2011 - Cotta-Übersetzerpreisträgerin Claudia Ott

Dr. Claudia Ott wurde durch ihre Neuübersetzung von "Tausendundeine Nacht" (Verlag C.H. Beck, 2004) bekannt. Ein Nachfolgeband dieser Neuübersetzung ist bereits in Arbeit; Ott übersetzt eine Handschrift des "Umar-Romans", die in der Tübinger Universitätsbibliothek aufbewahrt wird und mit der 283. Nacht beginnt.

2008 veröffentlichte Ott eine Anthologie namens "Gold auf Lapislazuli - die hundert schönsten Liebesgedichte des Orients" (Verlag C.H. Beck) mit vielen Neu- und Erstübersetzungen klassischer und moderner Lyrik.
2010 entdeckte sie eine alte Handschrift in der Bibliothek des Aga Khan: Geschichten aus 101 Nacht. Die Entdeckung dieser Handschrift ist nicht nur eine wissenschaftliche Sensation, sondern hat zu einem neuen Übersetzungsprojekt geführt, an dem Ott derzeit arbeitet (Manesse Verlag).

Claudia Ott wurde 1968 in Tübingen geboren, studierte Orientalistik in Jerusalem, Tübingen und Berlin sowie arabische Musik in Kairo. Sie ist Mitglied mehrerer Ensembles für orientalische Musik und betreut eigene Programme mit Musik und orientalischer Literatur. Sie ist außerdem für verschiedene Rundfunkanstalten als Autorin und Übersetzerin tätig. Sie ist seit 2000 wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl "Orientalische Philologie" der Universität Erlangen-Nürnberg. Seit 2007 ist sie Jury-Vorsitzende des damals neu gegründeten Coburger Rückert-Preises.

Begründung der Jury:

Seit Verleihung des Stuttgarter Cotta-Übersetzungspreises wird mit der Neuübersetzung der Märchen aus tausendundeiner Nacht durch Ott zum ersten Mal eine Übersetzung vom Arabischen ins Deutsche preisgekrönt. Ott, promoviert an der Freien Universität Berlin mit einer Arbeit über "Metamorphosen des Epos", hat fünf Jahre an dem berühmten Hauptwerk der orientalischen Erzählliteratur gearbeitet. Anhand der kritischen Edition des irakischen Arabisten Mushin Mahdi lieferte sie die erste deutsche Übersetzung jener arabischen Handschrift, die vor dreihundert Jahren dem ersten französischen und damit auch ersten europäischen Übersetzer Antoine Galland vorlag.

Von der Kritik wurde die Übertragung 2004 begeistert aufgenommen. Stefan Weidner, maßgeblicher  Arabist und Übersetzer, fand sie "in Präzision und Nähe zum Original mit keiner anderen Übersetzung zu vergleichen". 2009 erschien das Buch bereits in zehnter Auflage.

Überraschend ist das rund 700 Seiten umfassende Werk in dreierlei Hinsicht. Zum einen fehlen mehrere Erzählungen, die man gewöhnlich mit Tausendundeiner Nacht verbindet: "Sindbad der Seefahrer", "Ali Baba und die vierzig Räuber" sowie "Aladin und die Wunderlampe". Aber sie gehörten eben nicht zum Original aus dem Jahr 1450, wurden vielmehr von Galland um 1700 aus anderen Quellen hinzugefügt. Auch endet der Text mit der 282. Nacht, und verweist damit ebenfalls auf andere Quellen.

Wirklich neu für deutsche Leser ist auch das unverstellt erotische Vokabular, dem Ott einige Sorgfalt gewidmet hat. Schließlich und vor allem hat man der Ottschen Version rund 250 Gedichte zu danken, die in keiner Fassung bisher vollständig präsentiert wurden. Als Kennerin der arabischen Musik und Flötistin hat sich Ott mit Reim und Metrum erstmals wirklich gründlich beschäftigt und auch die Reimprosa, arabisch "Sadsch", textgetreu wiedergegeben. Die vielen Reime, sei es in den Gedichten sei es in mitten im Text, bestätigen einmal mehr, wie stark das Ganze als Lautwerk, also von der Stimme her, also als mündliches Erzählen gedacht war.

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Claudia Ott bei einer Lesung in Hannover. Foto Stefan Simonsen
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Claudia Ott in ihrem Arbeitszimmer. Foto: Margitta True