichte der Schule und erhält dabei Unterstützung durch die Archivmitarbeiter.

Daneben wirkt das Stadtarchiv durch Publikationen, Vorträge und öffentliche Tagungen - zuletzt 2009 zum Thema "Hitler und der Holocaust" - an der Vermittlung von NS-Geschichte mit. Demnächst wird eine Studie zur Praxis der Straßenbenennungen in Stuttgart 1933 bis 1945 vorgestellt.

Ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Lernort Gedenkstätte zum Thema "Judenverfolgung in Stuttgart" ist in Vorbereitung. Noch bis zum 17. Mai zeigt das Stadtarchiv gemeinsam mit dem Weissenburg e.V die Ausstellung "Ausgrenzung aus der Volksgemeinschaft - Homosexuellen-Verfolgung in der NS-Zeit", ergänzt um eine Präsentation über die Situation in Stuttgart, im zweiten Obergeschoss im Rathaus.

Bellingweg 21
70372 Stuttgart
S-Bad Cannstatt
+49 711 216-91514 (Lesesaal)
+49 711 216-91512

www.stuttgart.de/stadtarchiv


Stolpersteine

Die Aktion Stolpersteine hat das Ziel, durch das Verlegen von zehn mal zehn Zentimeter großen Gedenksteinen, die mit einer Messingtafel mit Namensaufschrift versehen sind, an dieTodesopfer des nationalsozialistischen Terrors zu erinnern und auf deren letzte, frei gewählte Wohnorte aufmerksam zu machen. Die Idee geht auf den Kölner Künstler Gunter Demnig zurück. Gedacht wird aller Opfergruppen, Juden und politischer Gegner ebenso wie Sinti und Roma, Opfer des Krankenmords und Homosexueller.

Die umfangreichen Recherchearbeiten, die hierfür notwendig sind, werden ehrenamtlich von zahlreichen Ortsgruppen geleistet. In Stuttgart sind bereits über 500 Stolpersteine verlegt worden. Unterstützt werden die örtlichen Stolperstein-Initiativen von der Stadtverwaltung, dem Stadtarchiv Stuttgart und dem Staatsarchiv Ludwigsburg, unter anderem durch Hilfestellung bei der Recherche. Im Internet finden sich die Biografien der Opfer.

www.stolpersteine-stuttgart.de

Projekt Stoplersteine: Gegen das Vergessen

Stadtjugendring Stuttgart: Antifaschistische Stadtrundfahrten und -rundgänge

Seit 1980 bietet der Stadtjugendring Stuttgart e.V. Stadtrundfahrten in Stuttgart für Jugendgruppen und Schulklassen an. 20 Jahre lang wurden diese Fahrten von Menschen begleitet, die am Widerstand gegen die Nationalsozialistische Herrschaft beteiligt waren und viele Jahre in Zuchthäusern und Konzentrationslagern verbringen mussten. Diese Zeitzeugen sind mittlerweile verstorben.

Im Herbst 1999 wurde darum ein Arbeitskreis gegründet, der die Stadtrundfahrten weiterentwickelt und das dauerhafte Angebot der Fahrten sicherstellt.

Informationen zu den einzelnen Stadtrundgängen gibt es auf folgender Website:
www.stadterkundungen-stuttgart.de

Stadtjugendring Stuttgart e.V.

Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus in Baden-Württemberg

Die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg bietet eine Übersicht und Links zu den Gedenkstätten in Baden-Württemberg, sowie Informationen zur Förderung von Gedenkstättenfahrten, Informationen über ihre Arbeit und Zugang zu Materialien an:

www.gedenkstaetten-bw.de/gedenkstaetten0.html