Gedichte von Vincent Mayr (4. Preis beim Jugend-Lyrikpreis 2010)

Tod im Frühling


Jüngst, es war ein Frühjahrstag , da lag
Grad unter eines Kirschbaums Blütenpracht
Der Knochenmann im Grase ausgestreckt
Die Sense neben ihm, mit keinem Blick bedacht...

Zu dieser frohen Stunde, schon nach Mittag war's
Da alles stand im höchsten neuen Leben
Und die Vergänglichkeit zu diesem Bilde keinen Zugang fand
Durchfuhr - Wer weiß? - Auch ihn des Lebens ahnungsvolles Beben...

Just da gemahnte ihn ein Windhauch seiner Pflichten,
Denen er, nur widerstrebend, Rechnung zollte
Es riss sich eine Blüte los, vielleicht vom Wind...
Vielleicht vor Glück, das überschäumen wollte...

Schmuck und Elster


Es hemmte einst ein Ring im Grase meiner Schritte Bahn.
Ich hob ihn auf, da hob er's sprechen an:
"Ich lag, in einem Kästchen einst, im hellen Sonnenlicht
Da flog, in meinen Glanz verliebt, ein Dieb herbei
Und trug mich fort. Doch bald gab er mich wieder frei
Denn ich bin silbern - und er spürte mein Gewicht"
Und mit seiner Stimme, singend
Wie ein Glöckchen silbern klingend
hat er diesen Rat kredenzt:
"immer meide Elsterseelen
die stets stehlen
Was nur glänzt!"