Fritz Leonhardt

Fritz Leonhardt wurde am 11. Juli 1909 in Stuttgart geboren und starb dort am 30. Dezember 1999.

Der international angesehene Bauingenieur Prof. Dr.-Ing. Fritz Leonhardt erlangte mit Brücken und Türmen Weltruhm. Mit dem Stuttgarter Fernsehturm, weltweit dem ersten seiner Art, ist Leonhardts Name untrennbar verbunden. Er entwickelte das Spannbeton-Verfahren im Brückenbau, entwarf neue Hänge-Brückentypen und andere Brückenbauten.

Leben und Werk

Fritz Leonhardt besuchte das Dillmann-Realgymnasium in Stuttgart und studierte von 1927 bis 1931 an der Technischen Hochschule für Bauingenieurwesen Stuttgart. In den Jahren 1932 und 1933 besuchte er als "graduate student" die Purdue-University in Lafayette (Indiana/USA). Von 1934 bis 1938 war er Brückenbauingenieur bei den Reichsautobahnen unter anderem zusammen mit Paul Bonatz. Ab 1939 arbeitete Leonhardt als freiberuflicher Beratender Ingenieur in München, Köln und Stuttgart und ab 1958 ordentlicher als Professor für Massivbau in Stuttgart. Von 1967 bis 1969 leitete er als Rektor die Universität Stuttgart.

Gemeinsam mit Paul Bonatz baute Leonhardt Autobahnbrücken, darunter 1938 in Rodenkirchen bei Köln die damals größte Hängebrücke Europas. 1948 konstruierte er die Deutzer Brücke, eine Stahlkastenträgerbrücke, 1950 die elegante Neckarkanalbrücke in Heilbronn, 1951 die Köln-Mülheimer Brücke sowie 1979 die Kochertalbrücke. Im Jahr 1992 wurde die Galata-Brücke über das Goldene Horn in Istanbul eingeweiht, ebenfalls eine Konstruktion aus dem Büro Leonhardts. Insgesamt baute er weltweit mehrere hundert meist schlanke, leichte und elegante Brücken.

Auch Hochbauten wie das Stuttgarter Max-Kade-Heim oder das BASF-Hochhaus tragen die Handschrift von Fritz Leonhardt. Zusammen mit Günter Behnisch und Frei Otto war Leonhardt 1972 auch an der Konstruktion des Zeltdachs für das Münchner Olympiastadion beteiligt und für die Expo in Sevilla baute sein Büro 1994 die schlankste Balkenbrücke der Welt. Zusammen mit Frei Otto, Rolf Gutbrod, Hermann Kendel, Hermann Kiess und anderen konstruierte Leonhardt von 1965 bis 1967 den Deutscher Pavillon für die Expo 67 in Montreal. Für dessen Tragwerksplanung erhielt er den Auguste-Perret-Preis der Union International des Architects (UIA).

Sein berühmtestes Bauwerk ist der Stuttgarter Fernsehturm, das Wahrzeichen der Landeshauptstadt, den er gemeinsam mit Erwin Heinle und Rolf Gutbrod verwirklichte. Bei seiner Fertigstellung 1956 war der Fernsehturm mit 217 Metern Höhe das elftgrößte Bauprojekt der Welt. Ihm folgten zahlreiche Türme wie, der 271,5 Meter hohe Fernmeldeturm Hamburg (Heinrich-Hertz-Turm) in den Jahren 1965 bis 1968, der Fernmeldeturm in Peking, von 1988 bis 1992 der Fernmeldeturm Hannover (Telemax) mit einer Höhe von 272 Metern und der 226 Meter hohe Kieler Fernmeldeturm.

FernsehturmVergrößern
Das von Leonhardt konstruierte Wahrzeichen von Stuttgart: der Fernsehturm. Foto: Stuttgart Marketing

Fritz-Leonhardt-Preis

Die Ingenieurkammer verleiht seit 1999 alle drei Jahre den großen, europäisch bedeutsamen Bauingenieurpreis, der den Namen Fritz Leonhardts trägt. Mit dem Preis werden die Ingenieurbaukunst und die sie schaffenden Bauingenieure ausgezeichnet.
Die letzten Preisträger waren:

 

  • 1999: Der französische Bauingenieur Michel Virlogeux. Er konstruierte die Normandiebrücke bei Le Havre
  • 2002: Der Stuttgarter Bauingenieur Jörg Schlaich, der in Stuttgart zum Beispiel den Killesbergturm, die Brücken am Löwentor und am Max-Eyth-See realisierte. Weltweit baute er Brücken wie zum Beispiel die Hoogly-Brücke im Ganges-Delta bei Kalkutta.
  • 2005: Der schweizer Bauingenieur René Walther, dessen Forschungsarbeiten den Weg zu den heutigen Schrägseilbrücken mit sehr schlanken Längsträgern öffnete. René Walther baute selbst die erste Brücke dieser Art und zwar über den Rhein bei Diepoldsau mit rund 100 Metern Spannweite.