Biomasse

Ein wichtiger Baustein des Einsatzes erneuerbarer Energien ist der Energieträger Holz. In Stuttgart fallen bei Landschaftspflegemaßnahmen, dem Rückschnitt von Büschen und Bäumen, jährlich ca. 18.000 m³ holzhaltiges Material an. Bis 2004 wurde dieses Materials kompostiert. Bei der Kompostierung oder Verbrennung von Biomasse wird ebensoviel CO2 freigesetzt wie der Zuwachs der Pflanzen bindet. Diese Prozesse sind somit quasi CO2-neutral. Lediglich durch die Aufbereitung und den Transport wird Zusatzenergie benötigt. Im Unterschied zur Kompostierung kann aber die Verbrennung die regenerative Energie der Biomasse nutzen und fossile Energieträger wie Gas oder Öl substituieren. Dieses führt zu einer Einsparung von CO2.

Vom Amt für Umweltschutz wurde untersucht, für welche der 1400 städtischen Gebäude der Stadt Holzhackschnitzelfeuerungen sinnvoll sind. Zu prüfen war Größe und Alter der bestehenden Kesselanlagen, Platzangebot für Holzbunker, lokale Verkehrssituation für Anlieferung per Lkw und klimatische Situation des Standorts. Parallel wurde ein Logistikkonzept entwickelt und aufgebaut, damit die Versorgung mit eigenem Brennmaterial aus der Landschaftspflege sichergestellt ist.

Bei einem Schulzentrum, einer Stadtgärtnerei und einem Hallenbad, das auch eine kaufmännische Schule und eine Feuerwache mit Wärme versorgt, war der Bau von Holzhackschnitzelanlagen besonders sinnvoll. Alle Betroffenen und Entscheidungsträger wurden über die Technologie informiert. Wichtig war zu kommunizieren, dass die Schadstoffemissionen moderner, automatisch geregelter Holzfeuerungen in der Größenordnung von Ölkesseln liegen. Die Stadt legt Wert darauf, dass bei jeder Anlage Elektrofilter zur Entstaubung zum Einsatz kommen, nennenswerte lokale Mehrbelastung unterbleibt und die hohen Stuttgarter Qualitätsanforderungen an Feststofffeuerungen werden erfüllt.

Die erste Anlage ist seit 2004 in Betrieb. Mittlerweile sind drei weitere hinzugekommen. Zwei weitere sind in Bau beziehungsweise in der Planungsphase. Mit diesen Anlagen wird nur Brennstoff aus eigenem Stuttgarter "Anbau" genutzt. Dadurch sinkt die Abhängigkeit von Importen mit langen Transportwegen. Kosten der früheren Kompostierung werden eingespart. Ökologische und ökonomische Vorteile werden gemeinsam nachhaltig genutzt.

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Hackschnitzelfeuerung mit eigener Biomasse. Foto: Stadt Stuttgart