Hotel Silber - Dorotheenstraße 10

Das Hotel Silber wird zum Lern- und Gedenkort: Die Eröffnung ist für 2017 vorgesehen. Die geplante Einrichtung im Hotel Silber soll eine kritische Auseinandersetzung mit seiner Geschichte ermöglichen. Sie ist als Ort des historisch-politischen Lernens konzipiert. Aus dem Lernen über die Vergangenheit sollen die Besucher Handlungsperspektiven für die Gegenwart und die Zukunft gewinnen können. Zentral ist dabei die Vermittlung demokratischer Werte und Regeln, der Grund- und Menschenrechte sowie der Prinzipien des Rechtsstaats.

Das Hotel Silber war ein Ort des NS-Terrors. Von dort aus wurde in Württemberg und Hohenzollern die Überwachung der Gesellschaft, die Verfolgung politischer Gegnerinnen und Gegner und diskriminierter Minderheiten, die Unterdrückung der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie die Deportation der Jüdinnen und Juden organisiert und gesteuert.

Außenstelle des Hauses der Geschichte

Das Hotel Silber wird als Außenstelle des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg betrieben, es untersteht dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Der Vorstand des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg leitet das Haus und trägt die Gesamtverantwortung für die Einrichtung, den Ausstellungsbetrieb und weitere Veranstaltungen.

Die konzeptionelle Ausrichtung und das Programm des Hotel Silber wird vom Programmbeirat erarbeitet und vom Verwaltungsrat beschlossen. In beiden Gremien sind Land, Stadt und Initiative vertreten.


Ehemaliges Hotel Silber in der Dorotheenstraße 10Das ehemalige Hotel Silber in der Dorotheenstraße 10. Foto: Stadt Stuttgart / Beutel


Stadt bezuschusst Veranstaltungen

Für die Vorbereitung, Ausstellungsplanung und Ausstellungseinrichtung stellen Stadt und Land jeweils 1,5 Millionen Euro bereit. Den Betrieb bezuschussen sie jährlich mit jeweils 250.000 Euro. Außerdem zahlen Stadt und Land jährlich jeweils 30.000 Euro für die Gebäudebewirtschaftung und den Verbrauch.

Das Land übernimmt 5.000 Euro Miete für den Büroraum, der der "Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e.V" überlassen wird. Die Stadt bezuschusst deren Veranstaltungen mit bis zu 5.000 Euro pro Jahr. Die Investitionen für diesen Umbau trägt allein das Land. Auch für die Miete für den Erinnerungsort
- knapp 1000 Quadratmeter Nettogrundfläche - kommt das Land auf.

Historischer Hintergrund

Das Hotel Silber ist ein überregional und lokal bedeutsamer historischer Ort, ein Ort des staatlich und bürokratisch organisierten NS-Terrors. Von dort aus wurde in Württemberg und Hohenzollern die Überwachung der Gesellschaft, die Verfolgung politischer Gegnerinnen und Gegner und diskriminierter Minderheiten, die Unterdrückung der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie die Deportation der Jüdinnen und Juden organisiert und gesteuert.

Das Hotel Silber galt und gilt aus diesem Grund noch immer als Inbegriff des NS-Unrechtsregimes. Als ehemaliger Dienstsitz der Polizei auch vor 1933 steht es für das nahezu reibungslose Hinübergleiten der Weimarer Republik in die NS-Diktatur. Als Dienstsitz der Polizei nach 1945 steht es darüber hinaus für einige personelle und funktionale Kontinuitäten sowie für die fortgeführte Ausgrenzung und Verfolgung von Minderheiten wie der Homosexuellen, der Sinti und Roma und der sogenannten "Asozialen".

Die Geschichte der Polizei im Hotel Silber zeigt aber auch die Entfaltung demokratischer und pluralistischer Prinzipien nach 1945. An der Nachkriegsgeschichte des Hotel Silber als Gebäude lässt sich überdies seismografisch der Wandel in der Auseinandersetzung der bundesrepublikanischen Gesellschaft und ihrer Institutionen mit dem nationalsozialistischen Erbe erkennen.

Hotel Silber Anfang des 20. Jahrhunderts (Großansicht)Hotel Silber Anfang des 20. Jahrhunderts. Foto: Stadtarchiv

Vielfältiges Potenzial in der historisch-politischen Bildungsarbeit

Die "Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e.V." hatte den Abriss des Gebäudes verhindert und erreicht, dass die Landesregierung den Erhalt des Gebäudes festgeschrieben und die Einrichtung eines Erinnerungsortes ermöglicht hat.

Mehr Informationen

www.geschichtsort-hotel-silber.de