Geänderte Trinkwasserverordnung

^Am 14. Dezember 2012 trat die erneut novellierte Trinkwasserverordnung in Kraft. Auch sie bringt wieder eine Vielzahl von Änderungen für den Unternehmer und sonstigen Inhaber einer Wasserversorgungsanlage aber auch für den Verbraucher und nicht zuletzt auch für die Gesundheitsämter mit sich. Hierbei ist anzumerken, dass Trinkwasser-Installationen Wasserversorgungsanlagen im Sinne der Trinkwasserverordnung (§ 3 Abs. 1 Nr. 2 Buchstabe e) darstellen.

Trinkwasser

Vorab sei noch einmal darauf hingewiesen, dass unter Trinkwasser nicht nur Wasser zum Trinken oder zur Herstellung von Getränken oder Lebensmittel zu verstehen ist sondern auch alles Wasser, das z. B. zur Körperpflege oder -reinigung, zum Geschirrspülen oder zum Wäsche waschen verwendet wird.

Legionellen

Schon in der Trinkwasserverordnung vom November 2011 war ein sog. technischer Maßnahmenwert für Legionellen festgelegt worden. Darunter versteht man einen Wert, bei dessen Überschreitung eine von der Trinkwasser-Installation ausgehende vermeidbare Gesundheitsgefährdung zu besorgen ist und Maßnahmen zur hygienisch-technischen Überprüfung der Trinkwasser-Installation im Sinne einer Gefährdungsanalyse eingeleitet werden müssen.

Legionellen sind Umweltkeime, die in Wasser führenden Systemen, zum Beispiel auch in Trinkwasser-Installationen, vorkommen. Beim Einatmen feinster Tröpfchen (Aerosole), wie sie beim Duschen oder der Benutzung einer Munddusche entstehen können, werden die Bakterien übertragen. Legionellen können unter ungünstigen Umständen zu schweren Lungenentzündungen führen, deren Verlauf mitunter auch tödlich sein kann.

Das Vorkommen von Legionellen wird entscheidend von der Wassertemperatur beeinflusst. Ideale Bedingungen für ihre Vermehrung finden Legionellen zwischen 20 und 50 Grad Celsius, also den Temperaturen, wie sie oft im Warmwassersystem vorgefunden werden.

Legionellen

Anzeige- und Informationspflicht

Der Verantwortliche für die Trinkwasserversorgung eines Gebäudes, aus dem Trinkwasser im Rahmen einer öffentlichen oder gewerblichen Tätigkeit abgegeben wird (dazu zählen zum Beispiel Krankenhäuser, Pflegeheime, Schulen, Kindertageseinrichtungen einerseits und zum Beispiel vermietete Wohnungen andererseits) hat deshalb jetzt Warmwassergroßanlagen durch ergänzende systemische Untersuchungen regelmäßig an mehreren repräsentativen Probenahmestellen auf Legionellen zu untersuchen oder untersuchen zu lassen sofern Duschen oder andere Einrichtungen vorhanden sind, bei denen es zu einer Verneblung des Trinkwassers kommt.

Als Großanlagen zur Trinkwassererwärmung gelten Anlagen mit Speicher-Trinkwassererwärmer oder zentralem Durchfluss-Trinkwassererwärmer jeweils mit einem Inhalt von mehr als 400 Litern oder einem Inhalt von mehr als 3 Litern in mindestens einer Rohrleitung zwischen Abgang des Trinkwassererwärmers und Entnahmestelle. Nicht berücksichtigt wird der Inhalt einer Zirkulationsleitung. Entsprechende Anlagen in Ein- und Zweifamilienhäusern zählen nicht zu Großanlagen zur Trinkwassererwärmung. Bei untersuchungspflichtigen Großanlagen ist sicherzustellen, dass geeignete Probennahmestellen nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik vorhanden sind.

Die Probenahme hat durch Fachleute (d. h. Probenehmer des akkreditierten und zugelassenen Labors) zu erfolgen, nachdem angebrachte Vorrichtungen und Einsätze entfernt, die Armatur thermisch oder ggf. chemisch (Natriumhypochlorit, Ethanol oder iso-Propanol) desinfiziert und das Wasser kurz ablaufen gelassen wurde (DIN EN ISO 19458, Tab. 1, b).

Wird bei den Untersuchungen der technische Maßnahmenwert für Legionellen (100 KBE /100 ml) überschritten, ist dies dem Gesundheitsamt durch den Unternehmer und sonstigen Inhaber der Trinkwasser-Installation unverzüglich anzuzeigen. Darüber hinaus hat er unverzüglich

  • Untersuchungen zur Aufklärung der Ursachen durchzuführen oder durchführen zu lassen; diese Untersuchungen haben eine Ortsbesichtigung sowie eine Prüfung der Einhaltung der allgemein anerkannten Regeln der Technik einzuschließen
  • eine Gefährdungsanalyse zu erstellen oder erstellen zu lassen
  • die Maßnahmen durchzuführen oder durchführen zu lassen, die nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik zum Schutz der Gesundheit der Verbraucher erforderlich sind.
Die ergriffenen Maßnahmen sind dem Gesundheitsamt ebenfalls unverzüglich mitzuteilen.

Weiterhin sind die betroffenen Verbraucher über das Ergebnis der Gefährdungsanalyse und sich möglicherweise daraus ergebende Einschränkungen der Verwendung des Trinkwassers unverzüglich zu informieren.

Sofern dem Trinkwasser innerhalb der Trinkwasser-Installation Aufbereitungsstoffe hinzugefügt werden - selbstverständlich dürfen nur Stoffe eingesetzt werden, die für den jeweiligen Zweck entsprechend der beim Umweltbundesamt geführten Liste der Aufbereitungsstoffe und Desinfektionsverfahren gemäß § 11 Trinkwasser-Verordnung 2001 zugelassen sind - sind auch diese und deren Konzentration im Trinkwasser unverzüglich und regelmäßig einmal jährlich schriftlich den betroffenen Verbrauchern bekannt zu geben.

Eine weitere wichtige Neuerung stellt die Tatsache dar, dass die novellierte Trinkwasserverordnung jetzt eindeutig vorschreibt, dass bei Planung, Bau und Betrieb von Trinkwasseranlagen, damit also auch von Trinkwasser-Installationen, mindestens die allgemein anerkannten Regeln der Technik (aaRdT) einzuhalten sind (TrinkwV § 17 Abs. 1).

Nicht geändert hat sich hingegen die Anzeigepflicht für Anlagen, in denen Wasser fließt, das keine Trinkwasserqualität besitzt, also zum Beispiel Regenwassernutzungsanlagen oder Grauwasseranlagen. Diese sind in Stuttgart wie schon bisher dem Gesundheitsamt unverzüglich anzuzeigen. Auch bauliche oder betriebstechnische Maßnahmen an der Trinkwasser-Installation, die wesentliche Auswirkungen auf die Wasserbeschaffenheit haben können, sind weiterhin anzuzeigen, sofern die Wasserabgabe im Rahmen einer öffentlichen Tätigkeit erfolgt. Ebenso die erstmalige Inbetriebnahme oder die Wiederinbetriebnahme sowie die Stilllegung einer Wasserversorgungsanlage oder von Teilen von ihr (TrinkwV § 13). Auch mobile Versorgungsanlagen und Trinkwasservorratsbehälter sind ebenso anzuzeigen wie Anlagen zur zeitweisen Wasserversorgung.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zur Trinkwasserverordnung erhalten Sie beim Gesundheitsamt, Umweltbezogener Gesundheitsschutz, Umwelthygiene