Starker Rückgang der Sterblichkeit nach Schlaganfall in Stuttgart

Schlaganfallerkrankungen sind dritthäufigste Todesursache nach Herzinfarkt und Krebs in Deutschland. 20 % der Patienten versterben nach einem Schlaganfall innerhalb von vier Wochen, über 37 % innerhalb eines Jahres an den Folgen. In Stuttgart ist ein starker Rückgang der Sterblichkeit nach Schlaganfall zu verzeichnen. Starben 1998 bei etwa 5.650 Todesfällen etwa 650 Stuttgarter an einem Schlaganfall, waren es im Jahr 2008 bei etwa 5.100 Todesfällen noch etwa 400. Unter Berücksichtigung der gealterten Einwohnerschaft (Altersstandardisierung) ergibt sich ein Rückgang der Sterblichkeit um etwa 45 %.

Was ist ein Schlaganfall?

Als Schlaganfall werden schlagartig auftretende Funktionsausfälle des Gehirns bezeichnet, daher auch "Hirnschlag" oder schwäbisch "Schlägle" genannt.

Die Ursache sind meistens akute Gefäßverschlüsse im Gehirn, die zu einer plötzlichen Durchblutungsstörung und damit Schädigung des Hirngewebes führen. Aber auch Blutungen und Abflussstörungen im Gehirn können zu einem Schlaganfall führen. Je nach dem welche Hirnregion von der Durchblutungsstörung betroffen ist, können unterschiedliche Symptome entstehen.

Alarmsignale für einen Schlaganfall können auch von medizinischen Laien erkannt werden.

Mögliche Frühsymptome eines Schlaganfalls

  1. Plötzliche Schwierigkeiten beim Sprechen
  2. Muskelschwäche oder Lähmungen auf einer Körper- oder Gesichtshälfte
  3. Taubheitsgefühl in Arm oder Bein
  4. Doppelbilder, unscharfes Sehen, eingeschränktes Gesichtsfeld
  5. Drehschwindel, Gleichgewichtsstörungen
  6. plötzliche heftigste Kopfschmerzen
  7. akute Schluckstörung
  8. Bewusstseinsstörung
Wenn ein Schlaganfall nicht oder zu spät behandelt wird, können aus den Frühsymptomen dauerhafte Funktionseinschränkungen und Behinderungen bis zur vollständigen Pflegebedürftigkeit werden.

Die mangelnde Durchblutung des Gehirns führt bereits nach kurzer Zeit zu einem Absterben des Gehirngewebes und damit gehen auch die entsprechenden Hirnfunktionen verloren. Deshalb ist es wichtig, dass bei Auftreten eines Schlaganfalls der Patient sehr schnell vom Notarzt zur Behandlung in eine dafür spezialisierte Abteilung des Krankenhauses, eine sogenannte Schlaganfallstation oder "Stroke Unit", gebracht wird. Die Symptome eines Schlaganfalls können auch von Laien gut erkannt werden.

Wie kann man als Laie einen Schlaganfall erkennen?

Ein Schlaganfallereignis kann auch von medizinischen Laien anhand der Symptome, also der sichtbaren neurologischen Ausfälle und Beschwerden, festgestellt werden.

Mit den folgenden fünf Punkten können Sie prüfen, ob ein Schlaganfall ausgeschlossen werden kann:
 
  • Finger vor den Augen hin und her führen:
    Person kann den Finger klar erkennen und ihm ohne Probleme folgen. Sie sieht keine Doppelbilder und sieht den Finger mit beiden Augen.

  • Betroffenen bitten zu lächeln:
    Beide Seiten des Gesichtes bewegen sich gleich. Keine Gesichtshälfte ist unbeweglich oder hängt herunter.

  • Einen Satz sagen lassen:
    Anweisung wird verstanden und Aussprache ist korrekt. Es werden keine falschen Worte verwendet oder die Aussprache ist undeutlich.

  • Bewegungen beobachten:
    Person bewegt sich sicher und koordiniert. Person schwankt nicht, ist nicht unsicher oder stürzt.

  • Nach Kopfschmerzen fragen:
    Ein plötzlicher sehr starker Kopfschmerz im gesamten Kopf mit Übelkeit und Erbrechen weist auf einen Schlaganfall hin.

(Quelle: Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe, Gütersloh: www.schlaganfall-hilfe.de)

Was ist bei Verdacht auf Schlaganfall zu tun?

Bei Verdacht auf einen Schlaganfall sollten möglichst rasch Erste-Hilfe-Maßnahmen erfolgen und der Notarzt gerufen werden. Der Arzt oder Rettungssanitäter sollte auf den Verdacht eines Schlaganfalls hingewiesen werden. Da Hirnzellen bei mangelnder Durchblutung schnell absterben, sollte der Patient möglichst schnell vom Rettungsdienst in eine der Schlaganfallstationen ("Stroke Units") gebracht werden. Eine Behandlung sollte möglichst innerhalb von drei Stunden begonnen werden.

