Stadt hat Geißler-Vorschlag geprüft: Auch heute noch die schlechtere Lösung (2. August 2011)
Die Stadt Stuttgart hat den am Freitag, 29. Juli 2011, von Heiner Geißler vorgestellten Vorschlag einer kombinierten Lösung aus dem bestehenden Kopfbahnhof und dem geplanten Tiefbahnhof in den vergangenen Tagen geprüft. Fazit: Weder aus verkehrlicher, noch aus finanzieller und planungsrechtlicher Hinsicht bringt dieser Vorschlag im Vergleich mit Stuttgart 21 einen Vorteil für die Stadt.
Stuttgarts Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster: "Die historische städtebauliche Chance, die uns Stuttgart 21 bietet, wäre vertan. Die Kombi-Lösung kombiniert die meisten Nachteile des Kopfbahnhofs mit den von Stuttgart-21-Gegnern kritisierten Nachteilen des Durchgangsbahnhofs."
Bei der Prüfung konnte auf umfangreiche Unterlagen aus dem 1997 durchgeführten Raumordnungsverfahren zurückgegriffen werden. Der Geißler-Vorschlag basiert auf einer älteren Überlegung des Stuttgarter Verkehrswissenschaftlers Prof. Gerhard Heimerl, die bereits 1988 und 1992 von der Bahn geprüft wurde. 1995 wurde die Variante von den Grünen als so genannte "Kombi-Variante" aufgegriffen. Nach eingehender Prüfung lehnten die Partei und weitere Gegner des Projekts Stuttgart 21 diese Variante ab. Hauptgrund: Die zu hohen Kosten im Vergleich zum Nutzen. Der heutige Landesverkehrsminister Winfried Hermann hat die Kombi-Lösung ebenfalls abgelehnt - zuletzt im vergangenen Oktober. Auch im Raumordnungsverfahren, bei dem alle Varianten in der Öffentlichkeit mit den Bürgern diskutiert wurden, hat man die Lösung nach einem Vergleich mit anderen Alternativen verworfen.
Stuttgarts Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster: "Wir haben die Prüfung aktualisiert, den Abwägungsprozess vor dem Hintergrund der aktuellen Situation wiederholt. Der Vorschlag ist auch heute noch die schlechtere Lösung. Stuttgart 21 hat sich vor 15 Jahren als die beste aus mehr als 60 untersuchten und öffentlich diskutierten Varianten durchgesetzt. Die Argumente für das Projekt gelten auch heute noch."
Heiner Geißler habe versucht, mit der Präsentation der Kombi-Lösung zwischen Befürwortern und Gegnern des Projekts Stuttgart 21 zu vermitteln. Aber: "Die Option, alle Planungen wieder auf null zu setzen, hätte nur Sinn gemacht, wenn der neue Bahnhof den Nachweis der versprochenen Leistungsfähigkeit nicht gebracht hätte. Das Gegenteil ist der Fall. Stuttgart 21 hat alle Hürden genommen, das haben die Ergebnisse des Stresstest gezeigt. Die von Schlichter Heiner Geißler geforderten anerkannten Standards des Eisenbahnwesens sind eingehalten."12 Punkte warum das Kombi-Modell keine Lösung ist
Warum der Vorschlag des Stuttgart-21-Schlichters Heiner Geißler für die Stadt Stuttgart nach einem Abwägungsprozess keine Alternative zum Projekt Stuttgart 21 ist, hat die Verwaltung in zwölf Punkten zusammengefasst:
1. Die Höhenlage der Gleise des Durchgangsbahnhofs ist aufgrund zahlreicher Zwangspunkte (Querung S-Bahn, Stadtbahn, Geländeverlauf und Mineralwasserhorizont) fixiert. Hinsichtlich der notwendigen Eingriffe in den Untergrund ergeben sich keine Vorteile.2. Der Südflügel muss ebenso wie bei Stuttgart 21 abgerissen werden.
Oberbürgermeister Schuster: "Die Kombi-Lösung wurde bereits damals im Raumordnungsverfahren im Grundsatz auch wegen eines schlechten Verhältnisses von Nutzen und Kosten verworfen. Daran hat sich auch heute nichts geändert."
Dem OB ist auch nach dem Ende der Schlichtung wichtig, dass der Prozess des Dialogs weiter geht: "Die Bahn wird Stuttgart 21 bauen. Das heißt nicht, dass von jetzt an jeder kritische Dialog am Bahnprojekt hinfällig wird. Während der Bauzeit wird es immer wieder Fragen geben, die aus Sicht der Stuttgarter noch nicht ausreichend beantwortet sind. Diesen Fragen wollen wir im Rahmen eines Bürgerforums nachgehen. Wir werden im Rathaus mit Experten und der Bahn öffentlich diskutieren, dabei Bürger einbeziehen, die das Projekt befürworten und solche, die es ablehnen."
Hierzu haben wir die verfügbaren Quellen zusammengestellt:
- Prüfungsbericht zur Kompromiss-Lösung August 2011 (PDF - 1,8 MB)
- Heiner Geißlers Kompromissvorschlag: Frieden in Stuttgart - eine Kompromisslösung zur Befriedung der Auseinandersetzung um Stuttgart 21 (PDF - 365 KB)
- Stuttgart 21 - Diskurs (PDF - 23 MB), hier insbesondere Seite 97ff, 1347, 1505
- Entwurf zur Kombi-Idee der Grünen von Winfried Hermann und Gerd Hickmann, 1995 (PDF - 3,5 MB)
- Minister Winfried Hermann mit einer Absage zur Kombi-Lösung zu Stuttgart 21 (PDF - 71 KB)


