Das Programm SEE - Stadt mit Energieeffizienz ist gestartet
Das Ziel müsse sein, Energie zu sparen und effizient einzusetzen, "bei Erhalt der Lebensqualität und der Wettbewerbsfähigkeit". Er warnte davor, das Problem zu unterschätzen. "Der soziale Aspekt kommt nämlich hinzu. Es droht die Gefahr, das sich künftig nicht mehr jeder Wärme und Mobilität leisten kann."
Genau das von Oettinger skizzierte Ziel möchte Stuttgart auf kommunaler Ebene erreichen und sozialen Abstieg und Verwerfungen wegen einer möglichen Energiekrise vermeiden. "Wir müssen Nachhaltigkeit leben und die Energiewende schaffen", sagte Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster. Dabei habe die Stadt ein ehrgeiziges Ziel und möchte ein deutliches Zeichen setzen: "Zusammen mit den Bürgern und Betrieben, mit Handel und Gewerbe läuten wir die Energiewende ein", so der OB. 2020 soll die Gesamtstadt - Kommune, Industrie, Gewerbe und Bürger - 20 Prozent weniger Energie verbrauchen als im Jahr 1990. Zudem sollen erneuerbare Energien zukünftig 20 Prozent des Energiebedarfs decken.
Im Großen Sitzungssaal hatten sich rund 300 Bürger zur SEE-Auftaktveranstaltung eingefunden, um sich über SEE und die Möglichkeiten des Mitmachens zu informieren. Darunter viele Experten aus der Wirtschaft, Verwaltung, Handel und Gewerbe sowie von Wohnungsunternehmen.
Energie-Kommissar Oettinger warnte vor zu viel Optimismus. 20 Prozent höhere Energieeffizienz bis 2020 im Vergleich sei nur schwer zu erreichen. "Aber wir wollen alles tun, um das Ziel nicht zu verfehlen. Dazu hat die Kommission entsprechende Vorschläge gemacht."

- Der EU-Kommissar für Energie Günther, Oettinger und OB Wolfgang Schuster. Foto: Kraufmann/ Hörner
Energetische Sanierung forcieren
Ein wichtiges Feld sei der Wohnungsbau. "Wir brauchen nicht mehr beliebig viele neue Gebäude." Nur mit der energetischen Sanierung des Bestands könne ein großer Teil der Effizienzsteigerung erreicht werden. "Um glaubwürdig zu sein, muss das Tempo verdoppelt werden: von bisher 1,5 Prozent auf drei Prozent sanierte bestehende Gebäudenutzflächen pro Jahr."
Gefragt sei dabei nicht nur die öffentliche Hand, auch Privatleute sollten in die energetische Sanierung investieren, betonte Oettinger. "Auch wenn sich dies erst nach 20 Jahren lohnt. Denn dies ist eine Investition zu Gunsten der kommenden Generation."
Sicherheit der Versorgung
Ein wichtiger Standortfaktor ist nach Meinung des Energiekommissars die Versorgungssicherheit, wobei elektrischer Strom als Endenergieträger immer bedeutsamer werde, selbst im Bereich der Mobilität, wo im Schienenverkehr Strom heute das Maß aller Dinge sei. Setzt sich die Elektromobilität durch, so werde dies auch im Individualverkehr kommen. "Wir brauchen eine stabile Grundversorgung und leistungsfähige Stromnetze", so der Energiekommissar. Er verwies auf Länder, deren Netze so schlecht seien, dass es immer wieder Stromausfälle gebe. "Dies führt zu Milliardenverlusten in der Industrie. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass Strom sicher dahin kommt, wo er gebraucht wird."
Der Energieexperte beim Amt für Umweltschutz, Dr. Jürgen Görres, erläuterte, die Stadt habe 63 Maßnahmen erarbeitet, die aber teilweise noch nicht umgesetzt seien. Rund 1000 Haushalte sollen nun detailliert befragt werden, wo und wie Energie verbraucht wird. "Und wir werden Runde Tische gründen für alle Bereiche rund um Stadtentwicklung und Energiekonzepte. Unser Ziel: 2016 wollen wir ein Energiekonzept festschreiben für die Zeit bis 2020, das dann fortgeschrieben wird bis zum Jahr 2050."