Jede Sekunde zählt beim Notfall Schlaganfall: "time is brain"

Das Stuttgarter Klinikum verfügt über solch eine Spezialstation in der Neurologischen Klinik mit zwölf Betten in 24-Stunden-Überwachung:

Was kann man zur Vorbeugung eines Schlaganfalls tun?

Für den Schlaganfall gibt es verschiedene Risikofaktoren, die durch das persönliche Verhalten oder eine frühzeitige ärztliche Behandlung verringert werden können.

Vor einer Gehirnblutung kann man sich nur bedingt schützen, indem man darauf achtet, dass der Blutdruck einen normalen Wert hat. Gefäßmissbildungen (Aneurysmen) können infolge eines zu hohen Blutdrucks reißen. Da sie angeboren sind, gibt es gegen sie keine direkten vorbeugenden Maßnahmen.

Die häufigste Ursache für einen Schlaganfall durch Gefäßverschluss (Hirninfarkt) ist eine Verkalkung der Blutgefäße. Risikofaktoren für die so genannte Arteriosklerose sind:

  • hoher Blutdruck
  • Rauchen
  • Ernährung (zu wenig Obst und Gemüse, zu viel Salz und tierische Fette),
  • hoher Cholesterinspiegel
  • Diabetes
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Schlafapnoe (Schnarchen und Schlafstörungen)
  • hoher Alkoholkonsum

Zur Vorbeugung eines Schlaganfalls ist ein Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum, eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung, eine Reduktion des Übergewichts sowie eine Behandlung von hohem Blutdruck, Diabetes und Schlafapnoe geeignet.

In 20 % der Fälle sind Herzrhythmusstörungen für den Hirninfarkt verantwortlich. Dadurch kann sich ein Blutpfropf (Thrombus) bilden, der über den Blutstrom ins Gehirn transportiert wird und dort ein Gefäß verschließen kann. Die Herzrhythmusstörung muss behandelt oder das Blut mithilfe bestimmter Medikamente so weit verdünnt werden, dass sich kein Blutpfropf mehr bilden kann (Antikoagulation).

Hier können Sie Ihr persönliches Risikoprofil für einen Schlaganfall bestimmen:
Risikotest für einen Schlaganfall

Häufigkeit und Verlauf des Schlaganfalls in Deutschland und in Stuttgart

In Deutschland erleiden jährlich zwischen 160.000 und 250.000 Menschen einen Schlaganfall. In Stuttgart blieb die Zahl der im Krankenhaus behandelten Schlaganfälle in den letzten Jahren mit etwa 2.200 etwa gleich. Schlaganfall ist damit auf der Hitliste der Krankenhausbehandlungen in Stuttgart auf Platz 10.

Schlaganfallerkrankungen sind dritthäufigste Todesursache nach Herzinfarkt und Krebs in Deutschland. 20 % der Patienten versterben nach einem Schlaganfall innerhalb von vier Wochen, über 37 % innerhalb eines Jahres an den Folgen. In Stuttgart ist ein starker Rückgang der Sterblichkeit nach Schlaganfall zu verzeichnen. Starben 1998 bei etwa 5.650 Todesfällen etwa 650 Stuttgarter an einem Schlaganfall, waren es im Jahr 2008 bei etwa 5.100 Todesfällen noch etwa 400. Unter Berücksichtigung der gealterten Einwohnerschaft (Altersstandardisierung) ergibt sich ein Rückgang der Sterblichkeit um etwa 45 %.

Aber auch wenn der Schlaganfall nicht tödlich verläuft, ist er häufig Ursache für lebenslange Behinderungen einer großen Spannbreite: von leichteren Einschränkungen im Alltag bis zur völligen Pflegebedürftigkeit. Aus dem Qualitätsbericht der Schlaganfallstationen in Baden-Württemberg ist zu entnehmen, dass knapp 40 % der Patienten bei Entlassung aus der Schlaganfallstation Lähmungen haben und etwa 20 % Sprach- oder Sprechstörungen.

Lesen Sie weiter:
Epidemiologie des Schlaganfalls in Stuttgart (PDF - 50 KB) - Informationen zur Häufigkeit des Auftretens, zur Krankenhausbehandlung und zur Sterblichkeit.

Selbsthilfegruppen nach Schlaganfall

Selbsthilfegruppen helfen Betroffenen, andere Betroffene kennen zu lernen, sich mit ihnen auszutauschen, besser mit ihrer Krankheit zurechtzukommen, nützliche Informationen zu erfahren und sozialpolitische Forderungen zu stellen.

 

Informationen über Selbsthilfegruppen nach Schlaganfall in Stuttgart und Umgebung gibt es bei der Selbsthilfekontaktstelle KISS Stuttgart e. V.

oder beim Landesverband Aphasie und Schlaganfall Baden-Württemberg e. V. www.aphasie-schlaganfall-bw.de/

Weitere Fachinformationen zum Thema Schlaganfall:

 
 

Mehr zum Thema

Schlagwörter