Europäischer Kongress "Aktive Städte - aktive Kinder"
Die steigenden Zahlen von übergewichtigen und motorisch auffälligen Kindern sind nicht nur in Stuttgart ein Problem. In ganz Europa beschäftigen sich Experten mit Strategien zur Verringerung dieser Zahlen. Beim Kongress "Aktive Städte - Aktive Kinder", der am 30. September und 1. Oktober 2010 im Stuttgarter Rathaus stattfand, tauschten 150 Experten aus elf Ländern ihre Erfahrungen aus.
Die Vertreter stammten überwiegend aus Kommunal- und Landesverwaltungen der Bereiche Sport, Jugend, Schule und Gesundheit. Die Kongressteilnehmer beschäftigen sich in ihrer täglichen Arbeit intensiv mit dem Thema der Bewegungsförderung bei Kindern und erhielten bei der zweitägigen Veranstaltung viele praktische Impulse und Lösungsansätze.
Die Bürgermeisterin für Kultur, Bildung und Sport, Dr. Susanne Eisenmann, zeigte sich mit dem Ergebnis des Kongresses sehr zufrieden: "Unser Ziel, Lösungen aufzuzeigen, die sich teilweise auch schon in der Praxis bewährt haben, und sie gemeinsam weiterzuentwickeln, wurde mehr als erreicht."
Nach dem einleitenden Referat von Professor Dr. Renate Zimmer, die aufzeigte, wie wichtig Bewegung für Kinder ist, stellten Städte wie Rotterdam und Düsseldorf ihre eigenen Programme vor. Es wurde deutlich, dass Lösungen immer möglich sind, jedoch auch, dass ein grundsätzlicher Wandel im Bewegungsverhalten nur mit einem langem Atem und guten Ansätzen gelingen kann.
Außerdem betonten die Experten, wie wichtig die Zusammenarbeit der Kommunen in einem Netzwerk ist. Zahlreiche Kongressteilnehmer beschäftigten sich mit der Bewegungsförderung im Kindergartenalter. In diesem Bereich entwickelten die Städte verstärkt Programme, in denen sie oft mit Sportvereinen kooperieren.
Aber nicht nur die gemeinsame Arbeit mit Sportvereinen ist wichtig, sondern auch die mit Familie, Kindergarten, Schule sowie Familien-, Kinder- und Jugendeinrichtungen. In all diesen Feldern, so das Fazit der Experten, müssen die Rahmenbedingungen optimal gestaltet werden. Insbesondere die Eltern, die in ihrer Vorbildfunktion für die Entwicklung der kindlichen Bewegung bedeutend sind, müssen die Kommunen in ihre Programme einbinden.
Nachdem sich die Experten ausgetauscht hatten, erstellten sie einen praktischen Leitfaden mit 30 Punkten zur Förderung der Bewegung von Kindern in europäischen Kommunen. Bürgermeisterin Dr. Susanne Eisenmann übergab die Leitlinien am Ende des Kongresses an Jacob Kornbeck von der Europäischen Kommission und schickte die 30 Leitlinien damit auf die Reise durch Europa.
Der Leitfaden soll in allen europäischen Ländern bekannt gemacht und mit weiteren Ideen ergänzt werden. "Wir begleiten diesen Prozess sehr gerne. Herzlichen Dank an die Projektpartner und die Kongressteilnehmer für die tolle, bisherige Arbeit", sagte Jacob Kornbeck.
Im Januar erhält die Europäische Kommission dann die endgültigen Leitlinien.
Datenbank für den Erfahrungsaustausch
Die Ergebnisse der bisherigen Arbeit bzw. erfolgreiche Ansätze und praktische Lösungsansätze werden auf einer Datenbank bereitgestellt, um Kommunen europaweit die Möglichkeit zu bieten, ihre Projekte und Ansätze zu präsentieren und im Gegenzug von den Erfahrungen anderer zu lernen. Mehr dazu unter:
Pilotprogramm im Hallschlag
Schon bei einem ersten Partnertreffen der am EU-Projekt beteiligten Städte, haben Athen, Innsbruck, Kopenhagen und Rotterdam festgestellt, dass Netzwerkarbeit im Sport und deren Förderung eines der zentralen Themen ist. Kindergärten, Kindertagesstätten, Schulen und Vereine und weitere Vertreter, die sich mit dem Thema Kinder und Bewegung auseinandersetzen, sollen enger zusammen arbeiten.
In Stuttgart beispielsweise haben sich Vertreter von Einrichtungen, die sich täglich mit der Bewegungsförderung von Kindern befassen, bereits mehrfach zu einem Runden Tisch getroffen, um sich gemeinsam dieses wichtigen Themas anzunehmen, sich zu unterstützen und Projekte umzusetzen.
Daraus ist ein Pilotprogramm im Hallschlag entstanden, das Teil eines Rahmenkonzeptes für alle Stuttgarter Stadtteile ist. Modellhaft werden dort in Kooperation mit den örtlichen Sport-vereinen gezielte Angebote zur Bewegungsförderung für Kinder organisiert. Es soll ein Programm mit einem ganzheitlichen Ansatz entstehen, das Bewegung im Stadtbezirk nachhaltig fördert.
Hintergrundinformationen
Die Landeshauptstadt Stuttgart hat für ihr Projekt "Stärkung der Bewegungskultur im Alltag von Kindern" den Zuschlag für EU-Fördermittel erhalten. Die EU bezuschusst das gesamte Projekt mit über 210.000 Euro, der Anteil für die Stadt Stuttgart beläuft sich auf mehr als 80.000 Euro. Die Federführung und Koordination liegt beim Sportamt der Landeshauptstadt. Stuttgart hatte den Förderantrag mit den vier Partnerstädten Athen, Kopenhagen, Rotterdam und Innsbruck gestellt.
Ziel des Projekts ist die Stärkung der alltäglichen Bewegungskultur von Kindern in europäischen Städten, da die Kinder in den meisten Ländern der Europäischen Union mehr und mehr bewegungsauffällig und übergewichtig sind. Erstmals konnten in diesem Jahr im Rahmen des Programms "You need exercise!" Projektanträge bei der Europäischen Kommission für Maßnahmen im Bereich des Sports gestellt werden. Die Förderung der EU läuft bis zum Januar 2011.
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