Gedichte von Carolin Wahl (4. Preis beim Jugend-Lyrikpreis 2010)

Schatten


Weine nicht, hauchen
Lautlose Stimmen, Schatten
Die bereits lauern.
Weine nicht, meine kleine Schönheit
Wir sind für dich da.
Doch sie weicht angsterfüllt, zitternd, kauernd
Ihr rotes Schlaftuch umklammernd
Die Augen geweitet, in die Ecke zurück.
Keine Angst, flüstern sie lächelnd, freundlich, lockend.
Wirres Haar, gelöst aus dem geflochtenen Zopf, vernebeln ihr die Sicht.
Keine Angst, flüstern sie wieder.
Das Mädchen weint, lautlos, wie die Schatten sich nähern.
Schluchzer, die über die blassen Lippen dringen
Verzweiflung mit sich tragen und um Hilfe rufen.
Dunkelheit umfängt die Stille.
Sie warten. Warten.
Ein Lichtkegel erfüllt den Raum.
Die Schatten weichen.
Bekannter Duft umhüllt die Sinne des Mädchens. Tröstende Arme.
Alles wird gut. Weine nicht, jetzt bin ich da.

Gedankenstille


Leere.
Stille.
Ich versuche an nichts zu denken.
Den Moment zu leben.
Hier zu sein. Bei dir.
Zu zuhören. Hören was du sagst.

Du lächelst.
Ich verliere mich.
Du bemerkst es nicht.
Halte mich!
Ich sage es nicht laut.
Denke es. Will nichts denken.
Den Moment genießen.

Ich bitte dich stumm. Mit den Augen.
Liebe mich!
Du erkennst es nicht.
Ich weine. Innerlich.
Du bist blind.
Und ich schweige.